GBM - Wortmeldung

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Wortmeldung
zum 20. Jahr der größer gewordenen Bundesrepublik


Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, lass uns dir zum Guten dienen, Deutschland einig Vaterland War das nicht der Ruf der aus der Emigration und den Konzentrationslagern zurückgekehrten Antifaschisten, der illegalen Kämpfer, der Kriegshinterbliebenen, der Opfer, aber auch der zur Besinnung gekommenen Mitläufer?
»Deutschland über alles« – inzwischen Albtraum der Geschichte. »Lass uns dir zum Guten dienen « dagegen ein Versprechen, Deutschland zu einen und zu bessern. Als das in der DDR zur staatlichen Hymne wurde, war der Traum schon brüchig geworden zwischen Restauration im Westen und Bruch mit Krieg und Faschismus im Osten, zwischen Fütterung der alten Eliten dort und Mangel an allem hier, zwischen zwei Währungen, zwei Systemen, zwei Blöcken, zwei
Staaten, zwei Idealen, zwei Entwürfen für die Zukunft.

Wer sich für die DDR engagierte, tat dies in der Überzeugung, dem Guten in Deutschland zu dienen, hat der jungen Republik viel von seiner Lebenskraft gegeben. Bausteine dieser Politik waren Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher, Bodenreform und Neulehrer, Arbeiter- und Bauernfakultäten, Volkseigentum, freie Gewerkschaften, gleiche Rechte für jung und alt, für Frauen und Männer. Die DDR brach das Bildungsprivileg. Von der Vorschuleinrichtung bis zum Abschluss der allgemeinen Schulbildung für die Kinder aller sozialen Schichten gemeinsamer Unterricht, Erwerb von Wissen und sozialer Kompetenz. Der Staat schuf Bildungseinrichtungen aller Stufen, förderte die Wissenschaften, subventionierte Theater und andere Kultureinrichtungen. Er steckte Geld in Arbeitsplätze statt in Arbeitslosigkeit. Die DDR duldete keinen Neofaschismus und keinen Fremdenhass. Die Jugend ging nach der Ausbildung zur Arbeit und nicht zum Arbeitsamt. Die DDR ließ keine Brücken in Jugoslawien oder Tanklastzüge in Afghanistan bombardieren. Sie führte nie einen Krieg. So lange sie existierte, ging von ganz Deutschland kein Krieg aus. Diese Friedensperiode wirkte über ein halbes Jahrhundert bis zum Jahr1999. Niemand kann uns, die an diesen Umwälzungen bewusst mitgewirkt haben, den Stolz darauf nehmen.

Ostalgie, als Modewort genutzt, soll heute Erinnerung und Besinnung auf die Werte der DDR denunzieren. Die DDR ist in der Zeit des kalten Krieges, imKampf der Systeme zerbrochen. Der Traum vom sich entwickelnden Sozialismus zerschellte auch an zu geringer Arbeitsproduktivität, an unterentwickelter Demokratie und den beschränkten Möglichkeiten zur Selbstbehauptung des
Einzelnen in der Gesellschaft. Die Wirklichkeit entfernte sich vom Ideal mehr, als viele Bürger hinnehmen wollten. Vertrauensverlust verhinderte die Prüfung der Alternative »Für unser Land«. Unsere Mitschuld an dieser Niederlage haben wir zu tragen. Die DDR starb in den Werbesendungen von Politik und Medien aus dem Westen. Gorbatschows Politik gab ihr zusätzlich den Todesstoß. Mit der Einverleibung der DDR glitt Helmut Kohl vor20 Jahren auf den Einheitsthron; die DDR allerdings nicht in die von ihm versprochenen blühenden Landschaften. Dafür sorgten in erster Linie die durch die Treuhand umgesetzten Profitinteressendes Kapitals, durch Deindustrialisierung der Wirtschaft, Vernichtung großer Teile der Landwirtschaft und Abwicklung von wissenschaftlichen Institutionen, Forschern und Gelehrten. Seit die DDR als soziales Korrektiv ausfiel, steigt die soziale
Kälte in der Bundesrepublik. Unbehelligt von staatlicher Politik reißen globalisierte Ausbeutung und skrupellose Finanzspekulation, Kriegs- und Umweltschäden und die daraus resultierenden Staatsschulden die heutige vor und künftige Generationen in den Abgrund. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer unerträglicher. Klientelparteien veruntreuen die Kassen des Gemeinwohls. Aber der Widerstand wächst. Soziales Interesse aus fast allen Spektren der Gesellschaft drängt die bürgerlichen Parteien zur Diskussion über die gröbsten Auswüchse ihrer Politik. Würden diese nur so energisch geführt wie die Entwertung von DDR- Biografien samt der pauschalen Hatz gegen Mitarbeiter von Sicherheitsorganen der DDR, mit denen Dampf aus der eigenen Problemküche umgeleitet wird. Bundeskanzlerin Merkel verkündete am 9. November 2009, man könne keinen Schlussstrich unter die DDR Geschichte setzen. Nichts dürfe vergessen werden. Dem stimmen wir ausdrücklich zu. Aber: Denunziation und Dämonisierung der DDR sind keine Aufarbeitung ihrer Geschichte. Sie verdecken vielmehr die zukunftsrelevanten Lehren der Nachkriegsentwicklung beider deutscher Staaten. Sie sollen vergessen machen, dass der kalte Krieg auch in der alten Bundesrepublik seine Opfer forderte. Wir haben das Verbot der KPD und anderer demokratischer Organisationen sowie die berufliche Ausgrenzung ihrer Mitglieder nicht vergessen. Es ist an der Zeit, die Lebensleistung von DDR- und Altbundesbürgern in gleicher Weise zu respektieren. Das heißt auch: gleicher
Lohn für gleiche Arbeit, Rentenangleichung zwischen Ost und West, Abschaffung aller Strafrenten, Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen. Im Jahre 20 einer größer gewordenen Bundesrepublik sind die Blicke nüchterner geworden. Die DDR taugt nicht als Aschenputtel deutscher Geschichte. Ihre Werte sind lebendiger als ihr Zerrbild vorgibt. Umbesinnung auf ihre tatsächliche geschichtliche Bewertung wäre ein Weg zur gelebten Einheit. Und der Zukunft zugewandt.

