Erklärung Freundeskreis Palast der Republik

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Erklärung des Freundeskreises Palast der Republik
zum 19. September 2008

Am 19. September 1990 wurde der Palast der Republik unter fragwürdigen Umständen geschlossen.

Als fadenscheiniger Grund wurde Asbestverseuchung genannt. Die Mitarbeiter des Palastes wurden von ihren Arbeitsplätzen ebenso ausgesperrt wie die Volkskammerabgeordneten, die gerade dabei waren, die umfangreichen Materialien des Einigungsvertrages zu lesen.

Letztere, damals im Volksmund auch als „Laienspieltruppe“ bezeichnet, setzten ihre Arbeit in Räumen fort, die mindestens ebenso „asbestverseucht“ waren wie ihre bisherigen. Die damalige Volkskammerpräsidentin, Frau Bergmann-Pohl, wurde mit Atemschutzmaske in den Räumen des Palastes von Palastmitarbeitern gesehen, die derlei Schutz für überflüssig hielten. Von den ehemaligen Palastmitarbeitern ist trotz jahrelangem Aufenthalt in diesen angeblich palastverseuchten Räumen nach heutigen Erkenntnissen nicht ein einziger an Asbestose erkrankt. „Asbestverseuchung“ ist ein von den Medien absichtlich eingeführter Kampfbegriff. Seriöse Asbestsachverständige sprechen von Asbestbelastung.

Davon sind mehr als 4.000 öffentliche Gebäude in Berlin betroffen. Geschlossen wurden sie bisher nicht. Die Messwerte der Asbestbelastung, die die Grundlage der Schließung des Palastes waren, sind bis heute merkwürdigerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglich. So muss die Frage gestattet sein: sind sie Staatsgeheimnis? Asbest als überstürzt organisierter Schließungsgrund war von Anfang an unglaubwürdig.

Die nach der Schließung aufkommende Debatte zur Gestaltung des Schlossplatzes unterdrückte nachhaltig die mehrheitliche Meinung der Palastbefürworter, die geprägt war durch den Vorschlag, den Palast sinnvoll in die zukünftige Gestaltung des Schlossplatzes einzubeziehen. Diese Idee unterbreitete der Chefarchitekt des Palastes, Prof. Graffunder.

Eine lautstarke Minderheit, unterstützt durch Politiker und so genannte Bürgerrechtler der DDR, die sich als vermeintliche Sieger der Geschichte betrachten und Schreiberlinge führender Medien warben für ein Schloss, dessen Pseudocharakter kaum zu übersehen ist. Seit Januar 2006 wird der Palast der Republik, dieses in Europa einmalige Volkshaus mit seinen großartigen Möglichkeiten abgerissen. Gespenstisch anmutend und anklagend wirken im September 2008 die noch sichtbaren Reste des Palastes. Viele Berliner und ehemalige Palastbesucher meiden diesen Anblick, weil er ihnen unerträglich erscheint. Touristen fotografieren und sind dankbar für sachliche Informationen. Die viel zitierte Pressefreiheit dieses Landes, deren Fragwürdigkeit nicht zu übersehen ist, hat sie, wenn überhaupt, bisher nur per Zerrbild erreicht. So sind gegenwärtig Empörung, Wut, Nachdenklichkeit verständlich für viele Betrachtungen und Diskussionen am Ufer der Spree. Dieser Akt des politisch gewollten Abrissvandalismus wurde von 431 Mandatsträgern des Deutschen Bundestages unter Missachtung des mehrheitlichen Willens der Bevölkerung zum Palasterhalt am 19. Januar 2006 beschlossen.

