GBM gegen Nazis

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Dresden 19.2.2011

Streiflichter  -  Ein Bericht von den Anti-Nazi - Demonstrationen in Dresden

Um 05.00 Uhr Treffen der Antifaschisten aus Berlin und Brandenburg. Die Gruppen – meist junge Leute, mit Rucksäcken, Sitzunterlagen und mit guter Stimmung – versammeln sich, suchen ihre Busse, die auf dem Parkplatz an der O2 World, Informationsblätter des Bündnisses, Zeitungen – Junge Welt, ND – werden verteilt.

Gegen 06.00 Uhr fahren ca. 40 Busse in Richtung Dresden mit Antifaschisten aus Berlin und Brandenburg. Der fehlende Schlaf wird im Bus nachgeholt – allerdings ist die Aufregung größer: Ein großer Tag steht bevor: Der Aufmarsch der Nazis in Dresden muss verhindert werden. Die großen Bündnisse „No pasaran“ und „Dresden nazifrei“ haben aufgerufen und organisiert. Es ist schon jetzt beeindruckend, was diese jungen Leute politisch und organisatorisch im Vorfeld vollbracht haben. Es ist bekannt: Aus allen Teilen der „demokratisch verfassten“ Bundesrepublik sind zu diesem Zeitpunkt größere und kleinere Gruppen von Antifaschisten unterwegs, um den als „größten und internationalen“ Aufmarsch der Nazis in Dresden zu verhindern; das zu tun, was die offizielle Politik angeblich nicht kann – oder nicht will und die beschworene „Koalition der Anständigen“ nicht fertigbringt.

Gegen 09.00 Uhr Autobahnabfahrt Dresden-Altstadt in Richtung Cotta: Alle aussteigen – Marsch in Richtung Zentrum. Ein beachtlicher Zug macht sich auf den weiten Weg, wie sich noch herausstellen sollte. Über Megaphone und Lautsprecher werden antifaschistische Losungen verbreitet und vom Bündnis die nächsten Orientierungen gegeben. Unser Blockadepunkt liegt in der Nähe des Hauptbahnhofes – aber die Polizei lässt uns nicht durch, dabei ist das immer noch im Vorfeld der eigentlichen Polizei –Blockade. Offensichtlich agiert die Polizei dabei mit mobilen Einsatzkommandos, die wahrscheinlich von den über uns fliegenden Hubschraubern (2- 3 Polizeihubschrauber, die da ständig am Himmel über uns hingen – sowie 3 schwere Hubschrauber der GS 9 (?) – sollten die uns Angst machen? – allerhand was da aufgeboten wird, um den Nazis ihren Aufmarsch zu sichern) ihre Weisungen erhalten.

Einer Gruppe Jugendlicher gelingt an dieser Polizeikette ein Durchbruch. Knüppel-Attacke und Pfefferspray im Einsatz. Sanitäter von Antifa bemühen sich um die Betroffenen. Augen werden ausgewaschen und Verletzungen versorgt. Es wird berichtet, dass weiter rechts von uns auch ein Wasserwerfer zum Einsatz kam. Unsere Gruppe zieht sich zurück und versucht über eine andere Strasse zum Blockadepunkt zu kommen. Wir kommen relativ weit vor, fast bis zu dem Punkt, wo dann ein massives Polizeiaufgebot mit zwei Wasserwerfern den Hauptbahnhof von unserer Seite abriegelt. Plötzlich wird hinter uns eine neue Polizeikette aufgebaut und wir sind „eingekesselt“. Schön. Wenigsten am Blockadepunkt.

Aber dann werden wir wieder aus dem Kessel herausgedrängt. Brutal und rücksichtslos gehen die vermummten Polizisten vor. Polizeihände werden von hinten angelegt wir werden geschubst, Sturtzgefahr, der Weg ist nicht gerade eben. Mein Nachbar (K.H.) der sich diese Art verbittet, erhält die Auskunft: Dreh dich um und zieh ab sonst hau ich Dir eins in die Fresse. Die „Beamten“ in voller Aktion. Und das gegenüber älteren Leuten! Schaust Du in ihre Gesichter, in ihre Augen, dann begreifst Du, dass sie nicht nur so daherreden. Was mag sie wohl treiben und wie werden sie wohl mit den jüngeren Demonstranten umgehen? Gleichzeitig wird eine regelrechte Jagd auf Demonstranten gemacht, die versuchen über Hinterhöfe, Seitenwege usw. nach vorn zu kommen. An Hand der Autokennziffern kommt die Polizeitruppe offensichtlich aus Magdeburg.

