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Die irische Bevölkerung zeigt Souveränität!

Nun ist es passiert, was das politische Establishment Europas befürchtet hatte.
Das einzige Volk der EU, das als Souverän über den Vertrag von Lissabon entscheiden konnte, hat ihm die rote Karte gezeigt. Frust und Katzenjammer sind groß. Wie reagieren? Was in die Mikrofone der Medien verkünden? Was in die großen Zeitungen schreiben? Die Spannbreite ist erheblich.

Da werden die Iren als europafeindlich getadelt, dabei haben sie doch soviel von der EU partizipiert. Ihre politische Verantwortung für ein starkes Europa in einer Welt der Globalisierung wird beschworen. Die Strukturen der EU sollten doch mit dem Vertrag von Lissabon effizienter werden, Bürokratie abgebaut, mehr Demokratie sollte sein und auch der Austritts eines Landes sollte möglich sein.

Schelte, Denunziation und indirekte Drohungen an die Iren und natürlich an die eigene Bevölkerung. Dazu politische Vernebelung, Angst geht um vor der eigenen Bevölkerung, sie könnte dem Beispiel der Iren folgen wollen und auch eine Volksabstimmung einfordern.
Dazu ein gutes Stück Demagogie mit der Frage – wie können drei Millionen Iren das Wohl und Wehe(?) von mehr als 450 Millionen Europäern(!) entscheiden? Ist es nicht schizophren diese Frage überhaupt zu stellen angesichts der Tatsache, dass diese 450 Millionen überhaupt nicht gefragt wurden, dass für sie Parlamentarier entschieden haben bzw. noch entscheiden werden, die in gleicher weise Gesetze über die Demontage des so gerühmten Sozialstaates, Verstärkte Militarisierung und effizientere Überwachung der eigenen Bevölkerung erlassen.

Wo ist die Demokratie? Dabei ist sie doch ein so beliebig handhabbarer Exportartikel. Man wird leicht daran erinnert, wo bei ähnlichen Ereignissen (z. B. dem Wahlsieg der Hamas in Palästina) die Widerborstigen mit Blockaden, militärischen Aktionen u. ä. in die Knie gezwungen werden sollen. Das wird den widerspenstigen Iren sicher nicht passieren, immerhin ist ihr Land Mitglied der EU und gehört damit zum „zivilisierten Teil“ dieser Welt.

Wo ist der Plan „B“ wird gerufen, die Regierungen müssen die Bedeutung des Lissabonner-Vertrages besser kommunizieren, Sonderregelungen für Irland werden gefordert. Es wird auch wieder nach dem „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ gerufen – also große und kleine, reiche und arme Staaten in einer Union. Das ist Erpressung sowohl den Iren als auch anderen Völkern gegenüber.
Herr Steinmeier hat schon die Möglichkeit erwogen, die Mitgliedschaft Irlands in der EU zu suspendieren, womit die Demokratie gerettet wäre.

Es ist eine reife demokratische Entscheidung des irischen Volkes.
„Dem Land und seinen Menschen ist zu danken, dass die Demokratie und die Friedensorientierung in der Europäischen Union eine neue Chance erhalten. Das "No" der Iren war kein Nein zu Europa, sondern es war ein Nein zu dieser besonderen Form einer bevormundenden, autoritären, neoliberalen und sich militarisierenden Europäischen Union.“ (aus der Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag vom 13.06.2008)

Die Mächtigen und ihre Claqueure in den Medien können ihren Frust schlecht verbergen.
Der Lissabonner-Vertrag hat sich als eine Mogelpackung erwiesen, die die ursprüngliche EU-Verfassung nur „leicht verdaulicher“ machen sollte. Für die Bürger Europas undurchdringlich und undurchsichtig soll der Weg zum neoliberalen Marktradikalismus, zur weiteren Militarisierung der Außen- und Sicherheitspolitik, zu wachsender Rüstung und Abbau von Demokratie und Mitbestimmung geebnet werden. Es ist damit zu rechnen, dass die politischen Eliten der EU alles unternehmen werden, das Debakel ihres Vertragswerkes abzuwenden, neue Wege für die Durchsetzung ihrer Ziele zu finden.
Wachsamkeit ist geboten. der Sieg der Demokratie in Irland muss mit zunehmendem politischen Druck in ganz Europa unterstützt und wirksam gemacht werden.
 
 
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