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Aktiv gegen Sozialabbau
Rechtsextremistischer
Ideologie den Boden entziehen
Prof. Dr. Georg Grasnick in der jüngsten
Mitgliederversammlung des GBM -Ortsverbandes Berlin -
Köpenick
Der
Neoliberalismus mit seinem radikal betriebenen
Sozialabbau hinterlässt bei nicht wenigen
Menschen eine Spur der Perspektivlosigkeit.
Ausgrenzung raubt soziale Sicherheit, erzeugt Ängste,
zerstört Selbstbewusstsein, nimmt vielen die
Widerstandskraft, verbreitet Fatalismus. Das Kapital
mit seinen vielfältigen Beeinflussungs-Instrumenten
und -Möglichkeiten setzt alles daran, das Denken und
Fühlen der Menschen seinen Profitinteressen dienstbar
zu machen. Wobei auf diese Weise erzeugte Ohnmacht als
Gift wirkt, mit dem sich Menschen selbst ruhig
stellen.
Für den
Rechtsextremismus, für die Nazis von heute, für die
Verbreitung von deren Demagogie, Ideologie und Mythen
ein idealer Nährboden. Die NPD verfolgt ein so
genanntes „Viersäulen-Konzept“: „Kampf um die Köpfe“,
„Kampf um die Straße“, „Kampf um die Parlamente“,
„Kampf um den organisierten Willen“. Im „Kampf um die
Köpfe“ hat die NPD-Führung ihrer Gefolgschaft zunächst
mal das saubere Hemd, den ordentlichen Haarschnitt und
Anzug sowie Filzschuhe verordnet. NPD-Chef Voigt gibt
die Losung aus: „Für Deutschland fress’ ich Kreide.“
Und so treten sie auf – die Nazis von heute: Als
Helfer in Renten- und Mietfragen, als „Kameraden“ von
ALG-Empfängern, als Vermittler von Nachhilfestunden
für Schüler, als Veranstalter von Haus-, Hof- und
Kinderfesten, von Fußballturnieren, als Mitglieder von
Elternbeiräten in Schulen und Kitas, als Mitglieder
der Freiwilligen Feuerwehr. Unterwanderung heisst die
von der Führung ausgegebene Orientierung. Gegenwärtig
ruft die NPD-Führung in einigen Bundesländern – nicht
nur in Berlin-Lichtenberg – Mitglieder und
Sympathisanten dazu auf, als ehrenamtliche Richter zu
kandidieren.
Ihr
Ziel? „Sich gesellschaftlich weiter zu verankern und
den geistig-politischen Einfluss auszuweiten.“ Indem
die Nazis an Frust, an Daseinsängste, an Unsicherheit
gegenüber dem morgigen Tag anknüpfen, betrachten sie
das Soziale, betrachten sie soziale Probleme von
Menschen als Einfallstor für ihre faschistische
Ideologie. Die „Agenda 2010“ mit ihren schmerzhaften
Folgen für die Bürger bietet der NPD einen idealen
Exerzierplatz für ihre Umtriebe. Soziale Demagogie,
verknüpft mit Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und
Antisemitismus gehören zum Handwerk der braunen
Gefolgsleute. Und nach entsprechendem Kreidekonsum
hört sich das dann so an:
-
„Arbeit für Millionen statt Profite für Millionäre.“
Oder:
- „Wir
brauchen eine Sozialpolitik, die sozialer
Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Vernunft
entspricht.“ Oder:
- „Geld
ist in Deutschland genügend vorhanden. Es ist nur
ungerecht
verteilt.“
Bekannte Forderungen? Tatsächlich. Wiederholt
vorgetragen von den „LINKEN“. Bei ihnen geklaut,
abgeschrieben aus deren Programmen und Anträgen. Eine
Methode, die schon von den Altnazis in vielfältiger
Weise praktiziert wurde. Die NPD mixt die eben
genannten Forderungen mit ihrer Ideologie, mit ihren
Mythen. Dass genügend Geld da sei, wird z.B. ergänzt
durch solche Beifügung: „Es wird vor allem für
nichtdeutsche Aufgaben zweckentfremdet.“ Oder: Es wird
die „nationale Volksgemeinschaft“ wieder ins Spiel
gebracht, die „aus sozialer Gerechtigkeit“ wachse.
Oder: Es wird gesagt, es müssten „Auslands- und
Ausländerzahlungen radikal zusammengestrichen werden“.
Zwei Beispiele zur NPD-Streichliste:
-
„Sühnezahlungen an so genannte NS-Opfer“
-
„Milliardenbeträge für Auslandseinsätze der Bundeswehr
im Dienste
der imperialistischen USA“
Zum
zuletzt Genannten: Für die NPD stehen nicht etwa die
Friedensinteressen des Volkes zur Debatte, sondern die
„Interessen der deutschen Wirtschaft“, der deutschen
Konzerne, denen – und hier wird gleich Antisemitismus
mit vermittelt – die Ziele „jüdischen Finanzkapitals
der USA“, der Kreise der „Ostküste der USA“,
entgegenstehen. Die „Deutsche Stimme“ befindet, dass
die Bundeswehr in Afghanistan sich lediglich als „US-
Interessen folgende Landsknechtstruppe“ erweise.
