Ostdeutsche Bilanz 17 Jahre nach dem
Anschluss
Rede von Dr. Hans
Reichelt beim „Alternativen 3. Oktober“
Liebe
Mitstreiter im Kampf um Recht, Gerechtigkeit und
Menschenwürde!
Verehrte
Gäste!
Vor 17
Jahren wurde die staatliche Einheit in Deutschland
vollzogen. Monate vorher war der Markt der
DDR durch die BRD – Banken, Ladenketten und
Konzerne erobert worden. Mit der
Währungsunion war die wirtschaftliche Einheit
hergestellt. Seitdem
existiert in Deutschland
ein einheitliches
Grundgesetz, dessen Rechte für Ostdeutsche
eingeschränkt gelten,
eine einheitliche
Rechtsordnung mit Sondergesetzen und -gerichten
für Ostdeutsche und einer
Justiz, die verpflichtet ist, die DDR zu
delegitimieren,
eine einheitliche
Währung, durch die über Nacht Industrie- und
Landwirtschaftsbetriebe in den
Kollaps getrieben, vom Binnen- und Außenmarkt
brutal vertrieben und Ersparnisse
der Bevölkerung entwertet wurden,
eine einheitliche
Eigentumsordnung, nach der die Enteignung der
Ostdeutschen von ihrem
Volksvermögen, Teilen des Privatvermögens und
Rechtsansprüchen erfolgte,
eine einheitliche
Wirtschaftsordnung, nach der Ostdeutschland
deindustrialisiert, große Teile der
Landwirtschaft und der überwiegende Teil der
Wissenschaft vernichtet wurden,
eine einheitliche
Sozialordnung nach der Ostdeutsche vieler ihrer
sozialen Rechte beraubt, Löhne,
Gehälter und Renten grundsätzlich niedriger,
Arbeitszeiten länger und
Urlaubsansprüche kürzer, die
Massenarbeitslosigkeit doppelt so hoch als im
Westen, prekäre
Arbeitsverhältnisse und die Armut um vieles größer
sind und
ein einheitliches
Staatswesen, das undurchschaubar und
bürgerunfreundlich ist, so dass ein
Heer von Renten-, Finanz-, Steuer-, Vermögens- und
andere Berater, Anwälte und
Gerichte, Verbraucherschützer u.a. benötigt
werden, um Rechte zu erkennen, zu vertreten
und gelegentlich durchgesetzt zu bekommen.
Vorhanden
ist eine Spaltung in zwei Teilgesellschaften
mit unterschiedlicher Wirtschaftskraft und
Tradition. Unerreicht ist nach Meinung einer
Mehrheit, die innere Einheit, die Angleichung der Arbeits-
und Lebensverhältnisse und der Wertvorstellungen.
Verweigert wird Ostdeutschen eine Sicht
auf die Geschichte beider deutschen Staaten, so
wie sie nach 1945 verlaufen ist. Mit
riesigem Aufwand soll uns eine aufgezwungen
werden, die die DDR dämonisiert, verteufelt
und Bürger kriminalisiert.
Was 1990/91
für viele nicht erkennbar war, Absichten und Ziele
der herrschen Kreise der
kapitalistischen BRD und die Wünsche eines großen
Teiles der DDR-Bürger an einem einheitlichen Deutschland
sind diametral entgegengesetzt. Deshalb feiern
heute die Herrschenden die
„Erfolgsstory deutsche Einheit“ und wir
demonstrieren und fordern wirksame politische und soziale
Veränderungen.
Menschen der
DDR ging es um die „harte“ DM, ein großes Angebot
an Konsumgütern, um unbegrenzte
Reisefreiheit, bei manchem auch um mehr Meinungs-
und Versammlungsfreiheit.
Dabei
sollten alle bisherigen Leistungen des
sozialistischen Deutschlands, mit
Vollbeschäftigung für Mann und
Frau, allseitiger Förderung der Familien,
Chancengleichheit in der Bildung und
der Gesundheitsfürsorge sowie Teilhabe aller am
Kulturleben beibehalten werden.
Die
Sicherung des Friedens, der Schutz vor
Kriminalität und das Verbot von Neofaschismus, Rassismus
und Antisemitismus gehörten dazu.
Für die
Großkonzerne und die politische Führung der BRD
standen die Eroberung von unermesslichem Reichtum,
des Marktes und die Ausschaltung der Konkurrenz
auf der Tagesordnung. Es ging um
ungeahnt große Profite, um mehr Macht und Einfluss
in Europa und der Welt. Und
das in einer unwahrscheinlich kurzen Zeit. Niemand
der Betroffenen im Osten durfte zur
Besinnung kommen, kein Widerspruch sich
breitmachen.
Schnell
sollte vergessen gemacht werden, dass es in einem
Teil Deutschlands über 40 Jahre lang ohne
Kapitalismus und Ausbeutung ging. Und das, trotz
Fehlern, in vielem besser.
Der
Sozialismus, die Erinnerung an ihn, als eine
erwiesen gangbare Alternative zum Kapitalismus, muss
ausgerottet werden. Der Weg dazu, der
Antikommunismus. Wie hießen
die wahren Absichten vernebelnden
Politiker-Versprechungen? Von „Blühenden
Landschaften, sicheren Renten, niemandem soll es
schlechter gehen als früher und von steigendem Wohlstand
für alle“ war die Rede. Die grenzenlose „Freiheit
für jeden“, hat nicht gefehlt. Das
war die, das Volk manipulierende Begleitmusik
1990/91 zur Enteignung und Entrechtung,
zur Massenarbeitslosigkeit und Verarmung von
Millionen.
