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Erklärung des
amtierenden Präsidenten des Europäischen
Friedensforums (epf ) zu einer Europäischen
Friedenskonferenz.
Der Weltfriedenstag am 1. September 2008 ist für das
Europäische Friedensforum ein würdiger Anlass, gerade
jetzt in einer international komplizierten, angespannten
und gefahrvollen Situation zu einer Europäischen
Friedenskonferenz am 14. und 15. März 2009 in Berlin
aufzurufen.
Aktuelle Ereignisse
veranlassen, dem nachfolgenden Appell im Namen des
Präsidiums einige Worte voranzustellen.
Die historische Würde und Bürde des Tages, an dem vor 69
Jahren mit dem Überfall des faschistischen Deutschlands
auf Polen der 2. Weltkrieg begann, gemahnt uns, die
Wiederkehr einer ähnlichen und angesichts modernster
Massenvernichtungswaffen sogar noch größeren Gefahr für
die Menschheit nicht zuzulassen. Zahlreiche Politiker,
Wissenschaftler und Vertreter der Friedensbewegung ziehen
ein besorgniserregendes Fazit der letzten beiden
Jahrzehnte, denn die Welt ist nicht sicherer geworden und
die Gefahren eines atomaren Weltkriegs mehrten sich. Die
Existenz der Menschheit steht auf dem Spiel. Daher fordern
wir berechtigt von allen Staaten, allen Regierungen und
verantwortlichen politischen Kräften, sich in den Dienst
der Erhaltung und Sicherung des Weltfriedens zu stellen
und Katastrophen zu verhindern. Wir erinnern an die Worte
des ehemaligen Generalsekretärs der UNO, Kofi Annan, „dass
die internationale Gemeinschaft derzeit an einer
Wegscheide steht.“ Entweder gehe sie einen konstruktiven
Weg gegen die Waffenverbreitung oder jenen gefährlichen,
der letztlich zur Anwendung von Massenvernichtungswaffen
führen wird. „Wenn es je einen Zeitpunkt gegeben hat, um
……….. die Abrüstung wieder in den Vordergrund der
internationalen Agenda zu stellen - dann jetzt.“ Diese
Mahnung gewinnt durch den Konflikt im Kaukasus eine hohe
Aktualität. Er drängt uns das Bewusstsein der Gefahren
auf, die dadurch entstehen könnten, wenn über diesen
Konflikt die USA und NATO die Welt in ein sich schnell
ausweitendes militärisches Abenteuer stürzen würden.
Erfahrungen aus der Kubakrise oder der „Nachrüstung“, die
die Welt an den Rand eines Weltkriegs brachten, drängen
sich auf.. Denn der Konflikt im Kaukasus ist kein
Bürgerkrieg und auch kein beliebiger regionaler Krieg. Die
Angriffe Georgiens auf Südossetien sind ein integraler
Bestandteil der globalen Bemühungen der USA und der NATO,
sich dauerhaft und auf dem ganzen Globus als
Weltordnungsmacht zu etablieren und sich weltweit - und
sei es mit militärischen Mitteln - den Zugang zu den
Ressourcen der Welt zu sichern. Schon die ständige
Androhung von Gewalt durch die USA mit der Umkreisung
Russlands ist ebenso völkerrechtswidrig wie ihre
Anwendung. Wer aus der Appeasementpolitik gegenüber dem
faschistischen Deutschland, die die Vorbereitung des
zweiten Weltkriegs ermöglichte, Lehren ziehen will, muss
auch eine Tolerierung der amerikanischen Politik einer PAX
Americana, die zu einem 3. Weltkrieg führen könnte,
ablehnen.
Als Europäisches
Friedensforum beunruhigen uns aktuell auch die umfassende
Militärhilfe, die Georgien von den USA und anderen
NATO-Staaten erhält, die moderne NATO-Militärbasis in
Georgien, die US-Militärberater, die gemeinsamen Manöver
im Krisengebiet, die handstreichartige Nutzung der
Krisensituation um Georgien, um möglichst unbemerkt und
schnell den Vertrag Polen - USA über die Stationierung
amerikanischer Raketensysteme abzuschließen, die sich
vornehmlich gegen Russland richten. Davon - sowie aus der
vorgesehenen Stationierung eines dazugehörigen
Radarsystems in Tschechien - können weltpolitische
Wirkungen ausgehen, die noch weit über eine schon
kurzfristig mögliche Beeinflussung der amerikanischen
Wahlen zugunsten McCaines hinausgehen. Wir sind
beunruhigt, dass diese ernste Krise zu eilfertigen
Zusicherungen auch der deutschen Bundeskanzlerin führte,
Georgien oder die Ukraine könnten der NATO beitreten, wenn
sie es nur wollten. Schließlich kann sich jeder leicht
vorstellen, dass es unberechenbare Folgen einer
Konfrontation mit Russland haben könnte, wenn das
Krisengebiet Georgien offiziell der NATO angehörte - bis
zum „Bündnisfall“. Wir sind beunruhigt über den Ruf nach
Sanktionen gegen Russland, die nicht nur einen
Wirtschaftskrieg vom Zaun brechen könnten, sondern auch
nachhaltig die Atmosphäre auf unserem Kontinent vergiften
würden. Und wir sind beunruhigt, dass diejenigen Kräfte -
und Georgien gehört dazu - die sich schon im April 1999
zur Unterstützung ihres Angriffs auf Jugoslawien durch ein
Militärbündnis noch enger mit der NATO zusammenschlossen,
um ihre Aggression zu unterstützen, heute auch durch ihr
aktuelles Handeln bekräftigen, dass dieser
Jugoslawienkrieg von vornherein als eine Zäsur zur
Torpedierung einer friedlichen Entwicklung Europas nach
dem Ende der Blockkonfrontation gedacht war und auch so
wirkte und weiterwirkt. Dass das Kriegs- und Gewaltverbot
des Völkerrechts unverzichtbar ist, stimmt ebenso wie dass
die Forderungen nach seiner Erneuerung nicht zur Tarnkappe
einer Neuaufteilung der Welt mit militärischen Mitteln und
zur Legitimierung einer Art neuer Weltordnung missbraucht
werden darf. Wir fühlen uns mitverantwortlich dafür, dass
es nicht zu einer weiteren Eskalation eines nie wirklich
beendeten kalten Krieges und zu neuen Konfrontationen
kommt. Deshalb haben wir auf einer Beratung des Präsidiums
des Europäischen Friedensforums, an der Vertreter aus zehn
europäischen Staaten teilnahmen, beschlossen, anlässlich
des bevorstehenden 10. Jahrestages des Überfalls auf
Jugoslawien zu einer Europäischen Friedenskonferenz
aufzurufen.
Professor Dr. Wolfgang
Richter, Amtierender Präsident des Europäischen
Friedensforums (epf) |
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