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Kolloquium  60 Jahre Gründung der DDR

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 Artur Spengler, Memleben

Mein Leben in Deutschland

Geboren am 10. Januar 1930, wuchs ich als kleines Kind noch knapp 3 Jahre in der Weimarer Republik heran, um dann die 12 Jahre des Dritten Reiches als Junge und junger Mann bewusst zu erleben.
Als 15jähriger war ich als Volkssturmmann, als Kradmelder, mit dabei, die „Heimat zu verteidigen“. Als 19jähriges FDJ-Mitglied erlebte ich zunächst im Mai 1949 die Ausrufung der Bundesrepublik Deutschland und danach im Oktober 1949 die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik. Ich war mit meinen FDJ-Freunden dabei, als wir am Abend des 8. Oktober in Berlin vor unserem Präsidenten Wilhelm Pieck vorbeizogen und ihm dabei gelobten, alles in unserer Kraft Stehende für den Aufbau unserer jungen Demokratischen Republik zu tun. Diesem Gebot bin ich dauerhaft treu geblieben.

Nachdem ich am 2. Juli 1948 die Prüfung zum Abitur erfolgreich bestanden hatte, berichtete ich am selben Tag meiner Mutter, dass der neu eingeführte Unterricht im Fach Geschichte über den wissenschaftlichen Sozialismus mir sehr viel bedeutet hat und dass ich mich mit diesen Fragen weiter beschäftigen würde. Die Ideen der Vorsozialisten, der Gedankenreichtum von Marx und Engels, hatte mich außerordentlich beeindruckt. So war es eigentlich normal, dass ich – seit August 1946 – Mitglied der FDJ (bald Vorsitzender einer Betriebsgruppe und danach der gesamten Ortsgruppe mit 3 Grundeinheiten) in Gatersleben war; am 25. Januar 1949 Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands wurde.
In dieser Zeit hatte ich sehr aufmerksam die Entwicklung in Deutschland verfolgt und aktiv in der Volkskongressbewegung in der damaligen Ostzone mitgearbeitet. Ich war froh und stolz, als die DDR gegründet worden war. Ich habe in ihr mit ganzem Einsatz gearbeitet und gewirkt.

So begann ich nach Abschluss meiner zweijährigen beruflichen Ausbildung als Landwirt das Studium der Agrarwissenschaften an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In den Praktika und Semesterferien übte ich vertretungsweise Leitungsfunktionen in den damaligen Universitätsversuchsgütern Gatersleben bzw. Etzdorf aus und bereitete mich so auf spätere leitende Funktionen in unserer Landwirtschaft vor. Ein gewisser Höhepunkt im letzten Studienjahr war die Unterstützung der sich seit der 2. Parteikonferenz der SED im Sommer 1952 bildenden Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. In 40 unter meiner Leitung stehenden Brigaden von jeweils 3 bis 4 Studenten unterstützten wir erfolgreich 70 der im Werden befindlichen LPG im Saalkreis und angrenzenden Gebieten des Bezirkes Halle. Während eines späteren Plenums des ZK der SED erhielten wir dafür viel Anerkennung und Lob. Auf dem Kongress werktätiger Bauern in Leipzig im Februar 1953 berichtete ich über diese unsere Arbeit.