So handeln vermeintliche Sieger der Geschichte, unbelehrbar seit Jahrtausenden bis in die Gegenwart. Die rechtsgültigen Verträge zum Abriss waren längst unterzeichnet und machten diese Bundestagsveranstaltung zu einer Politposse der besonderen Art. Der größte Teil dieser Volksvertreter hatte den Palast der Republik nie von innen gesehen und erlebt. Ihre Sach- und Fachkenntnis war gering, sie war letztlich auch nicht gefragt. Demzufolge konnten und können sie auch die Bedeutung dieses Gebäudes ebenso wenig beurteilen wie die Tatsache, dass er seinen ca. 70 Millionen Besuchern viel Entspannung, Freude und eine unvergessliche Erlebniswelt geboten hat, deren Erinnerungswert noch heute nachhaltig wirkt. Ihr Urteilsvermögen war und bleibt deshalb begrenzt und die Grundlagen der entsprechenden Bundestagsbeschlüsse sind und bleiben fragwürdig.

Der seit 1990 durch solche Politiker mit Bundestagsmandat oder in Regierungsverantwortung und ihrer spendengeilen Helfershelfer organisierte Vernichtungsfeldzug gegen dieses Haus wurde und wird mit fadenscheinigen Argumenten geführt, die die politisch begründeten Abrissabsichten nur notdürftig verdecken und leicht zu durchschauen sind. Sie können deshalb auch nicht überzeugen. Langfristig und parteiübergreifend angelegt, werden verallgemeinerungsfähige Grundziele einer Politik sichtbar, deren Akteure ihr Hass auf alles, was die DDR hervorgebracht hat, vereint. Dazu gehören einige der so genannten Bürgerrechtler und Oppositionelle der DDR, heute mit Bundestagsmandaten oder anderen einträglichen Funktionen bedacht, die an diesem, in der neueren deutschen Geschichte wohl einmaligen kulturpolitischen Verbrechen ebenso beteiligt sind wie verantwortliche Politiker, beispielsweise mehrere Bundeskanzler, Bauminister, Bundestagspräsidenten. Dazu gehören die Bundeskanzler Kohl und Schröder ebenso wie die Bundeskanzlerin Frau Merkel oder solche Bauminister wie die Herren Stolpe, Müntefering, Tiefensee.

Entsorgt werden soll nicht nur dieses Gebäude, sondern ein Stück Geschichte, speziell Architekturgeschichte der DDR. Die einfache Wahrheit ist, dass auf dem Schlossplatz die 1991 verkündete Delegitimierungsstrategie gegen die ehemalige DDR am konkreten Beispiel praktiziert wird. Die politische Blamage für den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung, insbesondere für die so genannten „Volksparteien“ ist nicht zu übersehen, ihre Dimension hat längst die Grenzen Deutschlands und des gesunden Menschenverstands überschritten. Letzterer ist ungebrochen und hat sich mit aktualisierten Zielen neu formiert. Im Freundeskreis Palast der Republik, der im März 2007 gegründet wurde, sind prominente Architekten, Denkmalschützer, Vereine und Interessengruppen, Historiker, ehemalige Mitarbeiter des Palastes vereint. Mit dabei sind Kulturwissenschaftler, viele ehemalige Palastbesucher und wachsame Bürger aller Altersklassen, Berufe und sozialen Schichten aus Ost und West sowie dem Ausland. Sie wenden sich mit Empörung und Sachverstand gegen den politisch motivierten Abrissvandalismus, gegen 3 ein Kulturverbrechen und gegen die damit verbundene Volksverdummung. Das weitgehende Verschweigen des langjährigen Protestes zeigt die Dimension des Demokratiedefizits der Herrschenden in Deutschland und ihre Realitätsferne zu demokratischen Grundprinzipien. Der damalige Bundestagspräsident, Herr Thierse, hat die Neutralität seines Amtes missachtet, indem er einseitig ein nostalgisches Schlossplagiat nach Kräften fördert, sachlichen Gesprächen mit Freunden des Palastes ablehnt bzw. ausgewichen ist, vorwiegend hinter den Kulissen der Politik agiert und rigoros den Palastabriss betrieb Als Mitglied des Parteivorstandes der SPD haben er und andere diesbezügliche Wahlversprechen ihrer Partei gebrochen. Der Freundeskreis vertritt die Auffassung, dass der politische Umgang mit diesem Haus seit 1990 eine Beleidigung der Meinungsmehrheit der ostdeutschen Bevölkerung, der Gäste dieses Hauses, der Mitarbeiter, Künstler, Interpreten u.a., die dort wirkten ist. Er ist gleichzeitig ein Verstoß gegen die wirtschaftliche Vernunft und Ausdruck einer barbarischen Bilderstürmerei, die die Unfähigkeit der politisch führenden Kreise im Umgang mit der deutschen Geschichte zum Ausdruck bringt. Der Umgang mit dem Palast der Republik wird so zum herausragenden für alle sichtbarem Beispiel für den undemokratischen Prozess der deutschen Wiedervereinigung und damit zu dessen Symbol in seiner ganzen Vielschichtigkeit. Aus dieser Sicht bleibt uns der Palast der Republik noch lange erhalten. Der Freundeskreis hat ein Langfristkonzept, konkrete Arbeitspläne und jeder kann auf dieser Grundlage mitmachen. Er fordert: • Die vollständige und öffentliche Aufklärung der fragwürdigen Umstände, die
zur Schließung des Palastes führten.