Was seit
Jahren in allen Medien und der Politik absolut
Tabu ist, dagegen haben Millionen im Osten
Widerstand geleistet. In Resolutionen, auf
Massenkundgebungen, mit Straßen- und
Traktorendemonstrationen, Streiks, Autobahn- und
Straßensperrungen, Betriebs- und
Behördenbesetzungen, in Protesten
mit dem Unterpflügen von Milch und Gemüse kämpften
sie um ihre Rechte.
Unvergessen muss der Hungerstreik der Kalikumpel
von Bischofsrode bleiben.
Dieser Kampf
konnte nicht siegen. Die Belegschaften führten ihn
zersplittert, es mangelte an klaren
Zielen und Solidarität. Jeder hatte mit sich zu
tun. Es fehlte an einheitlicher Organisation. Die
Gewerkschaft und Parteien im Osten befanden sich
in Auflösung. Nur die um die eigene
Existenz ringende PDS war mit den Kämpfenden
solidarisch.
Als
Schlussfolgerung daraus, bildeten, engagierte
Männer und Frauen, als Interessenvertretungen und
Selbsthilfeorganisationen Gesellschaften und
Vereine: Die GBM, GRH, ISOR und viele
andere. In diesen vereinigen sich Zehntausende.
Als erfolgreiche Sachwalter in juristischen, sozialen und
politischen Auseinandersetzungen haben sie
Vertrauen erworben. Sie haben sich
zum Kuratorium Ostdeutscher Verbände
zusammengeschlossen, das heute diese
Protestveranstaltung organisiert.
Die
DDR-Bürger kamen als reiche Bürger in das größere
Deutschland; mit über 1, 5 Billionen DM an
Volksvermögen. Daran ändert auch Prof. Papier
nichts, wenn er seinerzeit als Regierungsberater zu begründen
suchte, dass die DDR-Bürger ohne Eigentum in die
BRD gekommen seien. Die
Bundesrepublik könne deshalb willkürlich
bestimmen, ob und welches Eigentum diesen
Bürgern ab dem Beitritt zur Bundesrepublik zu oder
aberkannt wird. Genauso verlogen ist es, wenn
es in der Antwort der Bundesregierung auf eine
Große Anfrage der Linken am 23.5.07
heißt, dass „die DDR kaum wirtschaftliche Substanz
in die gemeinsame Zukunft einbringen
konnte“. Zwei Monate später berichtete die Presse,
dass die Nachfolgeeinrichtung der
Treuhand, die BVVG, noch „im vergangenem Jahr rund
277 Millionen € Überschuss“ …„für Verkauf
und Verpachtung der ehemals volkseigenen Flächen“
an den Bund überwiesen habe.
„Seit
1992 hat die Gesellschaft mehr als eine Million
Hektar privatisiert“ und es geht noch weiter. Wahr ist,
bis zur Währungsunion gab es in der DDR:
arbeitende Betriebe und öffentliche Institutionen,
Vollbeschäftigung, uneingeschränkte Gewährung der
vielfältigen sozialen Leistungen, gesicherte
Versorgung und allgemeine Sicherheit.
So sieht
kein Staatswesen aus, das vor einem
wirtschaftlichen Kollaps, einem Staatsbankrott oder gar vor
einer „Pleite“ steht, wie Politiker und Medien bis
heute nicht müde werden, wieder zu käuen.
Trotz
ungünstigster Ausgangsbedingungen, - 97% der
gesamten deutschen Reparationsleistungen, Abwerbung
und Abwanderung von über 2 Mio. vorwiegend
arbeitsfähiger Menschen nach dem
Westen, ohne Marshallplan - haben die DDR Bürger
aus eigener Kraft ein international beachtetes
Aufbauwerk geschaffen. Unter allen Ländern des RGW
hatte sie die höchste
Produktivität und den höchsten Lebensstandard.
Wahrlich, wir waren keine armen Verwandten.
Dieses
Volksvermögen der DDR Bürger wurde enteignet,
teils verschleudert teils brachte es
hundertfachen Profit. Unter Führung von Kohl,
Waigel , Köhler und Breuel haben die Banken und größten
westdeutsche Konzerne in der „Treuhandanstalt
entschieden.
Alles seit
1945 Geschaffene wurde mit milliardenschweren
„Zuwendungen“ zu 85% dem
westdeutschen und 7% dem ausländischen Großkapital
zugeschanzt. Nur ca. 6% gelangten in ostdeutsche
Hände.
Der Preis
der Einheit für die Ostdeutschen, die Enteignung
und Entrechtung. Der „Lohn“ der Einheit für
das Finanz- und Industriekapital, eine gewaltige
Bereicherung und Akkumulation. Und die
Folgen für die Ostdeutschen?
Die Freiheit
in die ganze Welt zu reisen und ein großes Angebot
an Gütern aller Art - wenn man das
notwendige Geld hat - eine erweiterte
Infrastruktur, die Modernisierung von Wohnungen, die
Sanierung von Stadtzentren und umfassendere
Dienstleistungen. Dazu
gehörten aber besonders der Rückgang der
Industrieproduktion um 60%, ein Drittel aller
Arbeitsplätze vernichtet, der größte Teil der
Forschungskapazitäten beseitigt und die Intelligenz
in die Arbeitslosigkeit entlassen, über 12 % der
Ackerflächen stillgelegt und 50 % der
Viehbestände reduziert. In den Folgejahren mehr
als 3 Mio. vorwiegend berufstätiger Menschen
nach dem Westen abgewandert und heute über 1 Mio.
