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Entdeckung eines verschwundenen Landes

DDR auf dem Alex

Bielefeld lobt eine Million Euro für denjenigen aus, der „durch nichts und niemanden“ zu erschütternd nachweist, daß es Bielefeld gar nicht gibt.

Soweit wagen sich die DDR-Aufarbeiter noch nicht vor, aber, wer „durch nichts und niemanden“ zu erschütternd nachweisen kann, daß es die DDR nie gegeben hat, darf bestimmt auch mit höchsten Ehren rechnen. Dem stehen aber nicht nur die Tiraden der DDR-Hasser entgegen, sondern auch Leute, die unablässig an die DDR und ihre einstigen Errungenschaften erinnern. Zu letzteren gehört auch der Verein „Unentdecktes Land“, der vom 31. August bis zum 8. September auf dem Berliner Alexanderplatz eine gleichnamige Ausstellung zeigte.

Jüngste Zählungen von Immobilienunternehmen ergaben, daß der Alexanderplatz während der Geschäftszeit täglich von etwa 360 000 Menschen aufgesucht wird und damit die Einkaufsmeilen Kurfürstendamm und Tauentzienstraße übertrifft. Davon haben, so die Veranstalter, etwa 100 Passanten täglich die 48 Schautafeln über die Entwicklung der DDR betrachtet. Damit hatte die Ausstellung etwa 1000 Besucher.

Allein der unvoreingenommene Blick auf die Leistungen der DDR und das, was von ihnen nach der Annektion übriggeblieben ist, kann den Unmut vieler Menschen im Osten erklären. In den bürgerlichen Medien, wie jüngst in einer Karikatur in der FAZ gehandhabt, werden die „Ossis“ dagegen weiterhin verunglimpft, sie fühlten sich nicht genügend von den „Wessis“ gestreichelt, ihre Persönlichkeitsentwicklung sei durch die Last „zweier Diktaturen“ und politische Erziehung vom Kindergarten an deformiert worden. Undankbar gegenüber den Segnungen des Westens mit „Reisefreiheit“ und frei konvertierbarer Währung wählten sie zu wenig die wohltätigen Parteien wie CDU und SPD, Grüne oder FDP, stattdessen deren Rechtsableger AfD oder schlimmer noch „Die Linke“.

Die Ausstellung nennt andere Gründe des Unmuts: „Die ökonomische Unterwerfung der Ostdeutschen geht einher mit juristischer Unterwerfung, mit Entrechtung und Aberkennung der Lebensleistung von 17 Millionen Menschen. Diese Entrechtung äußert sich in einer milliardenschweren Strafberentung nicht nur der Staatsangestellten, in der Nicht-Anerkennung von Millionen Abschlüssen und Ausbildungen, in Ost-Sonderregelungen für Lohntarife und Mindestlöhne. Anstelle des Eingaberechts der DDR trat das feudale Petitionsrecht, anstelle des Abtreibungsrechts eine staatlich regulierte Zwangsberatung, anstelle des ‚verordneten Antifaschismus‘ das KPD-Verbot. In Ostdeutschland gibt es mehr Armut und Arbeitslosigkeit, dafür weniger Reichtum und Vermögen, mehr Soldaten, aber weniger Offiziere, mehr Teilzeitjobs, aber weniger Lohn, mehr Rentner, aber weniger Rente als in Westdeutschland.“

Die Ausstellung behandelt den Auf- und Untergang der DDR in 14 Kapiteln. Von ihrer Gründung, über die schwierigen Aufbaujahre mit der Herausbildung einer eigenen Schwerindustrie, dem Wirtschaftskrieg gegen die DDR bis zur Organisation der Wirtschaft in Betriebe und Kombinate geht es in den Aufbaujahren. Der mittlere Abschnitt widmet sich der Vorbereitung der Einvernahme der DDR bis zur Bildung der Treuhandanstalt. Dem folgt die „Anatomie des Keulens“ bis zum „Abwicklen – Niedermachen – Ausräumen“.

Zum Schluß gibt es eine Liste der Verluste und neuen „Errungenschaften“: Geburtenrückgang, Entvölkerung ganzer Landstriche von jungen Bürgern, das Auferstehen des Faschismus mit seinem Ungeist, der Verlust der Wohnsicherheit und ein undurchschaubares Rechtssystem mit unabwägbaren Kostenrisiken.

Die Ausstellung wird künftig an anderen Orten zu sehen sein. Informationen wird es dazu auf der Internetseite des Vereins https://www.unentdecktes-land.org/geben. Dort kann auch gegen eine Spende der Katalog mit allen Schautafeln bezogen werden.