In
diesen Tagen beginnt übrigens die NPD eine bundesweite
Aktion. Unter der Parole “Sozial geht nur national“
werden Flugblätter, Zeitungen und Aufkleber verteilt
sowie Infostände durchgeführt. Die Parole „Sozial geht
nur national“ will Standortnationalismus populär
machen. Soziale Demagogie und nationalistische
Stimmungsmache, in völkische Phrasen verpackt, das
Werben für die „Volksgemeinschaft“ – wie gehabt – hat
bei der NPD Konjunktur. Vom „nationalen Sozialismus“
ist die Rede. Bei aller sozialen Demagogie – die NPD
setzt in ihrem Programm die Grenzen der
Spaßgesellschaft. Wörtlich: “Eine Sozialpolitik nach
dem Traumbild des totalen Wohlfahrtsstaates… verfehlt
ihre Aufgabe und ist unsozial.“ Da ist die NPD wieder
auf der Wellenlänge und der Terminologie von Herrn
Hundt vom BDA.
Unser
aktiver Widerstand gegen die vielfältigen Maßnahmen
des Sozialabbaus, unser Kampf für einen
Politikwechsel, jeder Teilerfolg in diesem Ringen, ist
insofern auch Kampf gegen den Neonazismus. (...) Wie
kann sich aktiver Widerstand gegen Sozialabbau
gestalten?
-
Sollten wir nicht als GBM bemüht sei, unsere
Solidarität mit den Gewerkschaften und
Gewerkschaftern, die für ihre gerechten Forderungen in
den Streik treten, so öffentlichkeitswirksam wie
möglich vorzutragen?
-
Sollten wir nicht bei unserer Petitionsinitiative für
Rentengerechtigkeit und in Unterstützung der
Initiative der Volkssolidarität und des SoVD unter der
Losung “Sozialabbau stoppen! Sozialstaat stärken“
bestrebt sein, weit über den Rahmen unserer Mitglieder
hinaus Mitbürger zu Teilnahme zu gewinnen?
- Wäre
es nicht sinnvoll, wo immer dazu die Kraft reicht,
zweimal im Jahr Infostände zur Darlegung unserer Ziele
einzurichten? l Sollten wir nicht alles tun, wo immer
die objektiven Bedingungen gegeben sind, zur Bildung
von Ortsteil- Komitees für Gerechtigkeit, Toleranz und
Demokratie beizutragen
- also
die Potenzen von GBM, VVN-BdA, Volkssolidarität und
anderen Sozialverbänden, von ISOR, von Jugendgruppen,
Gewerkschaften und Kirchengemeinden zu bündeln?
Natürlich gehören dazu alle Organisationen, die wie
wir dem Ostdeutschen Kuratorium von Verbänden
angehören.
- Und –
was keine Frage sein sollte: Unser aktiver Widerstand
gegen Sozialabbau sollte mit der kontinuierlichen
Aufklärung vor allem unter jungen Menschen, angefangen
in den eigenen Familien, über die Verbrechen des
Hitlerfaschismus und die Geschichtsklitterung und
Demagogie seiner Nachgeburt konform gehen.
- Und
nicht zuletzt: Könnte nicht - wo immer neonazistische
Schmierereien, Aufkleber usw. angetroffen werden -
eine kurze Information an die antifaschistische
„Koordinierungsstelle Register“ erfolgen?
Des
öfteren sagen wir in Gesprächen mit Freunden und
Mitstreitern: Es hat etwas Positives, dass wir schon
so alt sind. Wir sind nicht mehr von Erwerbslosigkeit,
nicht mehr von Arbeitsplatzunsicherheit, nicht mehr
als Leiharbeiter, nicht mehr von
Ein-Euro-Job-Tätigkeit betroffen. Und folglich nicht
von entsprechenden künftigen schmerzhaften
Rentenkürzungen.
Unsere
GBM hat im Kampf gegen Rentenungerechtigkeit Erfolge
erringen können. Wie aber sieht es für die Rentner von
morgen aus? Wie, mit welchen Mitteln, machen wir
diesen Betroffenen nicht nur sehr konkret bewusst, was
auf sie zukommt, sondern dass sie in ureigenstem
Interesse, gemeinsam mit uns, nicht nur für
Rentengerechtigkeit, sondern für den inneren Frieden
in diesem Land einstehen sollten? Eine Frage, die auch
die Zukunft unserer GBM angeht. Als Schlüsselfrage für
unseren aktiven Widerstand gegen Sozialabbau erweist
sich m. E. die Forderung nach Gerechtigkeit, die von
uns jeweils konkret zu untersetzen ist. Eine große
Mehrheit der Bevölkerung ist für die Forderung nach
Gerechtigkeit sensibilisiert. Wie könnte dieser
Schlüsselbegriff aufgegliedert werden? Es geht
l um
die gerechte Verteilung des gesellschaftlichen
Reichtums l um Rentengerechtigkeit l um die
progressive Besteuerung aller Einkommen und die höhere
Besteuerung von Vermögen
l um
einen Existenzsichernden gesetzlich garantierten
Mindestlohn l um eine wirksame Bekämpfung von Armut
und sozialer Ausgrenzung
l um
soziale Absicherung und Bildung für die heranwachsende
Generation
l um
den Stopp der Privatisierung und der
Kommerzialisierung sozialer Leistungen
l um
die im Grundgesetz verankerte Sozialpflichtigkeit des
Eigentums. Mit einem Wort: es geht um den im letzten
Jahrzehnt von verschiedenen Initiativen und Bewegungen
wiederholt geforderten Politikwechsel.
Die
Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb kürzlich: „Politische
Krisen entstehen, wenn eingespielte und vertraute
Lösungsmuster versagen.“ Nutzen wir die uns gegebenen
Möglichkeiten! Es reicht! Deshalb: Stopp dem
Sozialabbau! Für eine andere, eine gerechtere Politik!
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