Wohnungen leer stehend. Die
beabsichtigte Zerschlagung der LPG scheiterte am
heftigen Widerstand der Genossenschaftsmitglieder.
Und der
Nutzen für das westdeutsche Finanz- und
Großkapital: Ein riesiger Akkumulationsschub, der die
westdeutsche Wirtschaft aus der weltweiten
Rezession und in der Politik, die
angeschlagene CDU zum Machterhalt und einer
erneuten Regierungsmehrheit führten.
Der
westdeutsche Vereinigungsboom erbrachte einen
Billionen schweren Transfer von Ost nach West.
Über den ist weder von Politikern noch in den
Medien zu hören.
Er brachte
gleich mehrfache Profite durch einen gewaltigen
Vermögenszuwachs an finanziellen
Bankguthaben, Produktionsanlagen, Immobilien,
Böden, Wälder, Seen, Bodenschätzen, Verlagen,
Fernseh- und Radiosendern, Zeitungen, Interflug,
Ausrüstungen der NVA und sehr vieles mehr.
Hinzu kamen
eine beträchtliche Erhöhung der Profite durch die
neuen Absatzmärkte im Osten - jährlich
200 Mrd. € Überschuss aus den Lieferungen von
Waren - und Dienstleistung von West nach
Ost-, über 1,8 Mio. neue Arbeitsplätze im Westen,
hohe Steuererleichterungen und Subventionen
für Ost-Investitionen sowie günstigste
Kapitalverwertungsbedingungen für die Banken.
Was auch
schwer wiegt, die Übernahme hochleistungsfähiger
international konkurrenzfähiger
Produktionskapazitäten als Filetstücke aus
Kombinaten mit hoch qualifizierten Facharbeitern,
Wissenschaftlern, Forschungs- und
Entwicklungsergebnissen wie z. B. in Jena,
Dresden, Leuna,
Schwarzheide.
Die Banken,
Versicherungen, große Konzerne und nicht wenige
Spekulanten sind die Hauptnutznießer der Einheit
und des „Aufschwungs Ost“. Statt diesen
Transfers werden uns medienwirksam die
finanziellen Transferströme West-Ost als Geschenk
des Westens dargestellt und Dankbarkeit
eingefordert, sonst würden diese Finanzströme zum Erliegen
kommen.
Heutige
Erkenntnis von Wissenschaftlern ist es, die
gewaltige Deindustrialisierung, Vernichtung großer Teile
der Landwirtschaft und wissenschaftlicher
Forschungspotentiale, das Brachlegen produktiver
Kräfte und schöpferischer Fähigkeiten von Mio.
Menschen, die Missachtung der
Interessen und des demokratischen
Selbstbestimmungsrechtes der Ostdeutschen sind die Ursachen
der katastrophalen Folgen der deutschen Einigung.
Es sind nicht die immer wieder beschworenen
„Erblasten“ und die „marode Wirtschaft der DDR“.
Diese Kampfbegriffe sind nur der
immer mehr durchlöcherte Nebelvorhang eines von
der Mehrheit als Kolonialisierung erlebten „Einigungs“-Prozesses.
Nachgewiesenermaßen wurden dies, wie auch die
Verödung und Entvölkerung ganzer Landstriche, die
Massenarbeitslosigkeit und das Angewiesensein auf
eine externe Alimentation West-Ost
Transfer genannt - „nicht nur vorhergesehen,
sondern auch billigend in Kauf genommen“.
Deshalb
wurde auf eine den wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Umbruch aktiv gestaltende
Struktur– und Industriepolitik durch die
Kohl-Regierung bewusst verzichtet.
Die
neoliberale Vorstellung, der Markt werde es schon
richten, führte in das Fiasko; zu einem in der
neueren Geschichte wohl einmaligen Verlust an
Menschenrechten, Eigentum und Bildung eines
Volkes. Verloren gingen für viele an menschlichen
Werten Solidarität, Gemeinschaftsleben,
Mitverantwortung für das Ganze und praktizierte
Basisdemokratie, Existenzsicherheit und auch
Völkerfreundschaft.
Heute
erleben es Millionen; von dem viel beschworenen
Aufbau Ost mit einem selbsttragenden Aufschwung,
der Ostdeutschland zur dynamischsten
Wirtschaftsregion Europas machen sollte, ist
ebenso wenig erreicht wie bei den „blühenden
Landschaften“ einem Leben in Wohlstand und Würde
und einer gesicherten Zukunft. „Ostdeutschland ist
heute ökonomisch unterentwickelt, in weiten
Teilen ohne Chancen und Perspektiven, wird von
immer mehr jungen Menschen verlassen und hängt „am Tropf“ des Westens.
Entgegen dem
von Kohl beschworenen „äußerst engen Zeitfenster“
- einer bewussten Angstmache -, das zu
dem wahnwitzigen Überstülpen des kapitalistischen
Wirtschaftssystems über das
sozialistische führte - gab es einen besseren Weg.
Eine von
Hans Modrow und dem Runden Tisch vorgelegte
Alternative sah einen längerfristigen Prozess als
Konföderation oder Vertragsgemeinschaft vor. In
dem von Prof. Christa Luft erarbeiteten
Stufenprogramm sollte innerhalb von 2½ Jahren eine
soziale und ökologisch orientierte
Marktwirtschaft bei staatlich regulierten
Rahmenbedingungen aus der volkseigenen Wirtschaft
entwickelt werden.
Für eine
Sanierung der Betriebe vor der Privatisierung
schlug Hans Modrow einen Solidarbeitrag in Höhe von
10-15 Mrd. DM vor. Das alles lehnte Kohl rigide
ab, weil es den Interessen des
Großkapitals entgegenstand.
