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Auferstanden in den Filmstudios

In Film gegossene politische Träume

Es gibt Tage, die möchte mancher am liebsten aus dem Kalender streichen. Solch ein Tag ist in der Bundesrepublik Deutschland der 8. Mai. 1945 mußte die deutsche Wehrmacht an diesem Tag vor dem Erzfeind, der Roten Armee, die Waffen strecken. Die Schmach sollte noch in letzter Minute durch eine Teilkapitulation vor den westlichen Alliierten vermieden werden, letztlich mußten die Wehrmachtsgeneräle doch noch in Karlshorst bei Marschall Schukow antanzen.

All die unterjochten Völker, Zwangsarbeiter, politischen Häftlinge, Verschleppten, Insassen der Todeslager und zum Kriegsdienst gepreßten Soldaten erinnern sich gern an diesen Frühlingstag, der ihnen die Freiheit brachte. Für die Befehlshaber in der Wehrmacht und SS, ihre angedienten Vasallen und Kriegsprofiteure ist dies ein Tag der Schande, den man vergessen machen will. Für dieses Ziel lieferte einer der genialen Kriegspropagandisten die Werkzeuge. Da werden die Bedeutung von Tagen ihrer Siege wie der „Mauerfall“ oder die „deutsche Einheit“ gegenüber dieser Niederlage aufgeblasen, es werden Verfehlungen einzelner Soldaten zu Kriegsverbrechen der Sieger deklariert über die hektoliterweise Krokodilstränen vergossen werden, und es wird kilometerweise Film belichtet, der in möglichst lebensecht wirkenden Bildern die Geschichte so darstellt, wie man sie sich gewünscht hätte. Da stürmen die Russen als Finsterlinge heran, daß dem Zuschauer das Blut in den Adern gefriert. Frauen werden zum Anbeißen süß in schmucke SS-Uniformen gesteckt, Hitler ist ein bedauernswert gebrochener Mann, in der Berliner Trümmerlandschaft agiert die Generalität im glänzenden Wichs ohne daß nur ein Staubkorn die Heldenpose stört. Da gibt es Geld, und da hagelt es Preise. Solch ein „Meisterwerk“ ist der Film der „Untergang“, über andere Werke berichtet Hans Rentmeister im Innenteil.

Mit solchen Deutungen soll nicht allein der Tag der vernichtenden Niederlage übertüncht werden. Es geht darum, die um einen soliden Geschichtsunterricht gebrachte Jugend auf den nächsten Waffengang vorzubereiten. Diesmal stehen neben französischen, spanischen, italienischen und rumänischen Divisionen, neben ukrainischen, polnischen und kroatischen Faschisten die USA und Großbritannien als Großmächte bereit. Aber mit China ist auch das gegnerische Lager gewaltig gewachsen. Das sollten die hiesigen Kriegstreiber bedenken. Der 8. Mai bietet dazu einen guten Anlaß.

FW

Die Geschichte läßt sich nicht betrügen

Systematische Geschichtsfälschung zum 76. Jahrestag der Befreiung - ein Leserbrief an Arte

Es ist Wahljahr. Jede Stimme wird für den Machterhalt gebraucht. Doch das störrische Volk der Ostdeutschen vergißt nicht, so wie es erwünscht ist. Im Gegenteil: Erkenntnisse, Erfahrungen und Wissen aus der DDR und die Art und Weise, wie sie ‚Wessis’ wurden, drängen sich immer stärker in das öffentliche Bewußtsein. Ein Thema, das sie vom gehirngewaschenen Bürger der ehemaligen BRD unterscheidet, ist die Geschichte des Faschismus und wie sich die Bürger in beiden deutschen Staaten mit ihr auseinadersetzen. Vor diesem Hintergrund erweist sich so mancher gegen Rechte gerichtete Spruch von Politikern als propagandistische Phrase. Die Meinungsvielfalt und -freiheit in den Leitmedien ‚tobt‘ sich variantenreich in einer nun teilweise differenzierten Geschichtsdarstellung aus, ohne in der Substanz Änderungen vorzunehmen. Selbst die Wortwahl wird oftmals vorgeschrieben. Wörter wie „Faschismus“ und „Antifaschismus“ haben beispielsweise in der offiziellen Sprachregelung keinen Platz mehr. Historiker dürfen seit kurzer Zeit Teilaspekte der Nazikontinuität in der BRD wissenschaftlich aufarbeiten. Was wann aufgearbeitet werden bzw. mediale Aufmerksamkeit finden soll, wird nicht durch die Instruktion einer zentralen Stelle, sondern zuerst durch Geld gesteuert. Aktuell gilt für die Darstellung der Nazikontinuität in der BRD die Bedingung, daß man nach der Maxime Rot gleich Braun Gleiches der DDR unterstellen muß. Die Erfüllung dieser Bedingung ist für die Verkünder der neuen Erkenntnisse der Nachweis dafür, daß sie nicht auf der falschen Seite der Geschichtsdarstellung stehen. Was auf diesem Gebiet derzeit geschieht, ist bisweilen sehr fein gesponnen. Selbst ein solch seriöser Sender wie der deutsch-französische Kanal „Arte“ wirkt daran mit.

