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Was man wissen sollte

ein Beitrag von Dr. Rudolf Dix

Der Doppelkontinent Amerika rückt in interessanter Weise immer mehr in den Mittelpunkt des politischen Weltgeschehens. Er macht von sich reden. Damit ist nicht etwa die Ablösung des untauglichen, arroganten, unpopulären Präsidenten Bush durch den Afroamerikaner Obama gemeint. Sicherlich ist dieser Wechsel eine erfreuliche Sache. Aber man sollte nicht zu früh jubeln. Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit. - Gemeint ist der erkennbare politische Umschwung in Lateinamerika.

Dieser Erdteil entzieht sich immer deutlicher der USamerikanischen Bevormundung und Ausplünderung. Die politischen Lenkriemen des USA- Imperialismus sind porös. In vielen lateinamerikanischen Ländern sprüht ein neuer, selbstbewusster Geist. Beispielgebend dafür sind die fortschrittlichen Entwicklungen in Venezuela, Bolivien, Ecuador und Nicaragua. Kuba hat durchgehalten und gibt ein Beispiel der Standhaftigkeit, des Selbstvertrauens, des revolutionären Elans und begründeter Zuversicht für ein freies nationales Leben.

Wie sich die Zeiten geändert haben, zeigt die Reaktion Lateinamerikas auf die Wahl Obamas. Obwohl dieser in seinem Wahlkampf Lateinamerika wenig Bedeutung beigemessen hatte, sind die Erwartungen der führenden Persönlichkeiten der entsprechenden Länder groß. Der bolivianische Führer Hugo Chavez übermittelte dem neuen USA-Präsidenten seinen Wunsch: „Die Vereinigten Staaten mögen einen humanistischen, die Welt achtenden Kurswechsel vornehmen ... neue Beziehungen“ zu seinem Land knüpfen und eine „konstruktive bilaterale Agenda“ in Angriff nehmen. Der brasilianische Präsident Luiz Inazio Lula da Silva definierte den Sieg Obamas als „außerordentliches Ereignis“ und forderte ihn auf, „mit der Blockade gegen Kuba Schluss zu machen ... die Beziehungen zu Venezuela zu entspannen“. Evo Morales, der bolivianische Präsident, schloss sich unverhüllt seinen Amtskollegen aus Brasilien, Venezuela und Spanien in ihrer Forderung auf Aufhebung der Blockade gegen Kuba an. Ex-Bischof Fernando Lugo, der Staatschef von Paraguay, äußerte zum Sieg Obamas: „Ob er im Sinne der Region ein guter Präsident sein wird, wird sich zeigen, wenn man sieht, ob er die lateinamerikanischen Prozesse respektiert.“ Ecuadors Präsident Rafael Correra gab die treffende Einschätzung: „Ich hoffe, ich träume, es kommt der Tag, an dem Lateinamerika sich nicht mehr Sorgen darüber machen muss, wer in den Vereinigten Staaten Präsident geworden ist oder abtritt.“

In der Presse gibt es genügend Berichte über die progressiven Entwicklungen, die sich trotz verheerender Wirbelstürme (z. B. in Kuba) in Lateinamerika vollziehen. Die Verurteilung der US-amerikanischen Blockade gegen Kuba wird verdeutlicht durch die Aufnahme Kubas als gleichberechtigtes Mitglied der „Ländergemeinschaft lateinamerikanischer Demokratie“ (Rio-Gruppe). Alle progressiven Menschen reagieren mit Genugtuung auf das Zustandekommen freundschaftlicher Beziehungen zu solchen Größen wie Russland und China. Dies bestätigen nicht nur die Besuche Kubas durch den russischen Präsidenten Medwedjew und den Präsidenten der VR China Hu Jintao Ende des vergangenen Jahres, sondern vor allem die vereinbarten Abkommen, die für Kuba von existenzieller Bedeutung sind. Erfreuliches gibt es in der Bewältigung wirtschaftlicher Probleme und auch auf wissenschaftlich- echnischem Gebiet. So hat beispielsweise Venezuela seit Ende des vergangenen Jahres einen eigenen Satelliten, der mit Hilfe Chinas gebaut wurde. Dieser Satellit hat für die Durchführung von Regierungsprojekten im Bereich der Telekommunikation und Telemedizin auch für die Nachbarländer Venezuelas enorme Bedeutung. Bolivien steht vor der Annahme einer neuen Verfassung, die die Opposition aufgrund des Zuspruchs breiter Volksmassen nicht wird verhindern können. Es geht also voran in Lateinamerika. Aus der Sackgasse, in die Bush die Vereinigten Staaten geführt hat, kann Obama sie nur herausführen, wenn er imstande ist, auch die Zeichen der Zeit in Lateinamerika zu verstehen.

Dr. Rudolf Dix    

 
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erschienen im Dezember 2009

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