Nach Beendigung des Studiums wurde mir als 23jährigen jungen Diplomlandwirt zunächst die Leitung des Volkseigenen Gutes Werder bei Merseburg für ein Jahr übertragen. Dem schloss sich meine 9jährige Tätigkeit als Direktor im Volkseigenen Gut Hübitz, Kreis Eisleben, an. In diesen Jahren schuf ich dort durch zielstrebige Arbeit den ersten vollmechanisierten und vollmotorisierten Landwirtschaftsbetrieb der DDR und entwickelte ihn in jeder Hinsicht enorm weiter. Die Leistungen des Betriebskollektivs wurden mit der Verleihung des ‚Vaterländischen Verdienstordens’ geehrt, nachdem wir 1960 im Wettbewerb aller staatlichen Güter in der DDR Sieger waren und die Wanderfahne des Landwirtschaftsministeriums und der Gewerkschaft Land, Nahrungsgüter, Forst übernommen hatten.
Für meine Hübitzer Zeit war auch der 3monatige Einsatz im Rahmen einer Brigade zur Gewinnung der Einzelbauern in der Gemeinde Bornstedt von Bedeutung. Dort haben wir in systematischer Kleinarbeit, in aufklärenden sachlichen Gesprächen – so, wie es Lenin gefordert hatte – die überwiegende Mehrheit der dortigen Bauern für diesen Schritt gewinnen können und stellten die Tätigkeit Ende 1959 ein, obwohl nicht alle Bauern ihren Eintritt in die LPG erklärt hatten. Erst und ohne Zutun unserer Arbeitsgruppe in der Frühjahrsaktion 1960 sind mit mehr oder weniger Gewalt dort die letzten Bauern zum Eintritt geführt worden.
In diesen Jahren meiner Hübitzer Tätigkeit war ich Mitglied der Kammer der Technik, Fachverband Land- und Forsttechnik, geworden und hatte 1960 die Deutsche Agrar-wissenschaftliche Gesellschaft mit gegründet. Beide Organisationen haben durch ihre organisierte freiwillig-technische Gemeinschaftsarbeit, und vor allem durch Erfahrungsaustausche und Weiterbildung, viel dazu getan, dass es in unserer Landwirtschaft gut voranging. In beiden Organisationen habe ich an leitender Stelle in Halle bzw. zentral mitgewirkt.
Für meine persönliche Entwicklung war die Tätigkeit als Mitglied der Agrar-kommission beim Politbüro des ZK der SED, die 1959 unter die Leitung von Gerhard Grüneberg gestellt worden war, von erheblicher Bedeutung. Ich habe selber dabei viel gelernt und zugleich auch eine wissenschaftliche Arbeit initiiert, die ich als Externer am Institut für Betriebswirtschaft der Agrarfakultät in Halle tätigte.
Systematische Untersuchungen zur Technologie und zur Ökonomie der Produktion führten dazu, dass ich Ende 1963 meine Dissertation mit folgender Thematik vorlegte: „Die Technisierung eines sozialistischen Landwirtschaftsbetriebes der DDR und deren Auswirkungen auf Arbeitsproduktivität, Nutzeffekt der Gesamtarbeit und Rentabilität (dargestellt am Beispiel des VEG Hübitz, Bezirk Halle (S.)“.
Ich konnte diese im Dezember 1964 im Rahmen eines großen Kolloquiums erfolg-reich verteidigen.
In meiner ganzen Wirkungszeit in den Volkseigenen Gütern, den Staatsgütern der DDR, ließ ich mich leiten von den politischen und ökonomischen Aufgaben, wie sie bereits Edwin Hoernle, der herausragende Agrarpolitiker der KPD, formuliert hatte.
Ihnen, den volkseigenen Gütern, den Staatsgütern der DDR, war primär die Aufgabe gestellt, hochwertiges Saatgut und leistungsfähiges Zuchtvieh für die gesamte Landwirtschaft zu erzeugen, große moderne Musterwirtschaften zu sein, die den wissenschaftlich-technischen Fortschritt meisterten und auf diesem Wege wesentliche Beiträge zur Versorgung der Bürger unseres Landes mit hochwertigen Nahrungsmitteln leisteten und auch Rohstoffe für die Industrie bereitstellten. Diese Staatsgüter waren zugleich auserkoren, im ländlichen Raum den Fortschritt zu verwirklichen und die Zurückgebliebenheit der Landregionen zu überwinden. Den Staatsgütern oblag es daher, die gesamte Ausbildung des beruflichen Nachwuchses zu gewährleisten.
Diese Aufgabenstellung war für mich immer das entscheidende Motiv für mein gesamtes Wirken und in diesem Sinne habe ich auch alle meine Mitar-beiterinnen und Mitarbeiter motiviert.