Am 5. Januar dieses Jahres sendete er den Beitrag „Geschehen, neu gesehen. – ‚Wahre Geschichte‘ Entnazifizierung. Eine Geschichte vom Scheitern.“ Autor ist ein Franzose. Damit kommt auch die speziell westeuropäische Sicht auf die Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit, die Perspektive der Befreier, Täter und Opfer mit ins Spiel. Ich habe mich dazu hinreißen lassen, zu diesem Beitrag einen Leserbrief zu schreiben. Antwort habe ich bislang nicht bekommen. Sein Text lautet:

 

Um es vorweg zu nehmen. Ich bin im II. Weltkrieg geboren, habe als kleines Kind noch etwas von dessen Grauen in Erinnerung. Meine Familie: Vater, Mutter, Großmutter, Onkel und Tanten waren Widerstandskämpfer. Auf dem Familienkonto stehen mehr als 50 Jahre Konzentrationslager, Zuchthäuser und Gefängnis; Internierung in Frankreich; Kampf für die Spanische Republik; Kampf im Nationalkomitee Freies Deutschland; Exil. Zwei meiner Onkel wurden von den Franzosen an die Gestapo ausgeliefert und eine Tante von den Holländern. In Oberhausen liegen neun Stolpersteine für unsere Familie. Ich beanspruche das Privileg, nicht im Zuge einer deutschen Kollektivschuld mit den faschistischen Verbrechern in einen Topf geworfen zu werden. Die politische Entwicklung in Deutschland speziell in Berlin (Ost wie West) habe ich bewußt miterlebt. Ich bin ein Augenzeuge dieser Zeit. Ich weiß großteils aus eigenem Erleben, wovon ich nachfolgend schreibe.

Das Vorhaben, Geschichte neu zu sehen, ist ein berechtigter Anspruch jeder Generation. Aus der Erkenntnis gesellschaftlicher Bewegung werden Folgerungen für die Umgestaltung der Gesellschaft gezogen. So ist Geschichtsbetrachtung immer an gesellschaftliche Interessen gebunden. Eine reine Aufreihung von Geschehnissen ist keine Geschichtsbetrachtung. Ich habe das selbst vielfach erlebt. Beispielsweise als ich als Gast auf mehreren Zusammenkünften in Frankreich mit Teilnehmern am Widerstandskampf gegen die Faschisten (französischen wie deutschen) war. Da wurde der eigene Anteil Frankreichs am Ende des Hitlerregimes unproportional betont. Für mich ist das erklärbar und in Ordnung. Doch spiegelte das mitunter neben dem Patriotismus auch die ideologisch geprägte Geschichtsverfälschung in bezug auf den II. Weltkrieg wider. Bildhaft sichtbar wurde das zum Beispiel auf dem Soldatenfriedhof für die US-amerikanischen Soldaten in der Normandie. An der Hauswand wurde großflächig die 2. Front bis zur Elbe dargestellt. Auf der anderen Seite der Elbe markierte ein dünner roter Strich die Position der Roten Armee. Da hätte nur noch ein Panjewagen mit Pferd gefehlt. Der optische Eindruck verfälscht total den tatsächlichen Verlauf des II. Weltkrieges. Die Macht der deutschen Wehrmacht wurde von der Roten Armee vor allem in der Schlacht um Stalingrad gebrochen. Sie erzwang Wende im Krieg. Frankreich und England konzentrierten ihre militärischen Potentiale auf die Verteidigung ihrer Kolonien und wollten die Sowjetunion ausbluten lassen. Die USA hielt sich zunächst völlig aus dem Geschehen raus. Für sie war der II. Weltkrieg letztendlich ein großes Konjunkturprogramm. Die USA hatten sowohl auf ihrem Hauptkriegsschauplatz im Pazifik zuzüglich ihrer europäischen Schlachtfelder 407 316 Tote. Zum Vergleich: Gegenwärtig haben die USA mit 500 000 Verstorbenen mehr Coronatote. Zugespitzt formuliert: Die 2. Front wurde erst eröffnet, als England, USA und Frankreich Sorge hatten, daß die Rote Armee bis nach Paris durchmarschiert.

