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Gegen Entstellungen von DDR-Geschichte
Der
Bundesvorstand der Gesellschaft zum Schutz von
Bürgerrecht und Menschenwürde (GBM) e.V.
verabschiedete folgende vom Berliner Alternativen
Geschichtsforum ausgearbeitete Erklärung:
Dass die untergegangene
DDR verunglimpft, ihre Geschichte verunstaltet oder
totgeschwiegen wird, sind wir seit langem gewohnt;
ebenso lange kämpfen wir mit unserem Bemühen, ein
wahrheitsgetreues Bild der DDR-Vergangenheit zu
vermitteln, dagegen an. Doch was wir in jüngster Zeit
an Versuchen, die DDR-Entwicklung zu verfälschen,
beobachten mussten, stellt alles Frühere in den
Schatten: Kaum ein Verbrechen gegen die
Menschlichkeit, das dem realen Sozialismus im Osten
Deutschlands nicht angehängt wird. Neue Höhepunkte in
diesem Bestreben mussten wir zum 17. Jahrestag der
Herstellung der staatlichen Einheit erleben.
Warum
verstärken die in der BRD herrschenden Kreise, ihre
Geschichtsschreiber, ihre Medienmacher ihre
Anstrengungen, die DDR im nachhinein zu verleumden?
Wir meinen: Die zunehmenden Angriffe auf alles, was
links ist, drücken eine tiefe Systemkrise der
bürgerlichen Gesellschaft aus, sind Zeichen für die
Hilf- und Ausweglosigkeit der politischen Klasse.
· Die
Besitzenden und Mächtigen wollen den Sozialismus als
mögliche Alternative zu den derzeitigen
Gesellschaftsverhältnissen aus dem Bewußtsein der
Menschen und vor allem der Jugend verdrängen, damit er
nicht noch einmal Macht auf deutschem Boden gewinnt.
· Mit
der „Delegitimation“ der DDR soll begründet werden,
warum ihre Funktionsträger diskriminiert und
ausgegrenzt, strafrechtlich verfolgt, renten- und
versorgungsrechtlich benachteiligt wurden und werden,
während alles, was gegen die DDR unternommen wurde,
für rechtens erklärt wird.
· Weil
der Versuch, mit der DDR juristisch abzurechnen, im
wesentlichen gescheitert ist, werden die Anstrengungen
verdoppelt, sie politisch-moralisch zu diskreditieren.
· Indem
die DDR diffamiert wird, soll gerechtfertigt werden,
dass von ihrem Gesellschaftsgefüge seit der
staatlichen Vereinigung kein Stein auf dem anderen
geblieben ist und die altbundesdeutschen Verhältnisse
im „Beitrittsgebiet“ absolut dominieren - eine
Kolonisierung, die wachsenden Unmut der Ostdeutschen
hervorruft.
· Die
behauptete 40jährige „sozialistische Misswirtschaft“
in der DDR soll erklären, warum 17 Jahre nach
Anschluss der DDR von den verheißenen „blühenden
Landschaften“ im Osten Deutschlands allenfalls Inseln
zu sehen sind.
· Vom
zunehmenden Demokratie- und Sozialabbau in der BRD,
gegen den sich ungezählte Bürgerinnen und Bürger
wehren, soll abgelenkt werden, indem die Lügen über
den Sozialismus in der DDR umso dicker aufgetragen
werden.
· Wesenszüge
des Imperialismus, die in jüngster Zeit wieder
deutlicher hervortreten – seine Aggressivität, seine
Inhumanität, also seine Unvereinbarkeit mit
wesentlichen Menschenrechten -, sollen verdeckt
werden, indem der Sozialismus in der DDR als ein
System von Unterdrückung, Folter und Mord hingestellt
wird.
DDR-Geschichte sollte nicht in erster Linie von ihrem
Ende her erklärt werden. Sie adäquat zu erfassen
erfordert, ihre Vorgeschichte und ihren mehr als
vierzigjährigen Verlauf als Ganzes in den Blick zu
nehmen. Mit dem Aufbau der DDR, die in der
antifaschistisch-demokratischen Neuordnung wurzelt,
wurde verwirklicht, was 1945 gelobt wurde: „Nie wieder
Faschismus und Krieg!“ Dazu steht die braune
Vergangenheit der BRD in eklatantem Gegensatz.
Wahrheitswidrig ist es, der DDR ihren
antifaschistischen Charakter abzusprechen, und
besonders infam, sie im Zuge des
„Diktaturenvergleichs“ auf eine Stufe mit dem
Naziregime zu stellen. Jede Relativierung des
Faschismus bedeutet, seine Verbrechen gegen Frieden
und Menschlichkeit zu verharmlosen, und schafft
Freiräume für die Verbreitung neonazistischen
Gedankenguts.
DDR-Geschichte lässt sich nicht aus den nationalen und
internationalen Zusammenhängen herauslösen, in die sie
unlöslich eingebettet war, nämlich der
Auseinandersetzung zwischen Kapitalismus und
Sozialismus – nicht nur deutschland-, sondern europa-,
ja weltweit.
Wir wollen
an der DDR-Vergangenheit nichts beschönigen. Wir sind
dafür, Geschichte so darzustellen, wie sie verlaufen
ist. Das aber verträgt sich nicht mit Absichten, den
kalten Krieg mit anderen Mitteln fortzusetzen. Nur aus
einer vorurteilsfrei betrachteten und ausgewogen
beurteilten Vergangenheit lassen sich die nötigen
Lehren für Gegenwart und Zukunft ziehen. In solchem
Sinne tritt die Gesellschaft zum Schutz von
Bürgerrecht und Menschenwürde für geschichtliche
Wahrheit ein.
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