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Kultur

Ein Drama der Flucht

Deutsche Oper ist wieder geöffnet

Kaum ein Politikfeld ist heute derart von Heuchelei geprägt wie das der Flüchtlingsströme. Tausende werden dem Tod im Mittelmeer preisgegeben, in Konzentrationslager gesteckt, die jetzt vornehm „Hotspots“ heißen, oder Folterknechten, Erpressern, Kinderschändern und Vergewaltigern in die Arme getrieben.

Das macht die gesamte Politikergilde der „Europäischen Union“ mit, wenngleich sich die deutsche Bundeskanzlerin, sonst mit einem sicheren politischen Instinkt für die Gewinnerseite ausgestattet, kurzzeitig vergaloppiert hatte. Da waren wohl ihre DDR-Erfahrungen durchgeschlagen, als der Westen noch Millionen Flüchtlinge mit offenen Armen begrüßt hatte und sie ohne viel Federlesens als politische Flüchtlinge anerkannte. Das ist heute ganz anders. Heute sind Asylsuchende faulenzende „Wirtschaftsflüchtlinge“, die es sich im arbeitsamen Westen bequem machen und dazu noch Moscheen bauen wollen anstatt Kreuze anzubeten.

Das bietet Stoff für große Opern, wovon eine am Freitag, 4. September 2020, in der Deutschen Oper in der Bismarckstraße 35 uraufgeführt wurde: „Baby Doll“ der Pariser Autorin Marie-Eve Signeyrole. Als Oper läßt sich diese Produktion kaum bezeichnen: Die Deutsche Oper weist sie als „ein interdisziplinäres Konzertprojekt“ aus. Drei Tänzer, heute heißen sie „Performer“, erzählen die Geschichte einer Flucht und Ankunft in der EU. Sie erzählen in beeindruckenden Tanzbildern, was sich hinter den nüchternen Berichten von gekenterten Booten, Notanlandungen und der Zurückweisung von Asylanträgen in jedem einzelnen Fall für erschütternde Einzelschicksale verbergen. Die emotionale Wirkung der Inszenierung ist ebenso der Musik Beethovens, der Performance liegt die 7. Sinfonie Beethovens zugrunde, geschuldet wie auch der kontrastiert eigesetzen Klezmer-Musik von Yom, der die erstickten Schreie der Opfer hörbar werden läßt. Vor Beginn dieser Tanzhandlung liegen vor dem Orchester, das auf der Bühne statt im Orchestergraben musiziert, Schuhe, die zusammengefegt und in den Müll geworfen werden. Dies ist ein eindringliches Bild, das an die Schuhe von Auschwitz erinnert, wo sich hinter jedem Paar das Schicksal eines ermordeten Menschen verbirgt.

Von Haus aus ist die Autorin Filmregisseurin. Das ist dieser Inszenierung auch anzumerken, zu der auch eine mitwirkende Filmerin gehört, die in der Vorstellung Bilder für die Videowand produziert. Für Interessenten ist dies lehrreich, weil die Entstehung einzelner Filmeffekte ablesbar ist. Die Kameraführung wird zum Bestandteil der Erzählung, wenn sie zum Beispiel denn Wellengang des Bootes erzeugt.

Diese Inszenierung ist die erste Aufführung im Opernhaus nach der coronabedingten Schließung der Theater. Leider unterliegt der Besucherzugang weiterhin Einschränkungen. Bislang steht die Inszenierung nur bis zum Montag, 7. September, auf dem Spielplan, wofür auch nur 20 Prozent der Plätze angeboten werden. Die Inszenierung ist aber im Repertoire für die Spielzeit 2020/21 verankert.

Andererseits hat Berlin es Corona zu verdanken, daß die Uraufführung hier stattfindet. Ursprünglich war sie für Metz vorgesehen. Doch just am Tag der vorgesehen Premiere wurden in Frankreich alle Theater geschlossen.

Marie-Eve Signeyrole arbeitete neben ihren Filmproduktionen an mehreren französischen Opernhäusern, in Zürich und in Hannover. Ihre Inszenierung von „La damnation des Faust“ wurde für den deutschen Theaterpreis nominiert. 2021 wird sie Giacomo Puccinis „Turandot“ an der Semperoper in Dresden inszenieren.

Karten ab 56 Euro können im Internet unter https://deutscheoperberlin.eventim-inhouse.de/ vorbestellt werden.

Frank Wecker

Britische Anarchisten im spanischen Bürgerkrieg

Das Kuratorium der Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg hat die britische Broschüre „Zwei Streitschriften vom spanischen Bürgerkrieg“ in deutscher Übersetzung herausgegeben. Darin geben der Redakteur des „Daily Worker“ JR Campbell und der Kommandeur des britischen Bataillons der Internationalen Brigaden Bill Alexander Einblicke in die politischen Kontroversen des spanischen Bürgerkrieges von 1936 – 1939. In der Einleitung beschäftigt sich Tom Sibley mit dem späteren britischen Erfolgsautor George Orwell, der auf republikanischer Seite kämpfte. Während des „Kalten Krieges“ denunzierte nebst einer Reihe von Schriftstellern auch die Schauspieler Michael Redgrave und Charlie Chaplin bei der Geheimpolizei als kommunistische Sympathisanten.

Die Broschüre ist gegen eine Spende über die E-Mailadresse pamphletsget@gmx.de erhältlich.

Max Lingner, 17. November 1888 Leipzig bis 14. März 1959 Berlin (DDR)

Curt Querner, 7. April 1904, Börnchen bis 10. März 1976, Kreischa

 

 

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