Wenn diese Tendenz der Geschichtsschreibung anhält, graut es mir vor dem Zeitpunkt, an dem „Historiker“ Adolf Hitler in eine Reihe mit den „großen“ Feldherren Alexander den Großen, Cäsar, Dschingis Khan, diverse Kaiser und Könige und US-Präsidenten stellen. Diese waren schließlich zu ihrer Zeit in der Wahl ihrer Mittel nicht weniger skrupellos und grausam wie die deutschen Faschisten. Erinnert sei nur an die Kolonialpolitik feudaler und moderner kapitalistischer Staaten. Dies soll erwähnt werden, weil Menschenrechtsverletzungen allein dem Kommunismus zugeordnet werden, nicht jedoch der kolonialen Unterdrückung ganz zu schweigen von der militärischen Brutalität beider Weltkriege. Mich befremdet sehr, daß in einer systematischen und konzertierten Aktion die jüngere Geschichte in Europa auf die hegemoniale Sicht der die Weltherrschaft beanspruchenden USA umgeschrieben werden soll. Stellt sich die Frage, ist diese Fernsehserie „Geschichte -neu gesehen“ ein kleiner Schritt in diesem Trend?

 

Zunächst finde ich es lobenswert, daß sich der Film „Geschehen, neu gesehen. – ‚Wahre Geschichte‘ Entnazifizierung. Eine Geschichte vom Scheitern“ mit dem modifizierten Fortleben des Nazismus im Nachkriegsdeutschland auseinandersetzt. Das ist angesichts jüngster politischer Entwicklungen in Deutschland aber auch in anderen europäischen Staaten, wo eine Renaissance faschistischen Denkens und Handelns droht, besonders wichtig. Es werden viele Fakten aufgelistet, die dem weniger interessierten Zuschauer nicht oder kaum bekannt sind. Dazu erhebt sich die Frage: Ist daran gedacht, ähnliches auch über die besetzten Länder in West- und Nordeuropa zu machen? Schließlich hatten die Nazis dort zumeist in der ersten Phase der Besatzung eine sehr große Anhänger- und Unterstützerschar. Wie ist denn dort die Entnazifizierung gelaufen?

Doch leider ordnen sich wesentliche Passagen des Films in die antikommunistische Propaganda ein. Dabei dürfte es dem Autor bestimmt nicht bewußt sein und er es nicht gewollt haben, daß er teilweise die gleiche Ideologie wie die Faschisten vertritt.

Wenn man mit Sachkunde argumentieren will, so muß man das Original nehmen. Im Konkreten das, was die Faschisten nach eigenem Verständnis wollten, und nicht unsere interessengesteuerte mehr oder minder wohlfeile Interpretation. Nur dann kommt man zu richtigen Erkenntnissen und Schlußfolgerungen. Die Faschisten in Europa (Italien, Deutschland, Frankreich) hatten einen politischen Hauptfeind: Das war der „Bolschewismus“, „Kommunismus“ oder auch „Marxismus“, was häufig noch mit „jüdisch“ attributiert wurde. Die Faschisten verstanden darunter nicht nur Kommunisten. Für sie gehörten dazu auch Sozialdemokraten, Gewerkschafter und andere Demokraten. In Deutschland wurden ab 1933 zunächst diejenigen verfolgt und ermordet, die die Nazis dieser Gruppe zuordneten. Dem folgten im Alltagsleben Repressionen gegen Juden, die allmählich verstärkt aber noch nicht lebensbedrohend waren. Rücksichtslos verfolgt, erschlagen, in das neu geschaffene KZ-System eingesperrt wurden die „Bolschewisten“. Diese Verfolgung zog sich durch die ganze Nazizeit. Der letzte Aufruf der Nazis im Mai 1945 galt dem bedingungslosen Kampf gegen die „Bolschewisten“. So versuchten sie, Soldaten und Zivilbevölkerung beispielsweise zum Kampf um Berlin bis zum 8. 5. 1945 zu motivieren.