Wir verlassen zeitweilig unseren Standort und begeben uns zur Nürnberger Strasse. Wir hoffen über diesen Weg näher an das Geschehen zu kommen. Unterwegs treffen wir eine Dortmunder Jugendgruppe (SDAJ). Freundliche junge Leute. Wie sie uns erzählen, haben sie die weite Reise angetreten, um ihren Beitrag gegen die Faschisten zu leisten. Auch an der Nürnberger Strasse ist der Zugang zum Zentrum von massivem Polizeiaufgebot abgeriegelt. Aber auch hier steht ein massiver Block von Antifaschisten, um von dieser Seite den Zugang von Faschisten zu verhindern Dresdner Antifaschisten verteilen hier heiße Suppe und Kaffee an die Blockierer. Kosten?
Eine Spende für die gute Sache! Gaststätte und Supermarkt in der Nähe sind, wie zu lesen ist, „wegen Demonstration“ geschlossen. Die Hetze, dass „Chaoten“ und „Linksextremisten“ in die Stadt einfallen, hat offensichtlich ihre Wirkung getan. Wir kehren zurück zu unserem Blockade – Standort. Polizei und Antifaschisten stehen sich nach wie vor gegenüber. Dann kommt in der Strasse ein neuer Marschzug von Antifaschisten zur Verstärkung der Blockade.

Eine Gruppe mit der Fahne Junge Rebellen wird sofort ohne jeden ersichtlichen Grund von der Polizei angegriffen. Es sieht so aus, als wollte man Leute verhaften. Andere Demonstranten gehen dazwischen, es kommt wieder zu ernsthaftem Gerangel. Allerdings gelingt es der Polizei nicht, den Zug gänzlich aufzulösen. Er wird begleitet von einer guten (!) Agitpropgruppe, die mit Trommlern und übermannsgroßen Marionetten – Puppen, dazu Musik und Lieder gegen die Nazis und auch gegen die Polizei jetzt die Stimmung bestimmt. Aus welchen Grund auch immer – die Polizei traut sich offensichtlich nicht sie anzugreifen. Könnte sein, dass sie eine Eskalation der Stimmung gegen sich befürchten.

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass immer in Seitenstrassen und Grundstücken Jagd auf Demonstranten gemacht wird. (Hochauflösende Kameras der Hubschrauber liefern dafür wohl die Grundlage.) Der Zugang zu dem Teil der Blockade weiter vor ist nach wie vor abgeriegelt. Später zieht sich diese Polizeikette zurück und gibt den Weg frei. Die Agitpropgruppe rückt nun nach vorn und mit vielen Demonstranten können wir nun unseren Platz unmittelbar an der Blockade einnehmen. Über Megaphone und Lautsprecher wird immer wieder mitgeteilt, dass der Blockadepunkt gehalten werden muss. Außerdem erfahren wir, dass die Nazis – es sind wohl noch ca. 600 -eine größere Gruppe konnte den Hauptbahnhof, der von Antifaschisten blockiert war - nicht verlassen, zum Bahnhof Plauen ausweichen wollen.

Junge Leute aus unserem Blockadepunkt begeben sich dorthin. Wir unterhalten uns mit jungen Leuten aus Münster. Antifa, SDAJ, Jungsozialisten. Mit drei Bussen waren sie nach Dresden gekommen. Eine Busfahrt von 7 Stunden haben sie auf sich genommen, um in Dresden zu helfen, den braunen Mob abzuwehren.

Gegen 17.00 Uhr wird uns mitgeteilt, dass die Aktion von vielen Tausend Antifaschisten erfolgreich war und die Nazis abziehen mussten. Wir gehen in Richtung Bahnhof und müssen uns noch die Vorbeifahrt der Wasserwerfer und von drei Räumpanzern mit ansehen. Räumpanzer ! gegen wen sollten sie wohl eingesetzt werden? Die großen antifaschistischen Bündnisse „ Nazifrei! – Dresden stellt sich quer“ und „No pasaran“ waren erfolgreich! Organisiert und getragen von tausenden jungen Leuten haben sie erneut die Nazis in Dresden aufgehalten. Ihnen gebührt Dank und höchste Anerkennung für den Beitrag, den sie zur Bewahrung des antifaschistischen Erbes in diesem Land geleistet haben.

Hilde und Karl-Heinz Wendt, Helmut Semmelmann
 
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