Durch Entscheidung der übergeordneten Organe war ich per 15. Dezember 1963 als Direktor des Volkseigenen Gutes Memleben im damaligen Kreis Nebra eingesetzt worden. Hier wirkte ich bis Ende 1991 – es war der bedeutendste Abschnitt meines beruflichen und auch gesellschaftlichen Lebens.
Das VEG Memleben war – wie auch sein Nachbar, das VEG Rossleben – damals 1963 ein zurückgebliebener Betrieb und diese Tatsache wurde auf der Ausstellung der agra 1964 in Leipzig-Markkleeberg in der Halle VEG deutlich zum Ausdruck gebracht. Der Auftrag an mein Kollektiv und mich bestand also darin, die Zurückgebliebenheit dieses Unternehmens zu überwinden. Das gelang uns bereits im ersten Jahr meiner dortigen Tätigkeit. Was uns aber durch einen Beschluss des Politbüros nicht gelang, war die Wiedervereinigung zwischen Memleben und Roßleben, die schon einmal von 1952 bis 1955 ein so genanntes Großgut gewesen waren und dann wieder geteilt wurden, weil man mit diesem großen Betrieb nicht richtig fertig wurde. Diesen Gedanken des Zusammengehens mit dem benachbarten Rossleben habe ich natürlich nie außer Acht gelassen und wir konnten diesen Schritt mit Jahresbeginn 1972 vollziehen. Damit war ein 3.030 ha großes Gut entstanden. Inzwischen hatten uns aber auch schon die Bewegungen der Kooperation erfasst. 1967 habe ich im Auftrag des Sekretariats der Kreisleitung der SED (ich war Kreisleitungsmitglied) eine gründliche Studie gemacht, wie im Kreis Nebra Kooperationsbeziehungen sinnvoll und im Einvernehmen mit dem Willen der Bauern gerecht werden konnten. Auf der Grundlage dieses von den Spezialisten ausgearbeiteten, mit allen Bäuerinnen und Bauern diskutierten und später beschlossenen Programms, haben wir 1968 die Kooperationsgemeinschaft „Unstruttal-Finne“ gegründet und in dieser per 01.01.1969 mit der Kooperativen Pflanzenproduktion begonnen. Auch in der Kooperationsgemeinschaft Burgscheidungen wurde das so gestartet. Das 10. Plenum des ZK der SED vom April 1970 konnte uns an unserem Vorgehen nicht hindern, wenngleich damals Bindungen solcher Art in vielen Orten wieder auseinander gingen. Wir hatten bei uns von Anfang an die Kooperative Pflanzenproduktion so aufgebaut, wie sie später in den KAP’s durch zentrale Regulierungen geordnet waren mit eigenen Fonds, mit eigenem Plan, mit eigener Abrechnung, aber immer auf der Grundlage der Beschlüsse der Ausgangsbetriebe.
So hat sich daraus dann auch die endgültige Struktur, nämlich das VEG Pflanzenproduktion (mit genossenschaftlichen Anteilen) und die LPG Tierproduktion Wohlmirstedt und Wiehe entwickeln können. Dass die Rinder- und Schweinemast zeitweise, von 1978 bis 1989, aus diesem Verbund als eigenes bezirksgeleitetes VEG Tierproduktion ausgegliedert wurde, hat unseren kooperativen Prozess nicht gehemmt, war aber im Prinzip nicht nötig gewesen. Das war unnötiges Festhalten an bürokratischen Bestimmungen.
Mit der Übernahme der beiden Volkseigenen Güter Memleben und Rossleben in den Verband der Vereinigung Volkseigener Betriebe Saat- und Pflanzgut Quedlinburg per 01.04.1964 hatten wir beide Betriebe auf Saatgutproduktion spezialisiert bei konsequenter Anwendung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und vielen modernen Arbeitsmethoden konnte unser Betriebskollektiv das Unternehmen hervorragend entwickeln. Das VEG „Thomas Müntzer“ Memleben war mit seinen 6.150 ha und über 800 Beschäftigten eines der größten Saatzuchtbetriebe der DDR. Allein das hier erzeugte Saatgut reichte aus, um die Erträge auf