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3. Oktober 2010 jährt sich zum 20. Mal der Tag, an dem
die Deutsche Demokratische Republik offiziell von der
Bundesrepublik Deutschland in Besitz genommen wurde. Das
veranlasst zum Rückblick wie zum Ausblick, zu nüchterner
Bilanz wie zu Forderungen.
1. Existenz und Entwicklung der DDR
wie der BRD hingen nach Ursache und Wirkung eng mit dem
Kalten Krieg zwischen den beiden Weltsystemen zusammen,
die in Europa unmittelbar vor allem auf deutschem Boden
miteinander konfrontiert waren. Die Implosion dieses
Staates wurde durch ein Bündel innerer und äußerer
Faktoren verursacht.
• In wichtigen gesellschaftlichen
Bereichen machten sich Erscheinungen der Stagnation
immer deutlicher bemerkbar. Stagnation aber bedeutet
letztlich Rückschritt.
• Ökonomisches System und
Wirtschaftskraft der DDR, durch kapitalistische
Embargopolitik und Rüstungspolitik erheblich
beeinträchtigt, waren den zunehmenden Anforderungen auf
die Dauer nicht gewachsen.
• Defizite in der Demokratie, eine
verfehlte Informationspolitik, beschränkte
Reisemöglichkeiten wirkten bei vielen der Verbundenheit
mit dem Sozialismus entgegen.
• Die Gegenseite verband ihre
Angriffe auf den Sozialismus nicht ohne Erfolg mit der
Taktik, ihn auf dem Wege des „Wandels durch Annäherung"
aufzuweichen. Die Betonung nationaler Gemeinsamkeiten
verdeckte grundlegende Unterschiede in den
gesellschaftlichen Grundwerten.
• In der Politik der UdSSR gewannen
eigenstaatliche Belange die Oberhand über die
Gemeinsamkeit der Interessen mit anderen sozialistischen
Ländern, insbesondere der DDR. Internationale Bündnis-
und Vertragstreue wurden missachtet. Das sozialistische
Weltsystem begann zu zerfallen.
2. Mit dem Herbst 1989 brach sich der
Wille vieler DDR-Bürger zu einem reformierten
Sozialismus entschieden Bahn. Bei anderen allerdings war
das Vertrauen in die Zukunft des Sozialismus
geschwunden, mehrten sich Illusionen über den
Kapitalismus. Das erleichterte antisozialistischen
Kräften ihr Spiel.
Ende 1989 trat an die Stelle der
Losung „Wir sind das Volk!" immer häufiger die aus dem
Westen importierte
Parole: „Wir sind
ein Volk". Losungen wie
„Deutschland, einig Vaterland" oder „Nun wächst
zusammen, was zusammengehört" weckten Erwartungen, die
gegensätzlichen gesellschaftlichen Ordnungen ließen sich
miteinander verschmelzen. Ergebnis war schließlich die
unter Vorantritt der Allianz für Deutschland vollzogene,
von Seiten der BRD mit allen Mitteln geförderte
Selbstauflösung der DDR. Stationen dabei waren
• der Vertrag über die Wirtschafts-,
Währungs- und Sozialunion, die zum 1. Juli 1990
hergestellt wurde,
• der Beschluss der Volkskammer vom
23. August 1990 über den Beitritt nach dem damaligen
Artikel 23 des Grundgesetzes (eines anderen Staates!),
• am 31. August 1990 der
„Einigungsvertrag", ein Abkommen zwischen Sieger und
Besiegtem.
Damit war das Ende der DDR besiegelt.
3. Die Resultate sind bekannt. Die
auffälligsten seien in Erinnerung gerufen: Einerseits
merkliche Fortschritte in Modernisierungsprozessen –
andererseits weiter bestehende und sich vertiefende
Gegensätze zwischen Ost und West, die einer „inneren
Einheit" entgegenstehen.
• Die DDR-Bürgerinnen und -Bürger
wurden ihres gesellschaftlichen und zum Teil ihres
persönlichen Eigentums in beispielloser Weise beraubt.
Der Osten Deutschlands wurde überwiegend
entindustrialisiert, seine Landwirtschaft völlig
deformiert. Hier liegt die Arbeitslosenquote um das
Doppelte, die Armutsquote um mehr als das
Anderthalbfache höher als im Westen Deutschlands.
• In Deutschland gibt es bei gleichen
Lebenshaltungskosten nach wie vor zwei Lohn-, zwei
Rentengebiete. Das führt dazu, dass sich das
„Beitrittsgebiet" entvölkert.
• Im Vergleich zu DDR-Zeiten wurden
Rechte und Möglichkeiten von Beschäftigten in den
Betrieben, von Frauen, von Jugendlichen erheblich
eingeschränkt, überwiegen im Gesundheits- wie im
Bildungswesen bei weitem die Nachteile, besonders für
die sozial Schwächeren.
• Die kulturelle Substanz in den
„neuen Bundesländern" wurde und wird entgegen dem
Einigungsvertrag großenteils zerstört, die Intelligenz
der DDR in einem für Europas Geschichte fast einmaligen
Racheakt zu großen Teilen aus ihren Stellungen
vertrieben und diskreditiert.
• Die grundlegenden Unterschiede in
den Produktions- und Lebensverhältnissen zwischen Ost
und West wirken sich auf die Denkweise, auf
Vorstellungs- und Gefühlswelt aus. An die Stelle von
Gemeinschaftssinn und Solidarität trat der Grundsatz „Es
muss sich rechnen" – nämlich für die Besitzenden.
• Die „formierte Meinung" folgt dem
Prinzip: „Alles in der Alt-BRD war gut und richtig –
alles in der DDR war von Grund auf schlecht, weil
diktatorisch". Doch decken sich die Behauptung „Die DDR
war ein Unrechtsstaat" und andere Propagandathesen nicht
mit dem mehrheitlichen Erleben und Erinnern von
Ex-DDR-Bürgern. Als ausgesprochen verleumderisch werden
abwegige Vergleiche der DDR mit dem Nazisystem empfunden
und zurückgewiesen.
4. Aber auch gesamtdeutsche Probleme
in Politik und Gesellschaft haben sich seit dem
Anschluss der DDR angestaut und verschärft.
• Der Sozialabbau beschleunigt sich;
der Graben zwischen Arm und Reich wird immer tiefer.
• Demokratische Grundrechte und
Freiheiten werden mehr und mehr beschnitten.
• Die Gefahr, die vom Neonazismus
droht, nimmt ständig zu.
• Deutschland führt seit den
90er-Jahren wieder Krieg. Weltweite Bundeswehr-Einsätze
sollen zur Dauererscheinung werden.
Das verlangt die Gegenwehr aller, die
sich dem Bürgerrecht und der Menschenwürde verpflichtet
wissen.
• Wir treten konsequent für soziale
Gerechtigkeit ein.
• Wir fordern: Alle Menschenrechte
für alle Menschen! Gleiche Chancen für Ost und West,
gleiches Recht für alle in Deutschland!
• Wir bekämpfen Faschismus und
Ausländerfeindlichkeit in allen Erscheinungsformen.
• Wir wollen ein friedliebendes
Deutschland in einer Welt des Friedens.
Das bekunden wir mit allem Nachdruck
zum „Tag der deutschen Einheit".