Vor der
Geschichte wird sich die unter Kohl geschaffene
Allianz: Bundesregierung - Banken - Konzerne,
solche Fragen gefallen lassen müssen wie:
Weshalb wurde den
Ostdeutschen das Völkerrecht auf Selbstbestimmung
über ihre
existentiellen Fragen genommen und die staatliche
und wirtschaftliche Einheit auf dem Wege der
Kolonialisierung durchgeboxt?
Weshalb haben in der
Treuhand nicht Ostdeutsche in aller Öffentlichkeit
entschieden, sondern
westdeutsche Konzernvertreter hinter
verschlossenen Türen?
In gewohnt
arroganter Art hat unlängst Waigel auf die letzte
Frage im Fernsehen geantwortet:
„Weil wir
nicht mit ostdeutschen Eliten unsere Absichten hatten
durchsetzen können.“ Und die
Interessen ostdeutscher Menschen spielten keine
Rolle, sie störten nur.
Zur
Ausschaltung der ostdeutschen Eliten auf allen
Ebenen und in allen Einrichtungen wirkt als
außerordentliches Organ die Gauck/Birthler Behörde
mit Tausenden Mitarbeitern. Ihr gelang es
Zehntausende Funktionsträger aus den Ämtern in das
politische und soziale Abseits zu drängen, der
Justiz fleißig zuzuarbeiten, aktiven Einfluss auf
politische Prozesse und deren
Führungskräfte zu nehmen und insgesamt eine
Atmosphäre des Misstrauens zu schaffen.
Anstelle der
Vertriebenen besetzten Tausende und Abertausende
Juristen, Beamte, Richter, Berater u.a.
aus dem Westen deren Positionen und die unendlich
vielen hochdotierten, neu
geschaffenen.
Mit dem
Verschwinden des Sozialismus wurden für Ost- und
Westdeutsche gleichermaßen, in zwei
lebensnotwendigen Bereichen grundlegende
Veränderungen - einem Dammbruch gleich -
vorgenommen: In der Friedens- und der
Sozialpolitik. Honecker und
Kohl hatten in den 80 er Jahren auf Grund der sich
aus der gemeinsamen Geschichte ergebenen
Verantwortung vor dem In- und Ausland bekräftigt:
„Von deutschem Boden darf nie
wieder Krieg, von deutschem Boden muss Frieden
ausgehen“.
Erstmalig
nach 1945 beteiligte sich das größere Deutschland,
an dem völkerrechtswidrigen Krieg in
Jugoslawien. Die USA-Invasion im Irak wurde
logistisch unterstützt. Direkt beteiligt sie sich an
dem völkerrechtswidrigen Krieg in Afghanistan. Die
Außenpolitik ist durch 10
Auslandseinsätze der Bundeswehr weltweit an
militärischen Konflikten beteiligt. Es gibt mit dem Kampf
gegen den sogenannten Terrorismus immer mehr
Eingriffe in die Bürger- und
Menschenrechte. Das Grundgesetz wird ausgehöhlt.
Die Militarisierung im Inneren droht.
Nach dem
Weißbuch des Verteidigungsministeriums geht es im
Kern um die Beteiligung Deutschlands
an schnellen Eingreiftruppen der NATO und der EU,
für den weltweiten Einsatz. Also weg von
Landesverteidigung, hin zu Militärinterventionen.
Die Bundeskanzlerin hat sich in
der Außenpolitik den USA angedient, statt auf
Distanz zu gehen. Entgegen allen historischen
Lehren werden die Beziehungen zu Russland
gelockert und vernachlässigt und zu China
anhaltend belastet.
Rüstungsproduktion und Rüstungsexporte werden
enorm gesteigert - in den letzten 5 Jahren um 50 % und
Frankreich vom dritten Platz der Exporteure
verdrängt. Der Rüstungswahn hat, trotz aller
feierlicher Beschwörungen der Politiker nach Ende
des Kalten Krieges, das gleiche Niveau wie
zu dessen Zeit erreicht.
Fast die
Hälfte aller Rüstungsausgaben geben die USA aus;
4% dagegen China und Russland 3%. Viele
Staaten mit den USA an der Spitze modernisieren
ihre Massenvernichtungswaffen, und es
entwickeln noch mehr Menschen vernichtende Waffen.
Mit den heute vorhandenen
Massenvernichtungswaffen kann doch diese Welt
mehrmals zerstört werden.
Alles um
immer mehr Macht der USA und anderer imperialer
Mächte zur Ausbeutung der Völker und
der immer knapper werdenden Rohstoffe, zur
Beseitigung jeder Konkurrenz. Heute ist
das Eintreten der Bundesrepublik für das Beenden
des Rüstungswahns, das Verbot der
Herstellung neuer Massenvernichtungswaffen und die
Beseitigung der vorhandenen das Gebot der
Stunde. Dazu gehört der Abzug aller US-Atomwaffen
vom deutschen Boden. Ansehen, Einfluss und
Autorität Deutschlands sind für friedenserhaltende
Maßnahmen, für die
Konfliktprävention und -vermeidung, für die
Beseitigung der politischen und sozialen Wurzeln der
Terrorismus und nicht für Militäreinsätze rund um
den Globus gefordert; dafür, dass diese Welt
sicher wird. Davon ist deutsche Politik weit
entfernt. Das machte die Rede der
Bundeskanzlerin vor der UNO erneut deutlich.
