AK Kultur- und Bildungsreisen

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Herbstfahrt in das untere Odertal

GBM Berlin-Mitte und Arbeitskreis Kultur- und Bildungsreisen luden ein

Das Nationalparkzentrum Criewen im Unteren Odertal war das Ziel der rund 180 Mitglieder und Freunde der GBM, die am 27. Oktober in dieses einmalige deutsch-polnische Naturschutzprojekt fuhren. Mit dabei war auch der Ernst-Busch-Chor. Wie immer bei solchen Unternehmungen freuten wir uns vor allem auch auf die Wiederbegegnung mit Freunden, auf die netten und interessanten Gespräche und natürlich auf das, was wir an solch einem Tag erleben werden. In Criewen, dessen Schloss auch ein deutsch-polnisches Begegnungszentrum beherbergt, erfuhren wir im ehemaligen Schafstall, der  inzwischen eine anregende Ausstellung zur Flora und Fauna des Odertals beherbergt, dass im Frühjahr und Herbst rund 100 000 Gänse und Enten sowie 10 000 Kraniche diese Gegend als Rast- bzw. Überwinterungsgebiet nutzen. Und rund 1 500 Singschwäne aus nördlichen Ländern bleiben in der kalten Jahreszeit hier. Aber wir machten auch sprachliche Entdeckungen, so siedelten im 8. Jahrhundert in diesem Gebiet slawische Stämme, die sich „Ukraner“ nannten. Von diesen soll die Bezeichnung Uckermark stammen. Die sehr anschauliche Ausstellung (Aquarien, ausgestopfte Vögel in ihrer natürlichen Umgebung, Sträucher, „Biberbäume“ usw.) lohnt es, nochmals in aller Ruhe zu besuchen, möglichst mit den Enkeln. Bei der Besichtigung des Lenné-Parks, des einstigen Gutshauses und der kleinen Kirche stellten wir fest, dass es keine „normalen“ Häuser ringsum gab. Und wir erfuhren, dass für die Anlage des Parks um 1820 das alte Dorf abgerissen werden musste. Wie der Dorfchronist zu erzählen wusste, soll es damals keine Proteste der Bauern gegeben haben, sie alle hätten bessere Häuser bekommen. Außerdem hätten sie es sicher auch nicht gewagt, gegen die von Arnims, denen alles gehörte, aufzumucken. Nach einem Gang durch die nebligen Polderwiesen (leider hatte sich Petrus für keine bessere Wettervariante entscheiden können) ging es weiter nach Bad Freienwalde, wo uns im Hotel Eduardshof, der seit 1750 als Gutshof existierte, nicht nur Mittagessen und Kaffee erwarteten, sondern auch die Sängerinnen und Sänger des Ernst- Busch-Chores, die uns mit ihren Liedern erfreuten. Nicht nur Zuhören war erwünscht, sondern auch Mitsingen, und bei vielen internationalen Volks- und Arbeiterliedern entstand schon bald ein großer „Saalchor“.

Zu Gast: Vertreter der Botschaft von Belarus

Seit langem verbinden uns freundschaftliche Kontakte mit der belarussischen Botschaft, und bei dieser Herbstfahrt kam am Nachmittag Botschaftsrat Sergej Malinowski zu uns, um einige Einblicke in die Entwicklung des sozial-wirtschaftlichen Bereichs seiner Heimat zu geben. Trotz aller Probleme nimmt das Land nach Russland und Kasachstan den 3. Platz in der wirtschaftlichen Entwicklung aller ehemaligen Sowjetrepubliken ein. Da es im Unterschied zu den beiden genannten keine Rohstoffreserven hat, konzentriert es sich vor allem auf die Industrie-Produktion, vor allem LKW und Traktoren. Auch auf demographische Probleme wies er hin: Kamen früher auf 100 Erwerbstätige 25 Rentner, so sind es heute 40. Auch aus diesem Grunde wird sich das Renteneintrittsalter wohl demnächst ändern. Bislang liegt es nach wie vor wie früher in der Sowjetunion für Frauen bei 55 und für Männer bei 60 Jahren. Der durchschnittliche Monatslohn hat sich von weniger als 100 US-$ im Jahre 2000 auf gegenwärtige 330 US-$ erhöht und soll 2010 auf 500 US-$ steigen.

Protestresolution gegen anhaltende Benachteiligung der Senioren

Gegen die anhaltende Benachteiligung der Senioren in der bundesdeutschen Gesellschaft protestierten die Teilnehmer der Herbstfahrt in einer Resolution an die Regierung der BRD, in der es heißt, dass die 20 Millionen Rentner durch die gegenwärtigen Preissteigerungen überdurchschnittlich belastet werden. Senioren bekommen weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld, und die winzige Rentenerhöhung 2007 nach drei vorherigen Nullrunden wird durch die Preiserhöhungen aufgefressen. Unterm Strich sind die Renten in diesem Jahr um 1,5% gesunken. Deshalb schließen wir uns den Forderungen des Präsidenten des Sozialverbandes VdK nach einer ordentlichen Rentenerhöhung für 2008 an. Zudem ist es fast 20 Jahre nach der deutschen Einheit endlich an der Zeit, den Rentenwert Ost an den West-Wert anzugleichen, denn die Lebenshaltungskosten in Ost und West sindinzwischen gleich hoch.

Wer hat die deutschen Kriegsgefangenen heimgeholt?

Ein aufschlussreiches und auf dem gesamten deutschen Buchmarkt bislang einmaliges Buch stellte uns sein Autor, Hans Reichelt, vor, selbst Kriegsgefangener und 1953 Mitglied der DDR-Delegation, die in Moskau dieses Thema diskutierte. War es wirklich Adenauer, der letztendlich die Kriegsgefangenen nach Hause holte, wie es immer wieder dargestellt wird? Hans Reichelt schreibt, wie es wirklich war. Das bei edition ost verlegte Buch konnte mit Widmung des Autors, der auch zu den Gründern der GBM gehört, gekauft werden.

Anne-Katrein Becker

 
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