Angela Merkel bekommt dieser Tage
Post von Gregor Gysi. Der Fraktionschef der LINKEN
im Bundestag will der Kanzlerin bei der Suche nach
„noch zu klärenden Fragen“ helfen, die für die
Ostdeutschen aus dem Einigungsprozess resultieren.
Merkel, deren Regierung sich nach Einschätzung
Gysis bislang „nicht mit einer einzigen
Entscheidung für den Osten“ hervorgetan hat, hatte
sich mit dem Auflistungsauftrag an die
Abgeordneten ihrer eigenen Fraktion gewandt. Nun
also bekommt sie unerwartet Hilfe von den LINKEN.
Im Brief an die Kanzlerin stecken exakt 17 Anträge
zur Überwindung der immer noch existierenden
Ungerechtigkeiten, die bis zu drei der insgesamt
sieben Millionen Rentner im Osten betreffen. Deren
parlamentarische Behandlung stellt die
Linksfraktion allerdings bis Januar zurück – um
Merkel und den Ihren genügend Zeit zur Prüfung
einzuräumen.
Gysi konstatierte, dass durch
rentenrechtliche Lücken mangels bundesdeutscher
Entsprechung für DDR-typische Sachverhalte, durch
nicht überführte Ansprüche aus zusätzlichen
Versorgungssystemen der DDR sowie durch
willkürliche Eingriffe in die Rentenformel zwecks
Nutzung des Rentenrechts als Strafrecht nicht nur
gelebtes Leben aberkannt werde, sondern auch
schwierige soziale Situationen entstanden seien.
„17 Jahre nach der Einheit ist die Politik
gefordert, schnellstens Korrekturen vorzunehmen,
erklärte er.
Die Anträge der LINKEN listen
Betroffene akribisch auf: Beschäftigte im
Gesundheits- und Sozialwesen, Geschiedene,
Pflegende, Tänzer, Bergleute, Reichsbahner, Land-
und Forstwirte, Handwerker und mithelfende
Familienangehörige, Aspiranten, ins Ausland
mitreisende Ehepartner, Versicherte mit
freiwilligen Beiträgen, Angehörige von Zusatz- und
Sonderversorgungen, Professoren des Neuen Rechts
sowie Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und
Angehörige von NVA, Zoll und Polizei, die nach
1990 ihre Tätigkeit fortsetzen konnten. Für alle
will die LINKE mehr Gerechtigkeit. Nur nicht für
den Staatssekretär im Politbüro der SED, der im
geltenden Gesetzestext ausdrücklich Erwähnung
findet.
„Der ist uns egal“, gab Gysi zu
Protokoll. „Das Amt gab es nämlich gar nicht.“
Vermutlich dürfte das selbst die Kanzlerin wissen.
Ob sie sich mit all den anderen beschäftigt, wird
der Januar zeigen.