Mit der
Eingliederung in die BRD war eine Rücksichtnahme
in der Sozialpolitik auf die Sozialleistungen der DDR
nicht mehr notwendig. Der Weg war frei für den
Abbau der Sozialleistungen unter der
perfiden Losung „Mehr Eigenverantwortung“. Bis
heute werden die Ostdeutschen als
Experimentierfeld benutzt für alle sozialen
Grausamkeiten, die als “Reformen“ verschleiert
zum Sozialabbau und in die Agenda 2010 mit den „Hartz-Gesetzen“
führten. Neben der
doppelt so hohen Massenarbeitslosigkeit, der immer
brutaleren Ausbeutung durch immer
längere Arbeitszeiten, höhere Arbeitsintensität,
kürzeren Urlaubsansprüchen und niedrigeren
Krankengeldzahlungen sind es die niedrigeren Löhne
der Ostdeutschen die zu immer mehr Armut
und Existenzgefährdung führen. Nach dem
DGB–Verteilungsbericht 2007 sind die
effektiven Nettolöhne im Osten im Durchschnitt um
22 % - in bestimmten Berufsgruppen bis zu 33% -
niedriger. Die Reallöhne sind in den letzten 10
Jahren gar nicht gestiegen, in den beiden
letzten Jahren sogar um 2,7 % gefallen.
Besonders
durch Hartz 4 wurden mit dem Fortfall der
Zumutbarkeitsgrenze und dem Zwang praktisch
jede Arbeit zu beliebig niedrigen Löhnen
anzunehmen, die Ausbeutungsverhältnisse, besonders im
Osten radikal verschärft. Die
Bundesregierung stellt - völlig abgehoben -
überschwänglich, und zynisch im diesjährigen
„Jahresbericht deutsche Einheit“ fest: „Die neuen
Bundesländer befinden sich wieder auf einem guten
wirtschaftlichen Entwicklungspfad.“ Ostdeutschland
hat sich zum Land der Chancen
entwickelt. Viele Menschen erfahren für ihre
Leistungen täglich Anerkennung und sehen für
sich gute Perspektiven, durch guten Lohn und
materielle Sicherheit ebenso wie durch die
Aussicht, die eigene soziale Lage zu verbessern
und sich in allen Lebensbereichen individuell
entfalten zu können“. Es wird eine Trendwende am
Arbeitsmarkt herbeigeredet und „eine
Angleichung an die materiellen und
gesellschaftlichen Verhältnisse in den alten Ländern.“
Sind deshalb
die über 3 Mio. Berufstätigen nach dem Westen
ausgewandert? Über 50 % der neuen von
der Regierung bejubelten neuen Arbeitsplätze sind
Leiharbeits-„Jobs“. Sie sind für die
Unternehmen billiger, können leichter „entsorgt“
werden und führen zur Vernichtung
sozialversicherter
Arbeitsplätze, zum Lohn- und Sozialdumping. Es
wächst die Forderung nach „Abschaffung
der modernen Sklavenarbeit“, auch „prekäre“
Arbeitsverhältnisse genannt.
Vom
DGB-Bundesvorstand werden diese als Entwicklung
charakterisiert, die inzwischen auch die
Mitte der Gesellschaft erfasst hat. In ihnen
herrschen Billig- und Niedrigstlöhne, labile
Anstellungen ohne Mitbestimmung, Leiharbeit,
Mini-Jobs oder der Zwang zur Schein-
Selbstständigkeit.
Zu
unterstützen sind die Forderungen nach einem
gesetzlichen Mindestlohn, der Zurückdrängung der
Leiharbeit auf ein Minimum und den Ausbau
öffentlicher Beschäftigungsverhältnisse. Wahr ist
nach 17 Jahren „Aufschwung“ auch, dass gerade
einmal zwei Drittel des DDR–Produktionsniveaus von 1989 erreicht wurden. Nach
wie vor stagniert das Pro-Kopf-Einkommen
bei 75 % und die Nettoeinkünfte der Haushalte
betragen etwa 77% des Westens.
Nur rund die
Hälfte des Einkommens kommt aus Lohn oder Gehalt.
Immer mehr wächst der Anteil aus
Arbeitslosengeld und Sozialhilfe, Renten,
Kindergeld. Ein Viertel kommt aus den
Transferzahlungen.
Bei den
Schwanengesängen der Bundesregierung ist in
Erinnerung an 1990/91 allergrößte Vorsicht
geboten. Der Öffentlichkeit soll suggeriert
werden, dass es im Osten, nach der verfehlten
wirtschaftlichen Einigung, keine wesentlichen
Probleme mehr gibt. Es sei keine besondere
Unterstützung mehr erforderlich. Proteste und
Kritiker sollen mundtot gemacht werden. Der Osten
soll weiterhin als Jungbrunnen für den Arbeitsmarkt des
Westens zur Verfügung stehen.
Ansonsten, die Zeit wird es schon richten. Es
fehlt nicht an Vorschlägen, welche Regionen denaturiert
werden sollen und wann es uns im Osten nicht mehr
gibt. Dagegen muss mit aller
Schärfe protestiert werden.
Zu
unterstützen sind die Forderungen alternativer
Ökonomen und Wirtschaftler nach einem völlig neuen
Denken in Sachen Ostförderung, nach einem
strategischen Konzept, in dem alles Bisherige
kritisch bewertet wird, Bundes-, Landes-,
Kommunal-, Wirtschafts-, Wissenschafts- , Regional-
und Sozialpolitik.
