GBM gegen Nazis

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Kein Kiez für Nazis

Bericht von der Antifademo am 28.08.2010 in Berlin‑Weißensee

 In der aktuellen Ausgabe des Berliner Straßenmagazins motz kann der Erwerber des Blattes, unter anderem, eine kleine Chronik der im Jahr 2009 in anderen Zeitschriften veröffentlichten Angriffe rechter Mitbürger_innen auf vorwiegend linke oder auch einfach anders aussehende Menschen nochmals verinnerlichen. Ob wir die Angriffe vor wenigen Tagen in Meerane bei Zwickau oder den zwei Brandanschlägen in den Dresdener Stadtteilen Löbtau und Pieschen nehmen, diese Pressemeldungen zeigen nur die Spitze des braunen Berges, der sich durch unsere Straßen schiebt. Geht mensch in diesen Tagen regelmäßig durch die Straßen von Berlin‑Weißensee, so wird ihr/ihm sehr schnell bewusst, dass die NPD und so genannte „Freie Kräfte“, hier ganz speziell die „Freien Nationalisten Berlin‑Mitte“, verstärkt Bushaltestellen, Straßenschilder, Hauswände und Straßenbahnen mit faschistischen Parolen bekleben und besprühen und von stilisierten Hakenkreuzen zu großen und weithin erkennbaren Darstellungen übergegangen sind. So zum Beispiel vor zwei Wochen in der Kniprodestraße (ehemals Artur Becker) direkt an der Bushaltestelle vor der Polizeiwache. Dieses Gebiet zählt seit Monaten zum Zielgebiet rechter Kreise, denen unter anderem Jugendclubs wie „Bunte Kuh“ und „KuBiZ“ ein Dorn im Auge sind. Beide Einrichtungen waren in der jüngeren Vergangenheit mehreren brutalen Überfällen der Faschisten ausgesetzt. Sie kamen mit Teleskopschlagstöcken, Messern, Schlagringen und Holzlatten und erinnern damit stark an die Überfälle der Sturmabteilungen (SA) auf Gewerkschaftshäuser und andere Treffpunkte linker Kräfte zu Beginn der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Antifaschistische Gruppen hatten am 28. August für Berlin-Weißensee eine Kundgebung und anschließende Demonstration durch den Kiez angemeldet, um sich in der Öffentlichkeit gegen diese Übergriffe zu wehren und die Bewohner_innen des Stadtteils auf die Missstände aufmerksam zu machen bzw. sich mit ihnen zu solidarisieren. Dem Aufruf folgten mehr als vierhundert Teilnehmer, vorwiegend Jugendliche aus Berliner Antifa‑Gruppen, aber auch Mitglieder des VVN-BdA, der Organisation „FELS – Für eine linke Strömung“ und der GBM. Die Polizei hatte unter Mitwirkung von CDU-Politikern die Antifademo verbieten wollen, dann jedoch eine andere und natürlich verkürzte Strecke zugelassen. Auf den Internetseiten der CDU‑Pankow war bis vor wenigen Tagen ein Link zur rechten Zeitung „Junge Freiheit“ aktiv und personelle Zusammenhänge mit rechten Kreisen führten in der Vergangenheit bereits zu Aufsehen. Wen wundert es da, dass die Demonstranten lautstark riefen: „CDU und NPD – Wir wollen keine Nazis in Weißensee“. Die 23. Hundertschaft der Berliner Polizeibereitschaft, fünf sichtbare und X unsichtbare, sich unters Volk mischende Zivilpolizisten hatte der „rot‑rote Senat“ zu unserer Bewachung aufgeboten. Sie riegelten den Zugang zum Antonplatz und den Bereich Berliner Allee ab, um einen Zugang zum Straßenfest und dem Wohnort eines der Organisatoren der „Freien Kräfte“ auf der Berliner Allee zu verhindern. Zu Zwischenfällen kam es nicht. „Natürlich“ war die Demonstration als gewaltbereit eingestuft worden und so wurden die erst im Juli dieses Jahres als rechtswidrig eingestuften pauschalen Videoaufzeichnungen der Berliner‑Polizei ausgehebelt und die Demonstranten, wie immer, permanent abgefilmt. Teilweise schlossen sich Anwohner-/innen dem Demonstrationszug an, leider blieben aber die Gemeindemitglieder der evangelischen Pfarrkirche an der Berliner Allee hinter ihrer Mauer stehen und lediglich ein etwa zehnjähriger Junge verstand wohl den Gedanken der vorbeilaufenden Menschen und grüßte mit dem Victory Zeichen. Unmittelbar vor der „Bunten Kuh“ in der Bernkasteler Straße löste sich der Demonstrationszug, nach einer Abschlusskundgebung, friedlich auf. Um nochmals auf die Zusammensetzung der Teilnehmer zu kommen: ich hätte mir mehr bekannte Gesichter aus den Kreisen der älteren Generationen gewünscht. Das kann die Hemmschwelle zwischen Demonstranten-/innen und AnwohnerInnen im Demonstrationszug erheblich herabsetzen. In den nächsten Wochen wird es verstärkt zu Demonstrationen und Kundgebungen gegen Faschismus und Krieg kommen. Hier reihen sich die Veranstaltungen um den 1., 4. und 12. September (Weltfriedenstag, die Bombardierung im Kundus und Tag der Mahnung), den 18. September 2010 (Blockade eines neuen Nazi-Aufmarsches in Berlin), und die jeweils am 29. der nächsten Monate stattfindenden Demonstrationen und Aktionen gegen Sozialabbau in Europa ein. Vergessen sollten wir nicht den 11. September mit der Großdemonstration „Freiheit statt Angst 2010“ in Berlin. Bitte informiert Euch im Internet sowie vor Ort in Organisationen und bringt viele Freunde-/innen mit! Berlin,

29.08.2010
Jens Schulze,
GBM e.V.

 
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Juni 2010

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