einer Anbaufläche von 120.000 ha positiv zu beeinflussen. Notwendigerweise folgten weitere Entwicklungen. So die Gründung der Saatgutforschungsgruppe Roßleben, die das Institut für Saatgutforschung in der DDR werden sollte. Zunächst 26 wissenschaftliche und technische Mitarbeiter arbeiteten in Labors und in einem Versuchsfeld von 16 ha an den Formen, wie man komplizierte Pflanzen zur guten Saatgutgewinnung führt und wie durch Nach- und Vorbehandlung von Saatgut eine höhere Effektivität erreicht werden kann. Außerdem wurde bei uns die Saatzuchtstation Roßleben stationiert, die sich mit der Neuzüchtung von Sojabohnen und Futtererbsen sowie mit der Erhaltungszüchtung mehrerer Fruchtarten befasste. Memleben war in der Saatgutwirtschaft der DDR eine wichtige Säule, so war es fast logisch, dass mir die Leitung der Arbeitsgruppe Saatgut- und Verfahrensforschung im Rahmen der VVB übertragen wurde. Diese Funktion schloss ein, zugleich ‚Nationaler Kurator’ der DDR für die Verfahren der Saatgutwirtschaft beim Koordinierungszentrum für die Züchtung von Getreide und Hülsenfrüchten in Odessa zu sein. Jährlich musste ich dem Koordinierungszentrum über die Aktivitäten in der Republik berichten und alle zwei Jahren tagten wir und führten gründliche Auswertungen und Besprechungen für neue Aufgaben durch.
Alle diese Aufgaben konnten wir gut lösen und dabei auch das Ansehen unserer ausländischen Partner, der Kollegen aus den sozialistischen Bruderländern, gewinnen.
Nicht unbegründet war das gesamte Betriebskollektiv, voran die tüchtigen Schäfer, stolz auf die nahezu 8000 Schafe, die in unserem Unternehmen gehalten wurden und auf die Tatsache, dass wir eines der besten Schafzuchtzentren des Merino-Fleischschafes in der DDR waren.
In diesen Jahren vernachlässigte ich natürlich nicht meine eigene wissenschaftliche Arbeit. Zusammen mit Dr. Peter Feiffer aus Nordhausen (Mitarbeiter des Forschungszentrums für Mechanisierung Schlieben-Bornim der Landwirtschaftsakademie) hatte ich das Verfahren der Prozessoptimierung des Mädrusches entwickelt und gemeinsam haben wir sie in jahrelanger Arbeit in die Praxis der ganzen Republik mit hohem ökonomischen Nutzeffekt überführt. So war es möglich, dass wir daraus 1986 unsere Gemeinschaftsdissertation B vorlegten und vor einem renommierten Promotionsausschuss erfolgreich verteidigten.
In den vielen Jahren meiner Tätigkeit in der Leitung sozialistischer Landwirt-schaftsbetriebe habe ich immer etwas Zeit abgezweigt, um Berufskollegen und andere junge Menschen weiterzubilden. Das erfolgte einerseits in den schon genannten Organisationen KdT und awig und hinsichtlich der Ausbildung der Studenten durch mein Wirken als Lehrbeauftragter (1972) und später als Honorardozent (1976) für Sozialistische Betriebswirtschaft an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Nach dem Aufbau der Kooperationsbeziehungen war ich auch Vorsitzender des Kooperationsrates geworden und habe diese Tätigkeit viele Jahre ausgeübt. Diese Arbeit war für das Zusammenwirken der im Kooperationsverbund zusammengefassten Volkseigenen Güter und Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften von großer Wichtigkeit, ging es doch darum, die unterschiedlichen Aufgaben und auch unterschiedlichen Meinungen sinnvoll zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzuführen. Das konnten wir zum Wohle der Arbeiter der VEG und der Genossenschaftsbauern der LPG, trotz vielfacher Probleme und oft auch unnötiger Schwierigkeiten, realisieren.