In vielen
Städten im Osten gibt es - Berlin an der Spitze -
einerseits sehr aufwendig sanierte Zentren,
andererseits Ruinen ehemaliger industrieller und
landwirtschaftlicher Großbetriebe, massenhaft
leerstehende Wohnungen, anhaltende
Massenarbeitslosigkeit, fortschreitende
Überalterung, Geburtenrückgang bei gleichzeitiger
Abwanderung von Berufstätigen besonders jungen
engagierten Frauen und eine völlig unzureichende
Wirtschaftskraft. Mancherorts kommen neue
Investruinen und Prestigeobjekte wie
Verwaltungspaläste für Banken, Arbeitsämter, Sparkassen
und Landräte hinzu.
Um neue
Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaftskraft
zu steigern sind weit mehr Investitionen durch Bund
und Länder und hohe steuerliche Anreize zur
Förderung der Ansiedlung neuer
industrieller Unternehmen mit Sitz im Osten
erforderlich. Es muss endlich Ernst gemacht werden mit
der Förderung mittelständischer Unternehmen - von
denen der größte Teil
Handwerksbetriebe sind. Nicht wenige haben
innovative Produkte und Weltneuheiten. Was fehlt ist
Kapital, Marktzugang und Leute, die die Produkte
in die Welt bringen.
Nach 17
Jahren ist noch keine Rentengerechtigkeit
hergestellt. Unter Verletzung des
Einigungsvertrages und des
Grundgesetzes wurden Rentenansprüche aus der DDR
gekürzt oder gestrichen,
gibt es repressive Grenzen für die
Einkommensanerkennung zur Rentenberechnung, gelten
weiterhin Strafrenten besonders für die
Mitarbeiter des Ministeriums für Staats-sicherheit,
trotz deren faktisch juristischer Rehabilitierung
- und auch für Angehörige von Justiz-,
Staats- und Parteiorganen.
In
Abertausenden von Gerichtsverfahren suchen
Ostdeutsche immer noch soziale Gerechtigkeit, Einhaltung
des Einigungsvertrages und der Menschen- und
Grundrechte. Die
Durchschnittsrenten liegen im Osten erheblich
unter denen im Westen. Die Legende von den
„reichen“ Ostrentnern“ und den „armen“
Westrentnern beruht schlichtweg auf
unvollständigen
Berechnungsunterlagen. Es fehlen die hohen Renten
von Lehrern, Ärzten, Rechtsanwälten, Ingenieuren
u. a., im Westen, die diese aus berufsständischen
Versorgungssystemen beziehen,
nicht aus der gesetzlichen Rentenkasse wie im
Osten. Nicht betrachtet werden im
Rentenvergleich Betriebsrenten, Erträge aus
privaten Vorsorgeverträgen, Mieten u.a. Alarmierend
weist die OECD in ihrem jüngsten Bericht „Renten
auf einen Blick“, auf die in Deutschland
- in einem der reichsten Länder - besonders im
Osten sich ausbreitende Altersarmut hin.
Alle
Forderungen nach „Eigenvorsorge“ verdecken, dass
den Rentnern und Beschäftigten immer mehr
abgenommen wird, damit Maximalprofite der Konzerne
gesichert werden. Der DGB weist
darauf hin, dass der Anteil des Volkseinkommens
seit 2000 von 72% auf 66% und die
Kaufkraft der Arbeiter und Angestellten um 3,7%
gefallen sind. Die Gewinne und Vermögenseinkommen aber wurden
auf 138% erhöht, die Dividendenausschüttungen auf
300%.
Es ist
zynisch, wenn die Bundeskanzlerin nach dem
Kabinettsausflug nach Meseberg verkündete, man sei
übereingekommen, jetzt alle an dem Aufschwung der
deutschen Wirtschaft zu beteiligen.
Drei Viertel fühlen sich nämlich von diesem
vergessen.
Wahrheit
ist, sinkende Kaufkraft durch Erhöhung der
Mehrwertsteuer, Mehrausgaben für die Gesundheit
bei ständig höherer Eigenbeteiligung, rapide
steigende Lebensmittel-, Verkehrs-, Wasser- und
Energiepreise, steigende Mieten, Streichung von
Subventionen und vieles mehr. Kaum eine
Woche vergeht ohne Ankündigung neuer
Preiserhöhungen und Abzügen von Lohn und Rente.
Nach der
Öffnung der Mauer gab es das Begrüßungsgeld. Es
folgte die Aufforderung Willy Brandts,
dass zusammenwachsen müsse, was zusammengehört.
Auch von einer Versöhnung war die
Rede.
Schon bald
ersetzte diese versöhnlich klingenden Losungen die
klassenkämpferische Forderung
- von Klaus
Kinkel vorgetragen -: „Es muss gelingen, das
SED-Regime zu delegitimieren“.
Zuerst an
die Justiz gerichtet, bald folgten Bundestag, die
Regierung, der ganze Tross der Medien. Hoch
bezahlte Wissenschaftler wie ein Herr Professor
Barring, durfte 1991 die Ostdeutschen als „verzwergt“
und deren Ausbildung als „verhunzt“ beschimpften.
Mit der
Eppelmannkommission des Bundestages wurde, nach
Wolfgang Harich, „die ideologische und
zeitgeschichtliche Grundlage für die Siegerjustiz“
geschaffen. Die psychologische
Kriegsführung des Kalten Krieges wird nunmehr
einseitig vom Westen mit noch größerer Arroganz,
Unverfrorenheit und Menschenverachtung
fortgesetzt. Neue Kampfbegriffe wie
menschenverachtendes SED-Regime, Unrechtsstaat,
zweite Diktatur, Stasifolter und Stasiterror,
Staatsdoping, „verordneter“ Antifaschismus,
Stalinismus, neuerdings auch Stasivereine u.v.a.