Repräsentanten der DDR:
R.Berthold Botsch a.D. Dr.K.Blessing Staatssek., F.Bochow Botsch.a.D., Prof. Dr.habil. E.Buchholz Dekan HUB, H.Bühl Sekretär FDGB, J.Chemnitzer 1.Sekr. BL. SED, Prof.Dr. Diekmann Rektor Parteihochschule SED, H.Eichler Sekr. Staatsrat, G.Erbach Staatssek., M.Flegel, Stell.-Vors. Min. Rat. Stellv.Vors NDPD., Prof. Fischer Präs. Hauptvorst. CDU, O.Fischer Außenminister, Roswitha Garling Meisterin VEB Fernsehelektronik Der Generalstaatsanwalt: H. Bauer, KH.Bösel, K-H Borchert, E.Gierke, Dr.H.Harrland, Dr.H.-J.-Joseph, G.Seidel, Prof.Dr.M.Gerlach Vors. Staatsrat Vors. LDPD, W.Grossmann Stellv.- Min, W. Heilemann PräsidiumVolksk., L. Helmschrott Mitgl. Staatsrat. Dr. H.-J.Heusinger Stellv.Vors.Min.Rat, Dr. F. Hilbert Stellv. Min. Prof.H.Hörz Vizepräs. Akad.der Wissensch. Prof. Dr. Helga Hörz UNO-Komm.»Status der Frau«, W.Herzig, ehem. OB Magdeburg, Prof. Dr.sc. Joseph HUB, H. Kessler Armeegeneral a.D. Verteid.Min. K. Köste, Olympiasieger Turnen, Prof. Dr. Kolditz, W. Konschel Botschaft.a.D. Prof. Dr.sc.med. H. Kreibich Präs. Gesellsch. für Hygiene, H.Langer Botschaft. a.D., Dr.W. Leupold Staatssekr., S. Lorenz Mitgl. PB SED, Dr. G.-Maleuda Volkskammerpräs. Vors.DBD, W. Mäder Hauptvorst. CDU, Prof.Dr. med. Moritz Mebel, Prof.Dr. Sonja Mebel, Dr. H.Modrow Ministerpräsident Ehrenvorsitzend. PDS, H. Nestler Handelsrat, Prof. Dr. Putensen Nordeuropawissenschaftler, Dr.H. Reichelt Stellv.Vors. Min.Rat, Prof. Röder Vize. Präs.DTSB,W.Rudelt Senatsvors. Arbeitsrecht O. Gericht ,Dr.G.Sarge Präs.Oberstes Gericht, Prof. Dr. G Schirmer Stellv. Min., G-A. Schur mehrfacher Weltmeister Straßenradsp.u.Friedensfahrtssieger, Dr.W. Schwanitz Ltr.Amt Nat. Sicherheit, H. Semmelmann Abtl. ZK SED, F. Streletz Gen.Oberst a.D. Stelv.-Min., Dr. H. Watzek Min.i.Reg.Modrow, Prof.Dr. Weckwerth Regisseur, Dr. H. Weitz Stellv.Vors. Min. Rat, D.Winderlich Chefinsp. a.D.Chef DVP, R. Wötzel, 1.Sekr. BL SED

Mit der Wortmeldung solidarisieren sich und unterstützen sie:
Prof. Dr. E. Bienert Hochschullehrer, Gerd Buddin, Dipl. Lehrer, Gesellschaft zur Rechtlichen u .Humanitären Unterstützung (GRH) e.V., M.Hegner, Rechtsanwalt, Dr. Gisela Hering, Hochschullehrerin, Eleonore Heyer, H. Hörnig, H Jäkel Lehrer, Dr. H.Kaiser, Staatsanwalt, K.Kalauch, Dr. Kate Leiterer, HUB Dr.W. Löffler, Anneliese Kimmel, D. Lemke, Prof. Dr. E.Lieberam, Elke Lieberam, Prof.Dr. S Mechler Präsident Ostdeutsches Kuratorium von Verbänden, E. Postler, Sekr. BL SED, Prof. Dr. Prokop Historiker, Dr. Anita Rausch OMR, Dr. E. Reddig Hochschullehrer, E.Rehling, Prof.Dr. sc.W. Richter Friedensforscher, Renate Richter Schauspielerin, E. Richter Sprecher Freundeskreis Sportsenioren, W. Rudelt, Prof. Dr. Schneider, Sprecher VFDG, A. Schütz- Schulz, Solidaritätskomitee f.d.Opfer der polit.Verfolgung in Deutschland, Gisela Steineckert, Dr.K. Steiniger Redakteur, Prof. Dr.G.Tietze, Prof. I.Wagner, Heidi Zeidler Agraringenieurin und viele weitere.  
 
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