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Stolpersteine in Chemnitz
Unter
dem Motto: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn
sein Name ver-
gessen ist“ soll an Opfer der NS-Zeit erinnert
werden, die bisher kaum im
Mittelpunkt standen, weil deren Widerstand in
aufopferungsvoller Kleinarbeit
bestand. Vorgesehen ist, dass vor dem letzten
Wohnort des Betreffenden
eine Messingtafel mit seinem Namen als
„Stolperstein“ eingelassen wird.
Damit wird die Erinnerung an diese Menschen
lebendig gehalten.
Wir als Sprecherrat haben zugestimmt, die
finanziellen Mittel für einen Stein
aufzubringen. Er wird dass Andenken an Studienrat
Dr. phil.Otto Felix Guido
Goldhardt lebendig halten. Der Historiker, der
sich nach Angaben seiner
Witwe schon frühzeitig politisch engagiert hatte,
gehörte zu den Mitgründern
und Vorstandsmitgliedern der Chemnitzer Ortsgruppe
der Deutschen
Demokratischen Partei (DDP). Der Lehrer, der einer
im Thüringer Vogtland
ansässigen protestantischen Kaufmannsfamilie
entstammte, war seit Juni
1919 mit der Krankenschwester Mathilde Katharine
Schaarschmidt, der
Tochter des langjährigen Rektors des Chemnitzer
Realgymnasiums, des
Geh. Studienrates Professor Dr. Ulrich
Schaarschmidt (1849-1933), ver-
heiratet. In den Jahren 1920 und 1922 wurden ihre
Töchter Beate und Käthe
geboren. Der 1909 an der Universität Leipzig
promovierte Historiker arbeitete
zunächst als Lehrer für Geschichte und Deutsch an
dem erwähnten Real-
gymnasium. Nach der Verlegung des Gymnasiums in
den repräsentativen
Neubau am Karl-Marx-Platz setzte er seine
Tätigkeit an der Deutschen
Oberschule für Mädchen fort. Wenige Wochen nach
der NS-Machtergreifung
begann der Leidensweg des aufrechten bürgerlichen
Demokraten. Noch am
5. März 1933 hatte Dr.Goldhardt eine große
politische Rede in der letzten
Versammlung der DDP gehalten und zum Widerstand
gegen die neuen
Machthaber aufgerufen. Im Sommer 1933 wurde der
anerkannte Lehrer aus
dem höheren Schuldienst gemäß § 4 des „Gesetzes
zur Wiederherstellung
des Berufsbeamtentums“ entlassen und in den
vorzeitigen Ruhestand
versetzt. Ein weiterer Schicksalsschlag folgte
wenig später:
Die Familie musste sich aufgrund des
beabsichtigten Abrisses des Hauses
Kaßbergstraße 22 eine neue Wohnung suchen. Das
Nachbarhaus
Kaßbergstraße 22 a wurde um 1938/39 Sitz der
Geheimen Staatspolizei,
Staatspolizeistelle Chemnitz.In den Folgejahren
wurde Dr. Goldhardt
aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber dem
NS-Staat wiederholt
verhaftet, so im Februar 1936, als er zu zwei
Monaten Gefängnis
verurteilt worden war. Im März 1941 wurde der
zweifache Familienvater auf
Ersuchen des Oberstaatsanwaltes in Hirschberg
(Schlesien) zu einem Jahr
Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe im
Polizeigefängnis Breslau
wurde Dr. Goldhardt in das Vernichtungslager
Auschwitz überstellt, wo er
nach Angaben des Lagerarztes am 10. Juli 1942 im
Alter von 56 Jahren
angeblich an einer Herzmuskeldegeneration
verstarb.
Dieter Siegert OV Chemnitz und Umgebung
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