Die Hatz
begann auf alles, was im Osten den sozialistischen
Aufbau betrieben hatte und was an ihn
erinnerte. Denkmale und Gebäude - wie der Palast
der Republik - Straßennamen von
Antifaschisten wurden beseitigt. Kunstwerke
ostdeutscher Künstler, Gemälde, Plastiken, Filme, oft
international hoch gewürdigt, wurden beseitigt,
verschwanden in Kellern oder Dachböden. Sie durfte
es nicht gegeben haben. In Ausstellungen und
Museen muss die Darstellung der
geschichtsbestimmenden und revolutionären Rolle
der Arbeiter und Bauern und der
Arbeiterbewegung der Lobhudelei der in der
Feudalgesellschaft und dem Kapitalismus
Herrschenden weichen. Von
den gewaltigen Aufbauleistungen nach dem
faschistischen Krieg und danach darf
nichts dargestellt werden, oder sie werden der BRD
zu geschrieben, wie z.B. bei der Semper
Oper, dem Schauspielhaus in Berlin. Die DDR wird
als „unerwünschte Person“ behandelt.
Als
„staatsnah“ verteufelt wurden alle, die besonders
engagiert nach einer Alternative zum Kapitalismus
gesucht hatten. Oft genug haben sie ihr ganzes
Leben dem Aufbau einer gerechten Gesellschaft
ohne Ausbeutung verschrieben. Für diese
Andersdenkenden und –handelnden verhängte
das kapitalistische Deutschland – wohl wissend,
vorsätzlich und verfassungswidrig, Strafrenten.
Mit
Ermittlungsverfahren gegen 80 000 Betroffene wurde
die Kriminalisierung von Angehörigen der
bewaffneten Organe, der Justiz, von staatlichen
Organen und der Führung der Streitkräfte
betrieben. Später folgten Sportler und Ärzte.
Trotz zweifelhafter, auch international höchst
umstrittener Sondergesetze, konnten nur ganz
wenige Strafen verhängt werden. Die Absicht, die
DDR durchgängig zu kriminalisieren, war
fehlgeschlagen.
Der Beitritt
zum „Rechtsstaat“ BRD hat sich nach Prof. Buchholz
„für die überwiegende als ein
massenhafter Verlust von Rechten, eine gravierende
Verschlechterung ihrer
Rechtslage, und zwar abgesehen von den direkten
Benachteiligungen in Gestalt von
„Strafrenten“, der Entfernung vieler aus ihrer
bisherigen beruflichen Tätigkeit, beim
Austausch der Eliten - auch auf Veranlassung der
Gauck- bzw. Birthler-Behörde - der Wegnahme von
Häusern im Gefolge von Restitutionsverfahren,
zahlloser ungerechtfertigter
Strafverfolgungen und vieles andere mehr“
erwiesen.
Den
herausragenden Platz auch bei der Delegitimierung
der DDR hatten die Gauck/Birthler- Behörde und
die Hassprediger. Niemand leistet mehr zum „teile
und herrsche“, zur Trennung von Ost und
West, zur Verletzung und nachhaltiger Beschädigung
ostdeutscher Biographien.
Das jüngste
Beispiel dafür ist der angeblich endlich
aufgefundene „Schießbefehl“. Ich erinnere mich an die
Kabinettssitzung, in der der damalige
Verteidigungsminister Heinz Hoffmann den Entwurf
des Gesetzes zum Schutz der Staatsgrenzen der DDR
begründete. Er hob hervor, dass die
Regelungen zum Einsatz der Schusswaffen in der NVA
mit den Waffengebrauchs-bestimmungen in der BRD
übereinstimmen. Danach gab es in der DDR, wie es
auch von der BRD
behauptet wird, keinen Schießbefehl. Egon Krenz
ist deshalb uneingeschränkt zuzustimmen, alles gegen
das im Gesetz geregelte Handeln, verstieß gegen
die Gesetze der DDR.
Es ist
höchst gradig verwunderlich, dass eine Regierung,
die Anspruch darauf erhebt, die Interessen aller
Deutschen wahrzunehmen, Milliardensummen aus
Steuergeldern für Institute, Medien,
Filme, Konferenzen, Denkmale u.a. ausgibt, um
einer Mehrheit der Ostdeutschen ihre Würde
zu nehmen, sie zu diskriminieren, ihre
Verfassungs- und Menschenrechte zu beschneiden.
Berufend auf
den Anspruch der allein gültigen Deutungshoheit
ostdeutscher Geschichte - vergleichbar mit der
Hallstein Doktrin - erfolgt die Fortsetzung des
Kalten Krieges durch Geschichtsklitterung,
Verleumdungen, Fälschungen, Verdrehungen,
Versimplifizierungen der Geschichte,
die Ausschaltung ostdeutscher Historiker und
Zeitzeugen - soweit sie sich nicht in geforderter
Weise äußern. Aus gegebenen Anlass sei eingefügt,
Verleumdungen und Lügen werden nicht
zur Wahrheit, wenn man sie von renommierten
Schauspielerinnen und Schauspielern in Filmen
oder Talkshows vortragen lässt. Sie vertiefen umso
mehr den Bruch Ost-West.
Zu alle dem
gehören auch die Ablehnung der Zusammenarbeit und
sachliche Diskussionen mit
ostdeutschen Historikern und Zeitzeugen und
schließlich die Teilung in Täter - Erbauer des
Sozialismus - und Opfer - Gegner des Sozialismus -
zu den antikommunistischen
„Arbeitsmethoden“. Geschürt werden heute
Gegensätze zwischen Eltern und ihren Kindern.