Als wir 1964 in Memleben eine neue Zentralwerkstatt auf einem bestimmten Punkt auf dem Gutshof erbauen wollte, erfuhr ich, welch große historische Rolle der Ort Memleben in der Geschichte Deutschlands gespielt hat. Hier war einer der Königshöfe bzw. Kaiserpfalzen von Heinrich I. und nach ihm folgenden Ottonen, hier befand sich die große Marienkirche aus dem 10. Jahrhundert, die damals wohl das größte Bauwerk in Deutschland gewesen ist. Daraus ergab sich für mich die Aufgabe, der Denkmalspflege mehr zuzuwenden, denn ich hatte außer den Ruinen des Klosters und der Kaiserpfalz in Memleben, schon die Burg in Wendelstein als rechtsträger in Obhut. Hinzugekommen waren später das Schloss des früheren Rittergutes in Bucha und das Schloss des frühren Gutsbesitzers in Wiehe. Es war auf diesem Gebiet also viel zu tun und wir und ich haben das sehr gern getan.
Überhaupt hat mir die Entwicklung der Landregionen immer am Herzen gelegen, durch Infrastrukturmaßnahmen vielfältiger Art, durch Hilfe für die Gemeinden, aber auch durch Unterstützung des geistig-kulturellen und des sportlichen Lebens. Memleben nahm darin zweifellos in der Republik eine Spitzenstellung ein. Acht Kulturgruppen, zum Teil in zwei Kulturensembles zusammenarbeitend, die drei großen Sportgemeinschaften in etlichen Sektionen, die erfolgreiche Teilnahme an sieben den Arbeiterfestspielen parallel gestellten Kulturfesttage auf dem Lande, die Verbindung mit vielen Kulturschaffenden, mit Malern, Grafikern, Schriftstellern, mit Theatern, zeugen von der Breite dieser Arbeit, die einen hohen Stellenwert in meinem persönlichen Wirken einnahm. Höhepunkt waren die jährlichen Betriebs- und Kooperationsfestspiele, die wir von 1972 bis 1990 20mal durchführten. Höhepunkte waren auch die vier Filme, die über das landwirtschaftliche und geistig-kulturelle Schaffen in Memleben gedreht worden sind; einer dieser Filme ist zum 25. Jahrestag der DDR in allen Botschaften unserer Republik im Ausland gezeigt worden.