Der zweite politische Gegner der Faschisten waren sogenannte Rassefremde. Das waren an erster Stelle die Juden aber auch Zigeuner, Slawen, Neger usw. Dieser Rassismus war besonders unter den deutschen Faschisten ausgeprägt. Nach fünf Jahren Herrschaft begannen sie die in der Geschichte einmalige industrielle Vernichtung von Juden sowie Sinti und Roma mit insgesamt acht Millionen Opfern. Im Krieg gegen die Sowjetunion synthetisierten sich diese beiden Hauptkampfziele. Deshalb gab es dort auch die größte Zahl der durch die Nazis ermordeten Menschen, über 20 Millionen Tote. Gleichrangig galt für die deutschen Besatzungskräfte an der Ostfront der Befehl, die kommunistischen Kommissare und Juden sofort zu ‚liquidieren‘. Dieser rassistische Antikommunismus wurde nach 1945 in den Westzonen und der späteren BRD nicht beendet, sondern im Rahmen des von Churchill in Fulton verkündeten Kalten Krieges nahtlos fortgesetzt. Erst 1948 nach der Gründung Israels begann eine Korrektur hinsichtlich des Antisemitismus. Diese antikommunistische Komponente taucht in Ihrer Sendung wiederholt auf. Daraus ergeben sich bedenkliche Parallelen.

Warum haben Sie beispielsweise den Schwur der Häftlinge des KZ Buchenwald nicht zu einem zentralen Inhalt bei dem Thema Entnazifizierung gemacht? Mit dem Attribut ‚kommunistisch‘ versuchen Sie, diesem ein ‚Geschmäckle‘ zu geben. Das ist falsch. Bei der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald haben kommunistische Häftlinge aus vielen Ländern sicher eine bedeutende Rolle gespielt, aber es war keine kommunistische Veranstaltung. In der aktuellen Propaganda wird auch hier systematisch die historische Wahrheit verschoben. Zum alleinigen Helden sollen die US-amerikanischen Truppen gemacht werden, die Buchenwald als erste erreicht hatten.

Ein weiterer historischer Fakt wird von Ihnen in dem Beitrag umgedeutet: Die Internierung von Gegnern der sowjetischen Besatzungsmacht nach 1945 war keine kommunistische Willkür. Alle vier Besatzungsmächte gingen mit der Härte und den Moralnormen des Krieges (es war nur Waffenstillstand und kein Kriegsende) gegen jeden vor, der ihre Macht in Frage stellen wollte. Rechtsstaatliche Verfahren in einem Krieg? Welcher Demagoge macht das zum Maßstab? Das ist ahistorisch. Rechtsstaatliche Normen werden im Krieg nur marginal angewandt. Erst im Übergang vom Krieg zum normalen Leben erfolgt wieder die Umwandlung von Kriegsrecht und Kollektivschuld in Rechtsstaatlichkeit. Das war und ist so in allen Kriegen. Damals wie heute. Ich empfehle Ihnen, das Buch von James Bacque „Der geplante Tod – Deutsche Kriegsgefangene in amerikanischen und französischen Lagern 1945 -1946“ zu lesen. Der Unterschied war allerdings damals, daß die Nazis versucht hatten, mit den Westmächten einen Separatfrieden abzuschließen, während der Kampf gegen die „Bolschewisten“ auch nach der Niederlage weitergeführt werden sollte. Wenn die USA den verbrecherischen Wehrmachtsgeheimdienst der Nazis an der Ostfront als „Organisation Gehlen“ (heute BND) in ihre Dienste nahmen, wenn die SPD mit geheimdienstlichen Methoden (Ostbüro) gegen die sowjetische Besatzungsmacht zum Widerstand aufrief, dann verwundert es nicht, daß die Sowjets und später die DDR entsprechend reagierten. Es wurde an den alten Nazigeist, den Kampf gegen die Bolschewisten, angeknüpft, der unmittelbar nach dem Krieg noch in den Köpfen war. Sie sollten gegen die Besatzungsmacht Sowjetunion mobilisiert werden, ihre Macht erschüttern. Logisch, wenn auch nicht schön, daß die Sowjets zeigten, wer Herr im Hause, Sieger und Verlierer war.