Verleumdet
werden die Organisationen und Persönlichkeiten,
die die Interessen Ostdeutscher, ihre
politischen und sozialen Rechte gemäß dem
Grundgesetz und den Menschenrechten vertreten.
Die
Bundeskanzlerin wird heute nicht müde selektiv in
Russland und China - nicht in USA -Menschenrechtsverletzungen anzumahnen. In
Ostdeutschland aber übersieht und duldet sie die
fortschreitende Verarmung und Verletzung sozialer
und politischer Menschenrechte und lässt eine
tiefe innere nationale Spaltung zu, was sehr wohl
international wahrgenommen wird.
Bereits 1998
forderte der Ausschuss für wirtschaftliche soziale
und kulturelle Rechte der UNO von der
Bundesregierung „ Prozess der Integration zwischen
Ost- und
Westdeutschland auf allen Ebenen mit dem Ziel zu
beschleunigen, die zwischen ihnen noch bestehende
Kluft zu reduzieren.“. Geschehen ist das
Gegenteil.
Aus den
dargelegten Entwicklungsrichtungen der 17 Jahre
zeigt sich die ständige Verletzung der
Grundgesetz- und Menschenrechte durch die ständige
Diskriminierung von Ostdeutschen und die
Verletzung ihrer Menschenwürde, ihre
demokratiefeindliche Ausschaltung von allen
Entscheidungen über ihre Existenzfragen, die
soziale und juristische Ungleichbehandlung, die Enteignung
und Entrechtung. Unbestritten ist, dass es hier
auch Reiche gibt und solche, die im Westen
angekommen sind.
Zum 17.
Jahrestag haben aber drei Viertel der Ostdeutschen
in Meinungsumfragen festgestellt, dass sie
sich nicht als gleichrangig sondern als
zweitklassig behandelt betrachten. Wir
vertreten ihre Interessen, die der politisch,
juristisch Verfolgten und sozial Benachteiligten, die der
Rentner, Arbeitslosen, Existenzgefährdeten und
Armen, wir haben unseren scharfen Protest und
unsere Forderungen in dem Resolutionsentwurf
zusammengetragen. Ihn wird Prof.
Siegfried Mechler anschließend vortragen.
Unter
anhaltendem Druck wächst Zivilcourage unter
Journalisten, Historikern, Politikern, Juristen,
Schriftstellern, Schauspielern und Künstlern,
Zeitzeugen und anderen. Zugang zu den Medien
ist ihnen, trotz Meinungsfreiheit, grundsätzlich
verwehrt. In
Zeitschriften, Büchern, Artikel und auf
Konferenzen suchen sie überzeugend und anhand von
Dokumenten die Geschichte so darzustellen, wie sie
war. Natürlich auch mit den Defiziten.
Sie weisen
die Lügen über die DDR zurück und verteidigen ihre
Würde und ihr Lebenswerk.Dazu gehören
viele Arbeiten über die Geschichte von
gesellschaftlichen Organisationen,
Wirtschaftsbereichen und persönlichen Lebenswegen.
Notwendig werden Arbeiten zur neueren
Geschichte der Eingliederung in die BRD und zum
„Alltag Ostdeutscher in der BRD“.
Unverzichtbar besonders für alle Linkskräfte, sind
die ökonomischen Analysen von politischen Ökonomen und
Historikern zur ökonomischen, wirtschaftlichen,
sozialen und ökologischen Entwicklung
des bisherigen Sozialismus in der DDR und die
Schlussfolgerungen für den des 21
Jahrhunderts. Ohne diese muss gesellschaftliche
Theorie für einen Sozialismus der Zukunft
substanzlos und ein blutloses Konstrukt bleiben.
Immer mehr
Ostdeutsche stellen fest, dass das medial über die
DDR-Geschichte Gebotene nicht das
ist, was sie gelebt, erarbeitet und womit sie sich
identifiziert haben oder heute in vielem noch
identifizieren. Ist letztlich dies der Grund
wütender Hetze, die Furcht vor dem Erinnern,
vor einem neuen Sozialismus?
Ist der
Glaube an die Zukunft des Kapitalismus, an seine
Fähigkeit die bisher größten Herausforderungen der
Menschheit in diesem Jahrhundert - als da sind
Erschöpfung lebensentscheidender Rohstoffe
aus der Natur, ökologischer Katastrophen,
besonders durch den Klimawandel, neue
Weltwirtschaftsordnung, die die Gleichberechtigung
aller Staaten und ihre solidarische
Zusammenarbeit gewährleisten und endlich die
Verbannung jedes Krieges und jedes
Weltvorherrschaftsanspruches aus den Leben der
Völker, zu lösen in Zweifel geraten? Der sich
ausbreitende Skeptizismus spricht dafür.
Es wird der
Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und
Kapitalismus vorbehalten sein den Nachweis
zu erbringen, wer die besseren Lösungen für die
Existenz und Fortentwicklung der
menschlichen Gesellschaft hat, der aus den
Erfahrungen, Fehlern und der Niederlage eines frühen
realen Sozialismus in Europa und den Erkenntnissen
der Entwicklung in Asien, Süd- und
Mittelamerika gereiften Sozialismus oder der immer
labiler und unberechenbarer werdende globale
Kapitalismus.
Eins ist
sicher, der Kapitalismus ist nicht das Ende der
Geschichte. Wenn nicht Barbarei, Kriege,
ökologischer Katastrophen oder die
Selbstzerstörung das Ende der Menschheit sein sollen, muss
der Sozialismus siegen.
Dr. Hans Reichelt