Alle diese Dinge waren vor allen Dingen wichtig im Hinblick darauf, dass das VEG „Thomas Müntzer“ Memleben der Trägerbetrieb einer großen Betriebsberufsschule geworden war. Etwa 100 junge Menschen erlernten bei uns in zweijähriger Ausbildungszeit praktisch die Berufe des Agrotechniker/Mechanisators der Pflanzenproduktion, des Schäfers und des Rinderzüchters sowie des Land-maschinen- und Traktorenschlossers. Die theoretische Ausbildung erfasste sogar insgesamt 450 Jungen und Mädchen; 350 erfuhren ihre praktische Ausbildung also in anderen Betrieben und bei uns nur den theoretischen Teil. Mit der in jeder Hinsicht niveauvollen Berufsausbildung haben wir den Grundstein geschaffen für die weitere gute Entwicklung unserer sozialistischen Landwirtschaft. Die heute die Agrarpro-duktion tragenden Bäuerinnen und Bauern in Ostdeutschland sind überwiegend auf diesem Weg für ihre heutige Tätigkeit vorbereitet worden.

Als die Wende im Herbst 1989 sich abzeichnete, haben engagierte VEG-Direktoren, voran Dietmar Ketzel und Fritz Messner und weitere sowie auch ich, den Zentralen Verband der Staatsgüter der DDR gegründet. Wir wollten damit das Ziel erreichen, die Stellung der Volkseigenen Güter im System unserer Landwirtschaft deutlicher auszuprägen und dann aber auch dafür sorgen, dass diese Betriebe im Falle der Wiedervereinigung nicht wieder privatisiert würden, sondern in neue marktwirtschaftliche Formen zum Wohle der Landwirtschaft und ihrer Menschen überführt würden. Dieses Ziel gelang uns nicht, Bundeskanzler ließ uns mitteilen: „Der beste Weg für die Entwicklung der staatlichen Güter der DDR ist ihre Privatisierung“. So haben wir diesen Staatsgüterverband am 18. Juni 1997 aufgelöst und den Mit-gliedern empfohlen, sich länderweise in Arbeitskreisen ehemaliger Staatsgüter-Direktoren zusammenzuschließen, um zu versuchen, einen gewissen Einfluss auf eine vernünftige Entwicklung der Landwirtschaft zu nehmen. Das ist in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen auch geschehen. In Thüringen leider nicht.
Per 31.12.1991 wurde auch das von mir geleitete VEG „Thomas Müntzer“ Memleben aufgelöst und privatisiert. Für mich begann damit auch eine neue Lebensetappe – ich musste viel nachdenken und neu überlegen. Empfohlen durch den damaligen Vizepräsidenten des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt entschloss ich mich, Unternehmensberater zu werden und mitzuhelfen, die neu entstehenden Agrarunternehmen auf den richtigen Weg zu bringen. Das bedeutete vor allem, auch viele ehemalige LPG in neue Rechtsformen zu überführen. Vor allem mussten Wege aufgezeigt werden, wie sie sich gut entwickeln konnten. Das habe ich zunächst als Mitarbeiter eines Rechtsanwaltes, dann allein getan. Im sehr eingeschränkten Umfang tue ich das heute noch.

Ich hatte 1990/1991 zeitweise meine Mitgliedschaft in der PDS ruhen lassen, war dann Ende 1992 in die Arbeitsgemeinschaft Agrarpolitik/Ländlicher Raum gestoßen und habe seitdem in ihr aktiv gearbeitet (zuletzt als Vorsitzender des Sprecherrates der BAG).
Als man 1994 die erste Verwaltungsreform in Sachsen-Anhalt durchführte und dabei in unserem Fall die Altkreise Naumburg, Nebra und Zeitz zu dem Burgenlandkreis zusammenschließen wollten, holte man mich zur Erarbeitung des Wahlkreisprogramms unserer Partei und ich habe dabei auch für den neuen Kreistag fungiert und 10 Jahre lang die dortige Fraktion meiner Partei geführt. Bei der Wahl zum Landrat 1994 hatte ich mit 26 % das beste Ergebnis aller PDS-Kandidaten für ein solches Amt in Sachsen-Anhalt, das reichte ganz knapp nicht, um in die Stichwahl zu kommen.

Auf Bitten des Landseniorenverbandes Sachsen-Anhalt und des Kreisbauernverbandes Burgenlandkreis engagierte ich mich in der Ende 2000 gebildeten Landseniorenvereinigung, die sich als kooperatives Organ des Bauernverbandes versteht. Über 100 Mitglieder und Freunde kommen hier regelmäßig zusammen, tauschen sich aus und erleben gemeinsam interessante Bildungsfahrten und auch mehrtägige Reisen ins In- und Ausland.

