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Maßstäbe
für die Sinne
GBM -
Kunstausstellung mit Werken von Prof. Dieter Gantz
Eine Ausstellung „Dieter Gantz – Malerei“ wurde in
Anwesenheit des Künstlers am 19. März 2008 in der GBM
- Galerie in Berlin-Lichtenberg eröffnet. Eckhard
Hoffmeister führte in seiner einleitenden Rede u. a.
aus:
Gemeinsam haben wir hier die Gelegenheit, Einblick zu
nehmen in das malerische Schaffen von Dieter Gantz
seit Mitte der Neunzigerjahre.

Dieter Gantz "Atelier" 2007
Öl (55x70 cm)
Foto G. Senft
In den
zurückliegenden fast 15 Jahren, aus denen die Gemälde
und Druckgraphiken stammen, hat der in der Anschauung
seiner Welt lebenslang geübte Meister ein weites Feld
erschlossen. Es sind aber nicht die Themen, die
überraschen. Mit Ereignis-, Menschen- und
Landschaftsbildern wurden in der Geschichte der Kunst
Einsichten gewonnen und bewahrt, die im Ganzen das
ausmachen, was wir Tradition zu nennen pflegen. Ihr
stellt sich Dieter Gantz als unser Zeitgenosse, und
als Erbe überrascht er mit seinen Entdeckungen.
(...)
Ereignisbilder von Dieter Gantz können die Funktionen
von Sprache verwirklichen: über die Darstellung der
Motive, über den Ausdruck der dunkeltonigen, oft
bläulichen, zuweilen leuchtenden Farbigkeit den
Betrachter anregen zu aufmerksamem Schauen, zu
kritischem Denken, sie können appellieren zu
eingreifendem Handeln. War es nicht Brecht, der
solches Wirken zum Kriterium des Realismus gemacht
hat?
(...)
Brauchen wir eigentlich noch Malerei, wenn wir doch
fernsehen können? Zeigen nicht beide Medien, wie Welt
anzuschauen ist? Sie bemühen sich. Nur die bildende
Kunst allerdings macht besondere Weisen, die Welt
anzuschauen, manifest, haltbar, prüfbar, der
An-Erkennung des Einzelnen zugänglich wie dem
Widerspruch. Sie vermag Maß zu geben, Maßstäbe für die
Sinne zu setzen. Sie gewährt die Freiheit, hin- oder
wegzuschauen, wegzubleiben oder wiederzukommen - immer
mit dem Gewinn von Einsicht, früher oder später. Also
bleibt sie unersetzlich für den Einzelnen und
die Gemeinschaft.
Mit dem
Augenmerk auf das Werk von Dieter Gantz kann ein
sensibles Reagieren auf politische Phänomene unseres
Alltags hervorgehoben werden, zumal dies zwar im
öffentlichen Gespräch gang und gäbe, aber eher
folgenlos ist. Doch in den Künsten der vergangenen
beiden Jahrzehnte wurde es bemerkenswert rar.
Malerische Feste für die Sinne vermag Dieter Gantz
durchaus zu feiern, und dies vielleicht deutlicher
noch in seinen Bildern der Landschaft und des
unauffälligen Daseins. Von „Genre-Malerei“, wie in der
Kunstgeschichtsschreibung üblich, mag ich hier nicht
sprechen.
(...)
sein „Atelierbild“ (2007) – ein Interieur mit
Fensterausblick auf Teile der Marienkirche und des
Roten Rathauses. Hier arbeitet ein Maler im Zentrum
des Zentrums! Sein Gouache-Gemälde, weißlich auf
weißem Fond, eingebunden hell blau, hell rot, hell
gelb – ein Berliner Protokoll in Farbe von heute! Ein
Gruß vom 21. ins 19. Jahrhundert. Wichtige Verwandte
solcher künstlerischen Auffassung haben in der
nämlichen Gegend gearbeitet. Ihr Werk wirkt
weiter und findet geistige Erben. (...) Ist es der
Gegenstand oder wirklich das Spiel mit den Farben, das
mehr begeistert? Es gilt wohl beides und das gilt als
Kunst! Diese Kunst verdanken wir Dieter Gantz. Über
mehr als zwei Jahrzehnte hat er als Lehrer und
Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
gewirkt. Seine Studenten verdankten ihm die Kunst, auf
eigene, auf besondere Weise die Welt anzuschauen, und
das Vermögen, aus der Anschauung von Wirklichkeit
Kunstwirklichkeit zu machen.
*
Die Ausstellung in 10317 Berlin, Weitlingstraße 89
(nahe S- und U-Bahn
Lichtenberg) ist bis zum 18.
Mai 2008 montags bis freitags von
10 bis 16 Uhr geöffnet.
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