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Kunst auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz

Alexandra Liese war zum dritten Mal dabei

Die Rosa-Luxemburg-Konferenz zeichnet eine enge Verbindung zwischen politischer Bewegung und Kunst aus. Werke der Musik, Theater und der bildenden Kunst, für die stets herausragende Akteure gewonnen werden, stehen dabei keineswegs im Schatten der politischen Debatte, sondern beflügeln die Konferenz. Alexandra Liese gehörte nun schon zum dritten Mal zu den auserwählten Künstlern, die ihre Arbeiten in der Galerie der „Gruppe Tendenzen“ präsentieren dürfen.

Den ihre Arbeiten charakterisierenden Effekt erzielt sie dadurch, daß sich ihre Bilder aus einzelnen Farbpunkten zusammensetzen. Die Technik nennt sie „Dot Painting“. Sie ließ sich dazu weder vom Ponitillismus aus der Spätphase des Impressionismus inspirieren noch von dem Pixelaufbau der heutigen digitalen Bilder, sondern von der Kunst der australischen Ureinwohner - den Aborigines. Entsprechend herrschen auf ihren Bildern die irdenen Brauntöne vor, die den ganzen Kontinent zu prägen scheinen. Diese Erdtöne verstärken ihre mit Blattgold auf Leinwand aufgebrachten Motive.

Anfang des Jahrtausends hatte sie den Kontinent von Darwin bis Melbourne bereist. Überall in den Städten und Dörfern traf sie auf die Kunst der Aborigines, doch den Ureinwohnern selbst ist sie nicht begegnet. Diese Kunstsprache, die außergewöhnliche Pflanzen- und Tierwelt Australiens vom Schnabeltier über Wombat und Koala bis zu den Kanguruhs hat sie derart fasziniert, daß dieses Erlebnis bis heute Quelle ihrer Inspiration geblieben ist. Ihre Methode des „Dot Painting“ prägt sowohl ihre figürlichen Arbeiten mit Blattgold auf Leinwand, die damit eine ungewöhnliche Dynamik erhalten, zumindest in partiellen Partien ihre Porträts, wovon der Madonnentopos und die Kinderbildnisse besonders eindringlich gelungen sind. Faszinierend sind ihre Ornamente, insbesondere wenn australische Tiere in sie eingearbeitet sind. Bisweilen erwecken sie den Eindruck von frühgeschichtlichen Höhlenzeichnungen mal auch von fossilen Funden, obwohl das Dargestellte sehr gegenwärtig ist. Ergänzt um ihr Erzähltalent fließt das alles in ihren Kinderbüchern zusammen, wovon die beiden Bände „Leos Traumreise“ besonders empfehlenswert sind. Ein deutscher Junge entdeckt darin gemeinsam mit seinem von den Aboriginis stammenden Freund auf abenteuerliche Weise Australien. Da nun aber die Autorin zwei Kinder hat, nimmt im Band zwei der deutsche Junge seinen Bruder mit nach Australien, wo sie sich mit aboriginen Zwillingsschwestern anfreunden.

Auf der Internetseite von Alexandra Liese (https://www.atelierliese.com/) sind auch frühere Arbeiten zu sehen, bevor sie die Punktmalerei für sich entdeckte: Aktzeichnungen, Porträts, Studien, Kopien und Landschaften zeugen von der Suche einer sehr talentierten Künstlerin nach ihrem eigenen Weg.

Alexandra Liese wurde vor 45 Jahren in Moskau geboren. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Rangsdorf bei Berlin, wo sie auch Kindermalkurse gibt und bei der Kunsterziehung in Schulen mitwirkt. Sicherlich wird sie auch auf der nächsten Rosa-Luxemburg-Konferenz mit neuen Arbeiten vertreten sein.

Frank Wecker

Geschichte ist ein weites Feld

Vor 200 Jahren wurde Theodor Fontane geboren

„Wenn Mauern reden könnten…“, ist der Stoßseufzer von so manchem, der vor den Resten Jahrtausende alter Gebäude steht.

Einer, der das Talent hat, diese Mauern zum Reden zu bringen, ist Theodor Fontane, der vor 200 Jahren am 30. Dezember geboren wurde. In seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ führt er den Leser zu Herrensitzen, Schlössern und Kirchen Brandenburgs und läßt deren einstige Bewohner mit ihren Geschichten vor den Augen der Leser wiederauferstehen. Die Geschichten schöpfte er nicht allein aus verstaubten Folianten, sondern aus den Kirchenbüchern und vor allem aus Gesprächen mit Pfarrern, Bauern und den Nachfahren historischer Persönlichkeiten. Mit der Erschließung der Landschaft über die Menschen, erneuerte er das Genre der zu seiner Zeit sehr populären Reiseliteratur. Noch größere Verdienste erwarb er sich mit seinen Romanen, die einen ironischen Blick auf den preußischen Landadel eröffnen und uns vor allem Frauenschicksale und das Preußen des 19. Jahrhunderts erleben lassen. Daraus ragt der Roman „Effi Briest“ hervor, mit dem er sich in die Weltliteratur geschrieben hatte. Ebenso trat er als Balladendichter hervor; erinnert sei hier nur an „John Maynard“. Ins Englische übersetzt zieren seine Verse heute in Buffalo eine an das Schiffsunglück erinnernde Gedenktafel. In Brandenburg wurde dagegen der Birnbaum im Dorf Ribbeck zum Wallfahrtsort, dem Fontane mit seinem „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ ein schönes wenn auch unverdientes literarisches Denkmal setzte.

