GBM e.V.

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Antikommunismus ist Demokratieverlust

Heidrun Hegewald

Was betreibt die Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde zu dem, was wir alle wissen?

Sie pflegt die Kultur des Gedächtnisses – das Gedächtnis der Kultur

Die ihr Zugehörigen versuchen die spezifischen Teile der Authentizität des gesellschaftlichen Ganzen der 40-jährigen Geschichte und Nachgeschichte der DDR sowie ihrer Kaltkriegsteilnehmer mit dem Anstand geklärter Wahrheit verfügbar zu halten.
Es wird erinnert. Es wird sich gewehrt. Es kommt zur Sprache.
Es kommt zur Sprache, was sprachlos machen könnte. Verleumdungen und Unterstellungen wieder besseres Wissen schließen in politischer Absicht den Dialog aus.
Ich bewundere unsere Aufständigkeit der immer wieder versuchten Mitteilung. Der Bitte um Anhörung.

Die kritisch aus der Erfahrung gehobene kommunistische Utopie – das humanistische Gegengewissen zur Verderbtheit des global ausufernden
ölig-kriegerischen Kapitalismus besetzt das Denken.

Wer sich dem Kapitalismus kritisch zuwendet, kann sich schwerlich von sozialisti­schen Mustern abwenden. Sozialen Mustern. Dabei macht sich die GBM schuldig.

Die Themen sind länderübergreifend, den Menschenrechtspreis vergeben, Menschenrechte, Bürgerrechte – Menschen-WÜRDE. Gepriesene beweisen, laudabel hervorgehoben, daß es humanistische friedfertige Leistungen sind, die im Trotz alledem stehen.

Wir sind ein Gegenprogramm.

Und das ehrt uns.

"Menschlichkeit" ist eine "Filteranlage*", um die Realität zu entgiften.

Das Thema MfS sollte stets damit eingeleitet werden, daß das Bundesverfassungsgericht 1995 verlautbarte:
"Die Angehörigen der Geheimdienste der DDR hatten wie alle Geheimdienste aller Staaten der Welt – eine nach dem Recht ihres Staates erlaubte und sogar von ihm verlangte Tätigkeit ausgeübt."

Ich verweise auf den Artikel „Lehrstücke der Meinungsmanipulation“ von Dr. Friedrich Wolff im "ICARUS" 2/2008.

Das ist ein Beispiel dafür, wie auch hierbei der mögliche Ernst dieser Wissenschaftstagung im dänischen Odense – einer Aufklärung über „Aufklärung“ nur zu lächer­licher Kolportage in den Medien zu verkommen hatte.

Unsere Podien wurden und werden geschleift. Die Denkmale vom Sockel geschliffen.

Wir sollen weg. Und mit uns unser Anspruch auf das Podium für Humanhygiene – Recht auf die Verteidigung gelebter Geschichte – gegen das Versenken störender Tatsachen in archäologische Tiefen.

Warum die GBM? Darum!

Man halte sich vor Augen, um die Rechts-Links-Balance ins Spiel zu bringen, wie nachsichtig die Diktatoren dieses deutschen Staates der faschistischen Auferstehung gegenüberstehen.

Das ist verwandtes Wurzelwerk, den Kapitalismus nicht gefährdend.

Vielleicht ist hier der viel gepriesene Pluralismus die demokratisch aussehende Ausrede.

Die NPD ist legitimiert – mandatsabhängig regierungsfähig – sie darf ihre Entwicklung machen, um Gedankengut zu ideologisieren, das es nach Auschwitz nicht mehr geben dürfte und damit auch nicht die NPD.

Das Verbot dieser Partei ist eine moralisch-humanistische Pflichttat, erinnernd die deutschen Verbrechen faschistischer Prägung. Dafür gibt es kein Verjähren. Dafür gibt ein kein Verzeihen. Kein Vergessen!