• Die vollständige Veröffentlichung des Asbestgutachtens und der ermittelten
Messwerte der Asbestbelastung sowie die konkreten Umstände der Auftragsvergabe.
• Die Offenlegung der tatsächlichen Hintergründe für die Vorgaben der Palastsanierung und die Begründung, warum kostengünstige Sanierungsmethoden sowie entsprechende Angebote von wem ausgeschlossen wurden.
• Konkrete Informationen über die 4.000 asbestbelasteten öffentlichen Gebäude Berlins durch den Berliner Senat.
• Die Begründung, warum die ehemaligen Mitarbeiter des PdR nicht rechtzeitig und unter Missachtung rechtlicher Bestimmungen über den Verlust ihres Arbeitsplatzes informiert wurden.
• Die Begründung, warum die damalige Kohl-Regierung 1995 einer Empfehlung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages zum Palasterhalt nicht entsprach.
• Die Offenlegung der bisher entstandenen Kosten, die aus der Stilllegung seit
1990 und der sogenannten „Asbestsanierung“ entstanden sind, die die
Steuerzahler zu tragen haben.
• Die Offenlegung der Vorgaben an die sogenannte „Internationale Expertenkommission“ durch die SPD-geführte Regierung.
• Die Offenlegung der Rolle der „politischen Moderatoren“ dieser Kommission
und der politische Auftrag durch ihre Erfinder.
• Die korrekte Begründung warum die Einhaltung der Artikel 14.2 des Grundgesetzes und des Artikels 35.2 des Einigungsvertrages hinsichtlich des Palastes der Republik missachtet wurden und eine Begründung durch den Bundestag dazu seit Jahren der Öffentlichkeit verweigert wird.
• Die Offenlegung des Gegenstands und des Ergebnisses der vom Innensenator von Berlin veranlassten Ermittlungen gegen den Förderverein Berliner Schloss.
• Eine Begründung des Vorsitzenden des Petitionsausschusses des Abgeordnetenhauses von Berlin, warum diesbezügliche Erkenntnisse dem Freundeskreis und der Öffentlichkeit vorenthalten werden.

An der Bereitschaft zur Beantwortung dieser und weiterer Forderungen werden wir die politische Glaubwürdigkeit verantwortlicher Politiker messen, besonders im Wahl- und Jubiläumsjahr 2009. Wir erwarten von der Bundeskanzlerin, vom Bundestagspräsidenten, von Bundestagsabgeordneten und weiteren politisch Verantwortlichen eine öffentliche Stellungnahme und Gesprächsbereitschaft. Wir bitten die Medien um Unterstützung, um diese Forderungen und das Anliegen des Freundeskreises in die Öffentlichkeit unseres Landes zu bringen. Wir werden diese Erklärung und die Reaktionen der Politiker darauf in geeigneter Form öffentlich machen und auf unseren Internetseiten darstellen.

Freundeskreis Palast der Republik, September 2008

 
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erschienen im Dezember 2009

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