Weiterhin ist in Ihrem Beitrag falsch: Unmittelbar nach 1945 ging es historisch nachgewiesenermaßen weder der Sowjetunion noch den deutschen Kommunisten darum, einen sozialistischen Staat in Deutschland zu errichten. Das Ziel war, eine antifaschistische demokratische Ordnung in ganz Deutschland aufzubauen. Der Sinneswandel vollzog sich erst Jahre nach der Teilung Deutschlands, als sich zwei unterschiedliche Staaten entwickelt hatten, die gesellschafts- und machtpolitisch in zwei sich feindlich gegenüberstehenden Blöcken verankert waren.

 

Ferner ist in Ihrem Beitrag die Ursache für die Luftbrücke nach Westberlin falsch dargestellt. Die Luftbrücke hatte eine Kausalität, die sie einfach weglassen. Jeder, der in der Geschichte eine Stunde „Null“ setzt, der macht sich verdächtig, daß er fälschen will. Erst recht, wenn es am falschen Zeitpunkt ist. Bereits 1946 war in den USA im Geheimen eine neue Währung für Deutschland gedruckt worden. 1948 wurde diese Währung entgegen den alliierten Vereinbarungen innerhalb einer Woche in den drei westlichen Besatzungszonen eingeführt. Wie der Euro Europa einen sollte, so war diese Währung die faktische Spaltung Deutschlands durch die USA, England und Frankreich, intensiv unterstützt von Adenauer und dem SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher. Die Sowjetunion verlangte die Einhaltung der Vereinbarungen mit den alliierten Partnern von Potsdam und Jalta. Sie beinhalteten, daß Deutschland als Ganzes erhalten bleiben soll. Als die USA, Großbritannien und Frankreich nicht auf diese Forderung eingingen, wollte die Sowjetunion ihre Vertragspartner dazu zwingen. Das Mittel dazu sollte die Blockade von Westberlin sein. Sie hat ihr Ziel, die Einheit Deutschlands zu erhalten, nicht erreicht. Mit einer enormen währungs- und militärisch-logistischen Aktion haben die Westmächte Deutschland gespalten. Was danach kam, erst Gründung der BRD dann Gründung der DDR, war nur die politische Weiterentwicklung dieser Spaltung. Und Sie sprechen in Ihrem Film propagandistisch von den „bösen Russen, die Westberlin beanspruchten“.

Völlig unklar ist mir, was Sie am Ende der Sendung mit Entnazifizierung meinen. Medienrummel? Um das in Ihrem Sinne zu realisieren, fehlte aber eine entscheidende Voraussetzung: Die Aktenbestände der deutschen Faschisten waren bis 1994 bei den USA im „Berlin Document Center“ unter Verschluß und wurden fast ausschließlich für die politischen Zwecke der USA genutzt.

Rache? Ist für Sie die Bestrafung von Nazis das Maß der Dinge? In dem Fall wären Sie nicht so weit von der Denkweise der Nazis selbst entfernt. Wen wollen Sie betrafen, wenn über 99 Prozent der Deutschen (aber auch sehr große Teile der Franzosen, Holländer, Engländer, Ungarn) sich in den Dienst der Nazis gestellt haben? Die letzten Verteidiger der Reichskanzlei im Mai 1945 waren französische und ukrainische SS-Leute. Was wollen Sie in der Spanne von perversem Massenmord bis zur Duldung dieses Regimes bestrafen?

Heißt Entnazifizierung Entschuldung  oder muß man den Geist des Faschismus in den Köpfen besiegen? Bei Letzterem brauchte man in Deutschland einen Neuanfang mit neuen Eliten.