Nach zähen Bemühungen im Rahmen der Freundschaftsgesellschaft der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Halle, die Fakultät als solche zu erhalten, konnten wir das nicht schaffen. Kultusminister und Universitätsleitung lösten die Fakultät auf und stuften sie in ein Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften zurück. Daraufhin gründeten wir die Fördergesellschaft für Agrarwissenschaften e.V. Ende 2006 und stellten uns das Ziel, in Ostdeutschland nicht nur die Fakultät in Halle wieder herzustellen, sondern auch die Agrarfakultäten in Rostock und Berlin nicht zu zerschlagen. An diesem Ziel arbeite ich inzwischen als Mitglied des Vorstandes der Fördergesellschaft für Agrarwissenschaften e.V. noch intensiv. Erste positive Ergebnisse konnten wir erreichen.


In diesem Jahr 2009 gedenken wir nicht nur der Existenz des Grundgesetzes unserer Bundesrepublik Deutschland, sondern wir erinnern uns auch an das 40jährige Bestehen der Deutschen Demokratischen Republik – unseres Staates, den wir aufgebaut, entwickelt und gestaltet haben. Das schließt notwendigerweise ein Resümee ein.

 Meine Erfahrung: es entsprach dem Wunsch und Wollen der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung, 1949 mit der Gründung der DDR einen neuen Weg eingeleitet zu haben. Es gab großen Elan für den Wiederaufbau, später auch viel Zustimmung zu einem sozialistischen Weg.

 Leider ist dieser Enthusiasmus der ersten Jahre durch kleinere, größere und prinzipielle Fehler, vor allem der führenden Partei, der SED, aber auch des sozialistischen Staates, bei nicht wenigen Bürgern nach und nach in Missfallen und sogar in Protest umgeschlagen. Schließlich haben die Bürger durch die Aktionen zur Wende diesen Staat aufgehoben.
Unangemessen und unerträglich war vielfach das Hineinregieren der SED in die Belange des Staates und der Wirtschaft, oftmals durch in der Sache nicht ausreichend qualifizierte Personen.
Unnötige Fehler im wirtschaftlichen Aufbau, auch in der gut entwickelten Landwirtschaft, erschwerten unsere Arbeit. Und das war in sehr vielen Bereichen so. Das sozialistische Ideal wurde vielfach mit Füßen getreten und so beschädigt.

 Dabei wird bis heute positiv gewertet:
die Bodenreform ab 1945, die Schulreform, den neu gestalteten Status mit zentraler Orientierung, die verschiedenen Hochschulreformen, die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft, der soziale Wohnungsbau, nicht zuletzt auch die neue Rechtsordnung (Arbeitsgesetzbuch, Zivilgesetzbuch, die oft sehr ver-nünftige Lösung von Rechtsverfahren);
im Besonderen auch das Grundrecht auf Arbeit, das Grundrecht auf angemessene Entlohnung, auf Aus- und Weiterbildung, auf gesellschaftliche Arbeit auch in der regulären Arbeitszeit und die Vielfalt von sozialen Maßnahmen.

 Viele Elemente der sozialistischen Kulturpolitik, die Förderung des Volkskunstschaffens und vieles andere.

 Dagegen sind die mangelhafte Ausformung vieler Seiten des demokratischen Ver-ständnisses, der Demokratie, die fehlende Reisefreiheit, die lange Wartezeit auf hochwertige Konsumgüter wie Autos, das Fehlen vieler bestimmter zum Leben notwendigen Stoffe wie Südfrüchte und und und, Fakten, die verständlicherweise die Bevölkerung in Gänze nicht akzeptieren konnte.

 Viele suchen heute einen Weg, wie die zweifellosen Vorteile des sozialistischen Wirtschaftens und Lebens mit den vielen positiven Elementen der sozialen Marktwirtschaft (ohne das neoliberal organisierte und betriebene Staatswesen) verbunden werden können. Ein solcher Weg wird und muss gefunden werden. Viele gute Erfahrungen aus der DDR können uns dabei helfen!
 

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