Ein zeitloses Gebot ist: Dem Anfang zu wehren.
Aber von Anfang kann schon lange nicht mehr die Rede sein.
Die soziale Austreibung – die Landflucht der Menschen im Osten Deutschlands schaffen sozial sinnentleerten Freiraum für die willkommenen Retter und Versprecher. Mit Trotz und Enttäuschung entstehen Wählerstimmen für die NPD. Auch Hitler hat aus der tiefsten Krise Deutschlands seinerzeit den explosiven Aufschwung in sein teuflisches Konzept erhalten. Die NPD verbieten, ist der Schritt, mit dem der erste nicht erledigt werden kann:

Sozialer Ausgleich im Sinne von Gerechtigkeit. Das Menschenrecht auf Arbeit muß sicher sein.
Damit sinnerfülltes Leben erst möglich wird. Kultur gelebt und geleistet werden kann. Demokratie ist kein Deklarationstext politischer Gazetten, sondern ein spürbares, zu erlebendes und zu benutzendes gesellschaftliches Programm.

Eine Regierung, die zu feig ist, wie im Falle der NPD, das Verbot auszusprechen, hat sich desavouiert.
Und bekennend bekannt!
Demokratie ist als Alibi für diesen Fall untauglich.

Aber:
Die Gesinnungs-Hatz geht nach links.
Das verweist auf eine schwächelnde Politik, die das große Ausspionieren braucht. Wir sind unserer Erinnerung verpflichtet.

Wir müssen uns gemeinem Mietrecht beugen. Mit politischem Zuschlag. Und wir müssen uns fragen – wo lässt man uns fernerhin geistig siedeln?

Mut und Beharren brauchen wir für die kurze Zeit, die uns bleibt, um Zeichen zu setzen. Ich lese ein Stück aus meinem unlängst geschriebenen Text zur Zerstörung der deutschen Sprache – auch der ostdeutschen:

Erinnern. Erinnertes bedenken ist das kostbare Gut für Selbstbehauptung.

Denken. Denken ist das Schweben einer Ahnung, die Halt auf Wörtern sucht. Diese Wörter haben eine Herkunft. Und diese Herkunft braucht die Erinnerungen zu ihrer Beweiskraft.

Nun werden in diesem versäumten deutschen Einigungsprozeß als Ersatzhandlung die Erinnerungen von siebzehn Millionen Menschen ausgepeitscht. Unter Bann gestellt. Als Nostalgie exorziert. Unter politisch dienstbarem verlogenen Sperrfeuer. Als immerwährender tätlicher Sieg der Sieger. Ich denke, je stärker Erinnerungen der Unglaubwürdigkeit bezichtigt werden, desto häufiger sucht der sich Erinnernde sie auf. Er festigt sie. Und das sicherlich nicht ohne Gefahr.

Neurowissenschaftler sagen, daß Erinnerungen Erinnerungen von Erinnerungen sind. Gespeichert, rufe ich sie immer wieder ab. Und sie festigen sich zu einem neuronalen Netzwerk. Anzunehmen ist, daß ich, abrufend, festigend, der Festplatte der Erinnerung meine betrachtenden Informationen hinzufüge. Erinnerungen sind verdichtet. Gestreckt oder gekürzt. Literarisches Material. Oder aber: Für historische Überlieferungen Präzisionsarbeit des Gedächtnisses. Mit Angewiesenheit aufs Dokumentarische.

Das Denken ist der stete Fluß darüber, sich aus der Tiefe nährend. Die Denkbereitschaft, auf ein Ziel gerichtet, ist eine Stimmgabel, die dem Dunkel des gespeicherten Reichtums Töne entreißt. Denkgetextete Bilder. Denkfluß, der nicht inne hält, vermeintlich erst im Tode. Auf Denken sich einlassen – es steht uns nicht so frei. Denken ist ein perpetuum mobile . Aber Gedanken inspirieren verheißt die Lust des Denkens! Dort, im erinnert Gedachten, ist auch die Wiege des Aufbruchs – des Widerstands.

Heidrun Hegewald, 1. Juli 2008



* George Bernhard Shaw, 1920

 
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