Im 70. Jahr der Gründung der DDR ist diese Ausstellung eine nicht hoch genug zuschätzende Initiative. Sie ist eine sachliche Antwort auf gerade im Jubiläumsjahr umsichgreifende geifernde Hetze und schlichte Geschichtsfälschung. Möge dies Beispiel viele weitere Bürger zu vergleichbaren Aktivitäten anregen.

Frank Wecker

Freiheit, Frieden, Menschenrecht

200 Jahre Karlsbader Beschlüsse

Besonders stolz sind die Herrschenden der Bundesrepublik, die sie seit der Annektion der DDR „Deutschland“ nennen, auf die Pressefreiheit.

Da mutete es seltsam an, daß in dem Gleichklang der Medien von den großbürgerlichen Blättern bis zum letzten kostenlosen Werbeblatt stets von „Arbeitnehmern“ gefaselt wird, wenn Arbeiter, von „Arbeitgebern“, wenn Unternehmen gemeint sind. Redakteure, die sich an diese Sprachregelungen nicht halten und etwa von „Faschisten“ schreiben statt von „Nationalsozialisten“, wissen dann ziemlich genau, warum ihre hoffnungsvolle Karriere ein abruptes Ende fand.

Das funktioniert im Rahmen der gepriesenen Pressefreiheit ganz von allein und muß nicht wie vor 200 Jahren staatlich verordnet werden. Als die nationalliberale Bewegung unter den Intellektuellen und dem Bürgertum Raum gewann, von einem deutschen Nationalstaat gar mit einer Verfassung und einem Parlament gesprochen wurde, fand sich in Karlsbad eine illustre Runde unter dem Reaktionär Fürst Metternich zusammen, die mit den „Karlsbader Beschlüssen“ diesen Umtrieben einen Riegel vorschieben wollte. Manches, was damals festgelegt wurde, könnte die Verwalter der annektierten DDR direkt inspiriert haben: Beispielsweise sollten an den Universitäten alle Lehrer aus dem Amt verschwinden, die „durch Mißbrauch ihres Einflusses auf die Gemüter der Jugend, durch Verbreitung verderblicher, der öffentlichen Ordnung und Ruhe feindseliger oder die Grundlagen der bestehenden Staatseinrichtungen untergrabenden Lehren ihre Unfähigkeit des ihnen anvertrauten Amtes an den Tag gelegt haben.“ Damit war dann unter anderem die akademischen Karrieren von Friedrich Schleiermacher und Ernst Moritz Arndt, dessen Name jüngst der Greifswalder Universität aberkannt wurde, beendet. Anders als heute unterlagen alle Zeitschriften unter 20 Bogen einer direkten Zensur und in Mainz wurde eine Zentral-Untersuchungskomission errichtet, die die „revolutionären Umtriebe und demagogische Verbindungen“ aufspüren sollte. Letzteres nimmt heute die Förderanstalt für den rechten Mob, Verfassungsschutz genannt, wahr.

„Linksextremismus“ heißt es in seinem jüngsten Bericht an den Bundestag, „ist ein Sammelbegriff für alle gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Bestrebungen, die auf einer Verabsolutierung der Werte von Freiheit und (sozialer) Gleichheit beruhen, wie sie sich insbesondere in den Ideen von Kommunismus und Anarchismus ausdrücken“. Damit stehen wie vor 200 Jahren die Kernbegriffe der französischen Revolution „Freiheit“ und „Gleichheit“ auf dem Index.

Woher diese Angst vor Worten? „Mit Worten läßt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten, an Worte läßt sich trefflich glauben, von einem Wort läßt sich kein Jota rauben“, heißt es in Goethes Faust. Vor allem kosten Worte nichts, können aber viel bewegen. Das zeigte die heute als „friedliche Revolution“ gefeierte Eroberung der DDR. Da war es gelungen, Losungen aus der Arbeiterbewegung, wie „Frieden, „Freiheit“ und „Menschenrecht“ gegen den bis dahin fortschrittlichsten deutschen Staat zu kehren. Erst zu spät erfolgt die Ernüchterung: Statt Frieden haben wir nun Kriegsbeteiligung, statt Freiheit einen Polizeistaat, statt Menschenrecht Hilfsverweigerung für Flüchtlinge. Sozialhilfeempfänger werden von Beamten als „Kunden“ verhöhnt und ihre staatliche Zuwendung ist nach einem Zuhälter benannt. Die Frauen dürfen sich über den Genderstern freuen, davon, daß ihnen fünf Jahre Lebensfreizeit, der Hauhaltstag und das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper gestrichen wurde, ist keine Rede mehr. Es lohnt sich, um Worte zu kämpfen: Freiheit, Frieden und Menschenrecht.

Frank Wecker

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