Nach 1945 wurden im Sinne der damals getroffenen Vereinbarungen zwischen den USA, der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich in der sowjetisch besetzten Zone (SBZ), später der DDR, konsequent Nazieliten aus ihren Funktionen entfernt. Es wurde eine neue antifaschistische Elite entwickelt. Das war äußerst kompliziert. Als ich meinem Vater, Widerstandskämpfer und Häftling unter anderem in den KZ Esterwegen und Sachsenhausen vorhielt, daß in der DDR noch da und dort ein Nazi wäre, sagte er mit traurigem Blick: „Junge, was sollen wir tun? Wir Widerstandskämpfer sind doch nur noch so wenige. Mit wem sollen wir die DDR denn aufbauen? Wichtig ist es, die großen Verbrecher zu bestrafen“. Antifaschismus wurde zur Staatsdoktrin. Was ist daran falsch? Heute wird das als „verordneter Antifaschismus“ diskreditiert. Faschismus wurde in der DDR juristisch als Staatsverbrechen betrachtet. Die Aufdeckung und Verfolgung dieser Straftaten war eine der wichtigsten Aufgaben des Ministeriums für Staatssicherheit. Es ist das, wofür in der BRD Staats- und Verfassungsschutz zuständig sein sollten. Die Zugehörigkeit zu faschistischen Organisationen war bis zum Ende der DDR ein Prüfstein für Personalentscheidungen. Es war eine Standardabfrage in dem für jedermann gültigen Personalfragebogen in der Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst. In den Westzonen und der BRD blieben die Nazieliten bis auf wenige Ausnahmen ungeschoren. Sie prägten in allen gesellschaftlichen Bereichen die Kultur der BRD mit. Nach 1990 haben die Nachfahren dieser BRD-Eliten die antifaschistischen Eliten in der DDR, von Wirtschaft, Wissenschaft über Sport und Kultur bis hin zum öffentlichen Dienst unbarmherzig auf die Straße gesetzt. Sie nahmen deren Platz ein. Um das moralisch zu legitimieren, wird unter anderem der Antifaschismus in der DDR in Frage gestellt. Es wird das Haar in der Suppe gesucht und zum alleinigen Thema gemacht. Da man die unbewältigte Vergangenheit der BRD objektiv nicht verleugnen kann, will man zumindest sagen: „Die DDR war auch nicht besser“. Die bruchstückhafte Offenlegung der Nazivergangenheit der letzten Jahre in bundesdeutscher Justiz, Auswärtigem Amt, Bundesnachrichtendienst  läßt erahnen, wie tief und breit Faschismus Teil der BRD ist. Wie wäre es mit der Gründung einer Stiftung zur Aufarbeitung der Nazivergangenheit in der BRD?

Faschismus gab es nur in Ländern die kapitalistisch verfaßt waren. Das ist logisch. Sozialistische Länder hätten, wenn sie faschistisch hätten werden wollen, entsprechend der faschistischen Ideologie sich selber zum Feind erklären müssen. Allein dieser Fakt führt Ihre Seitenhiebe auf die DDR im Film ad absurdum.

Ebenfalls nach den Gesetzen der Logik heißt das aber nicht, daß Kapitalismus zwangsläufig zum Faschismus führen muß. Sowohl bürgerlich demokratische Werte als auch widerstreitende kapitalistische Systeminteressen (z. B. freier Markt für Waren und Arbeitskräfte) wirken dem entgegen. Es ist also immer das aktuelle Wirken der Kräfte bestimmend, wohin die Reise geht. Leider gibt es in dieser Hinsicht verheerende Fehlinterpretationen, die letztendlich nur den Nazis nutzen. Jeder Linke sollte Antifaschist sein, aber nicht jederAntifaschist ist links.

Hans Rentmeister

Zwei historische Tage des Gedenkens und der Mahnung

Eine Erklärung der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde

Auch an ihren 75sten Jahrestag fordern der 8. Mai 1945 –Tag der Befreiung – und der 9. Mai 1945 - Tag des Sieges - in ihrer historischen Bedeutung die Bürger der BRD und der anderen europäischen Länder zum Gedenken und Nachdenken heraus. Erst der mit ungeheuren Opfern errungene Sieg der Sowjetunion und ihrer Verbündeten in der Antihitlerkoalition machte den Tag der Befreiung möglich. Mit ihm wurde von Deutschland und Europa der Absturz in die Barbarei abgewendet und gleichzeitig Chancen für eine neue von Frieden und Humanismus bestimmte Entwicklung eröffnet.