Immer wieder geriet Theodor Fontane zwischen die Mühlsteine von PR-Poesie für Preußen und der Hingabe an die rauhe Schönheit der Mark. Die Idee zu den märkischen Wanderungen kam ihm in Schottland, wo literarische Beschreibungen des Hochlandes die Leser für die Schönheit dieser Landschaft begeisterten. Gleiches habe auch seine märkische Heimat verdient, befand er.

Nach Großbritannien gelangte er im Staatsauftrag als preußischer Einflußagent.

Theodor Fontane wurde in die reaktionäre Restaurationsphase des europäischen Feudalismus hineingeboren. Seine Jugend war von der alle demokratischen und nationalstaatlichen Bewegungen verfolgenden „Heiligen Allianz“ geprägt. Als Jugendlicher stand er auf Seiten der Opposition. Während seines Studiums in Leipzig schloß er sich dem Herweghklub an und in Berlin war er unter den Revolutionären von 1848 zu finden. Da er jedoch nicht als Apotheker in die Fußstapfen seiner Eltern treten, sondern sein schriftstellerisches Talent ausleben wollte, mußte er Kompromisse schließen. So kleidete er seine Heimatliebe häufig in eine Verklärung des Preußentums, wobei er aber stets eine kritische Distanz wahrte und auf Tatsachen beruhende Kritik übte. Bei der Darstellung seiner Ruppiner Heimat kam er um eine ausführliche Geschichte des Regiments Kronprinz, das einst Friedrich II. kommandierte, nicht herum. Neben seinen „Heldentaten“ in den schlesischen Kriegen, schilderte er aber auch die Beteiligung an der Invasion gegen das revolutionäre Frankreich, wo der Dilettantismus von Friedrich Wilhelm II. vielen Soldaten das Leben kostete. Darüber beschwerte sich der Bruder des Großen Königs Prinz Heinrich, bei General Henckel von Donnersmarck, was Fontane genüßlich zitiert. Den da schon verstorbenen Friedrich II. erlaubt sich der Prinz, bei dieser Gelegenheit als Geschichtsfälscher zu bezeichnen. Nach dem sang und klanglosen Untergang des Regiments 1806 bei Auerstedt wurde es als 24. Infanterieregiment wiedergegründet. Es kam zum Yorckschen Korps, wo es sich im Befreiungskrieg Meriten erwarb. Nach diesem Lichtblick gehörte es dann zu den zuverlässigsten Truppen der Reaktion. 1848 stürzten seine Füsiliere in Berlin die Revolutionäre aus den Fenstern des Zeughauses. Im gleichen Jahr half das Regiment dem sächsischen König und eroberten in Dresden die von Gottfried Semper errichteten und mit roten Fahnen geschmückten Barrikaden. Danach nahm es die Barrikaden im aufständischen Iserlohn. Anschließend kämpften es die Revolution in der Pfalz und in Baden nieder. Schließlich bewährte es sich im Krieg gegen Dänemark, gegen das soeben noch verbündete Österreich und dann gegen Frankreich. Vor der Glorifizierung dieser Truppe führte Fontane in Erinnerung seiner Jugendideale zu den Dresdner Straßenkämpfen aus: „… Die revolutionäre Armee bestand aus Turner-, Künstler- und Studentencorps… Es handelte sich um eine Elitetruppe, die nach Intellekt, Wissen und bürgerlicher Stellung erheblich höher stand als die uckermärkischen Füsiliere… Eine Republik herstellen zu wollen, ist nicht notwendig eine Dummheit, am wenigsten eine Gemeinheit“.

Auch die märkische Landnahme der Hohenzollern sieht Fontane kritisch. Der erste Hohenzoller kam am Sonnabend, 22. Juni 1411, mit nichts weiter in den Händen, als dem Versprechen Kaiser Sigismunds, für seine Tätigkeit als Verwalter der Mark Brandenburg 100 000 ungarische Goldgulden zu erhalten, in Brandenburg an. Die wurden nicht ausbezahlt, sondern als Schuld des Kaisers der Mark aufgebürdet. Auf nicht mehr nachvollziehbare Weise wurde aus dieser Pfandverschreibung Hohenzollerscher Besitz, für den jetzt ein Sproß dieser Familie erneut Entschädigung verlangt. Der alte brandenburgische Adel, der wie die Quitzows und die Rochows Widerstand leistete, gilt bis heute als Räuber und Strauchdiebe, während sich die „ehrbaren“ Bredows letztlich dem Franken unterworfen haben. Auch diese Tradition wird fortgeschrieben wie die Zurschaustellung des 1813 gefangengenommenen sächsischen Königs im Schloß Friedrichsfelde in Berlin.

So bleibt die Lektüre von Theodor Fontane mit Hunderten weiterer solcher Geschichten bis heute aufschlußreich. Vor allem wegen des exzellenten wissenschaftlichen Anhanges sei dazu die Große Brandenburger Ausgabe des Aufbau Verlages empfohlen.

Frank Wecker

 

 

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