Die Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde sieht deshalb in diesen beiden Tagen – und darüber hinaus – Gedenken und Mahnung eng verbunden. Sie hat von Anfang an dies zur Grundlage ihres politischen Wirkens gemacht und in diesem Sinne auch die Politik der Bundesregierungen kritisch hinterfragt und öffentlich beurteilt. In der Bundesrepublik hat es vierzig Jahre gedauert, bis offiziell der 8. Mai als ein Tag der Befreiung anerkannt wurde, vierzig Jahre - in denen im Kalten Krieg Antikommunismus und Antisowjetismus zu neuer Blüte kamen. Sie sind die Grundlagen für das Bemühen, die Leistungen der UdSSR bei der Niederringung der faschistischen Bestie zu marginalisieren, zu diskreditieren. Entsprechend halbherzig sind heute noch die offiziellen politischen Aktivitäten zu diesem Anlass. Es widerspricht auch den historischen Tatsachen, wenn von Medien und Politik vermittelt wird, dass die Befreiung Europas vom Faschismus erst mit der Landung der westalliierten Streitkräfte in der Normandie begonnen hätte. Der Anteil der westalliierten Streitkräfte am Sieg über das Naziregime ist unbestritten – es bleibt aber eine Tatsache, dass die Rote Armee die Hauptlast des Krieges gegen die geballte Macht der Naziwehrmacht getragen hat.

Die Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde stellt fest, dass heute in der BRD und in anderen Ländern Europas das Gedenken durch Verfälschung historischer Fakten, der Verbreitung von rechtem und nationalistischem Gedankengut und von Erscheinungen des Antisemitismus überschattet wird.

Das vom deutschen Imperialismus etablierte Naziregime hat in seinen Plänen zur Eroberung der Welt absichtsvoll mit einem Vernichtungskrieg den Hauptstoß gegen das erste sozialistische Land in der Welt - die Sowjetunion – geführt. Alle Versuche der Sowjetunion mit den Westmächten eine Allianz gegen Nazideutschland zu bilden, wurden damals torpediert. In der später im Krieg zustande gekommenen Antihitlerkoalition haben die Westmächte die Eröffnung der zweiten Front – begründet oder aus politischem Kalkül - bis aufs Äußerste verzögert. So hat die Sowjetunion am Ende die Hauptlast dieses mörderischen Krieges getragen, hat 28 Millionen Menschenleben zu beklagen sowie riesige Verwüstungen erlitten. Diese Opfer dürfen nicht vergessen werden.

Die Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde unterstreicht an diesen Gedenktagen erneut ihren Protest gegen Aufrüstung und Militarisierung in der BRD und in der EU sowie gegen den Waffenhandel von Konzernen der BRD und den Einsatz der Bundeswehr im Ausland. Die wiederholten Verstöße gegen die Prinzipien der UNO, die 1945 angesichts der Schrecken des 2. Weltkrieges von 51 Staaten gegründet wurde, werden entschieden verurteilt. Angesichts der Gedenktage zu dem vor 75. Jahren beendeten Kriege erhebt sich erneut die Frage, welche moralische und historische Existenzberechtigung die NATO, in der die BRD nach den USA die entscheidende Rolle spielt, überhaupt noch hat. Ihre aggressive Haltung gegen Russland, das schließlich in der sowjetischen Völkergemeinschaft für den Sieg die größten Opfer gebracht hat, wurde mit dem Großmanöver „Defender“ erneut demonstriert. Ein Anachronismus der Geschichte, der allseitigen Protest hervorruft! Aus historischer Verantwortung wären für die BRD heute Ehrerbietung und das Bemühen um Interessenausgleich durch tätige Kooperation in Politik und Wirtschaft angesagt an Stelle von politischen und ökonomischen Sanktionen, die eine Form imperialistischer Erpressung darstellen.

Abschließend stellt die Gesellschaft zum Schutz von  für Bürgerrecht und Menschenwürde fest: In der Deutschen Demokratischen Republik, deren Leben und Wirken - auch nach 30 Jahren des erzwungenen Anschlusses an die BRD - immer wieder für antikommunistische Propaganda missbraucht werden, hatte die Wahrnehmung und Gestaltung dieser historischen Gedenktage einen hohen Stellenwert, der bestimmt war von Würde und Respekt aber auch von Dankbarkeit gegenüber denen, die als Befreier nach Deutschland kamen und später als Berater zur Seite standen, um zu helfen die Chancen für die Gestaltung eines neuen Lebens zu nutzen.

 

 

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